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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 30 (1902)

Von 
Hamburg nach Wladiwostok, 
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Schiff steuerte, trotzdem alle Segel bis auf die Reul gesetzt waren, sehr schwer, 
Es lag stets dwars in der See, schlingerte infolgedessen sehr stark und schöpfte 
viel Wasser über die Reling. Dieser Zustand dauerte bis 6" abends. : Es war 
eine kolossale Hitze, 35,5° C.; ich wünsche mir nicht mehr solche Tage, Gegen 
Abend wurde die Luft heller und kühler, die Dünung aus NW und Ost nahm ab 
und auch die aus NO wurde länger und schwächer. Als wir am 6. Mai 10° N-Br 
überschritten hatten, hoffte ich, die meisten Stillen überwunden zu haben, und nun 
noch eine mäfig gute Reise machen zu können, aber es folgte die Enttäuschung. 
11 Tage später, am 17., hatten wir kaum 18° N-Br erreicht. . 
Der Strom im Südchinesischen Meer war bis 16,5° N-Br vorwiegend nord- 
östlich, nahm dann aber: eine ungünstige Richtung an, indem er nach OSO, Süd 
und. WSW setzte. Bei letzteren Strömungen hatten wir oft starke Kabbelungen, 
Am 18. Mai viele Gewitter mit mallenden flauen ‚bis  mäfsigen Winden, 
welche gegen Abend wieder auf NO holten. Nachmittags ein furchtbar schweres 
Gewitter aus SW aufziehend; die Blitze schlugen immer dicht beim Schiff. ins 
Wasser, wolkenbruchartiger Regen. Wind nach dem Gewitter mit kräftigen, 
stürmischen. Stößsen aus NO auffrischend. Drohende Luft, hohe Kreuzsee aus 
ONO und SO, daneben Südwestdünung. Nachts etwas handiger, aber der Wind 
blieb puffig und mallend. Am 19. morgens nahın der Wind aus ONO an Stärke 
zu und wurde stürmisch; starke, anhaltende Regenschauer aus SW aufkommend: 
In..denselben holte der Wind südlich, um immer wieder in starken Stöfsen aus 
NO durchzukommen. Da ich bei dem unsichtigen‘ und - unbeständigen Wetter 
nicht zwischen die Bashie-Inseln laufen wollte, liefs ich das Schiff auf St-B.-Halsen 
beilegen.. Es schien, dafs wir starken Strom mit hatten. Der Wind wuchs an 
und die See aus SO und SW nahm rasch zu. Nachmittags holte der Wind von 
ONO auf SO und später auf SW. Wir lagen also auf den richtigen Halsen. 
Gegen Abend stellte sich eine hohe Nordwestsee ein, die Seen aus Ost und SO 
waren verschwunden. Der Wind war um 8'p SSW 3 bis 8, um Mitternacht 
SSW 9 bis 10, um 4*a des 20. SSW 10 bis 8, um 8a SW 8 bis 7 und um Mittag 
WSW 7 bis 9, böig. Der Regen hatte seit Mitternacht abgenommen. Ich wollte 
am Abend des 20. abhalten, liefs es aber sein, da das Wetter noch sehr unsichtig 
war und ich eine starke Stromversetzung befürchtete. 
Von der Ostseite Formosas durch die Ust-China-See, die Korea-Sirafse und die 
Japan-See nach Wladiwostok. 
Am 21. Mai um 4" a hielten wir bei mäfsigem Westnordwestwinde, der im 
Laufe des Vormittags sich zu NW veränderte, ab auf NNO-Kurs und befanden 
uns am Mittage zwischen Botel Tobago und Formosa, hatten demnach in den 
letzten 72 Stunden eine Stromversetzung von 70 Sm nach N3°O gehabt. ‚Als 
wir Botel Tobago passirt hatten, wurde es still und blieb so bis 8" abends, zu 
welcher Zeit leichter Wind aus NNO bis NNW aufkam. Trotz der Gegenwinde 
ging es jedoch ziemlich rasch weiter, Am 22. mittags befanden wir uns in 
23° 2‘ N-Br und 122° 30‘ O-Lg und hatten in dem Etmal eine Strömung von 62 Sn 
nach Nord gehabt. Dabei starke Stromkabbelung, der Wind NO4bis5, der Himmel 
bedeckt. Die an den zwei folgenden Tagen beobachteten Stromversetzungen 
waren vom 23, bis zum 24. Mai (24° 24’ N-Br und 122° 58’ O-Lg) N 41° O 41 Sm, 
vom 24. zum 25. (25° 44'N-Br und 123° 24‘ 0-Lg) N5°0O 40 Sm. Zwischen 
Ho-pin-su und Ti-a-usu hatten wir Windstille. Auf der letzteren Insel sahen ‚wir 
abends mehrere Feuer, ein Zeichen, dafs die Insel wohl bewohnt sein muß. 
Dann kamen wir mit leichtem Südostwinde in die Ost-China-See;. dies war am 
24. Mai abends. ; 
Hatten wir bis hierher eine einigermalsen annehmbare Reise gehabt, so 
sollte dieselbe auf der nächsten Strecke total verdorben werden. Bei mäfigen, 
mit Stillen abwechselnden Winden aus Nord bis ONO kamen wir bis zum 1. Juni 
nach 32° 40‘ N-Br und 125° 57’ O-Lg. Es war nicht möglich, ohne Breitenverlust 
die östliche Seite der See zu halten, trotzdem wir es immer wieder versuchten. 
Das Barometer hatte sich unter den täglichen regelmäfsigen Schwankungen hoch 
gehalten, begann aber am 1. Juni allmählich zu fallen, und der Wind holte auf 
SO, so dafs ich schon auf günstigere Verhältnisse zu hoffen anfing, doch der 
Hoffnungsschimmer war bald verblafst. Der günstige Wind dauerte nur 4 Stunden, 
dann ging der. Wind bei weiter fallendem Barometer wieder. über Ost nach NNO 
A
	        
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