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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 30 (1902)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 190” 
schon gesehen hatten, war heute noch in Sicht, obwohl wir seit gestern/35‘ N-Br 
gemacht hatten. Es mufste also wohl zurückgetrieben sein. ] 
Von Mittag des 27. bis zu dem des 28. April leichte Briese aus} WSW bis 
NW mit bewölkter Luft und Regen in den verschiedensten Tonarten, Mittagsort 
am 28. auf 0° 39‘S-Br und 107° 56‘ O-Lg. Da nun die schlimmsten Stellen 
glücklich überwunden sind, werde ich meine Reisebeschreibung wieder auf das 
gewöhnliche Mafs beschränken, 
Von der Gaspar-Strafse durch die Süd-China-See nach der Ostseite von Formosa, 
Mit böigen Winden aus SW bis NW, welche leider nur zu flau waren, 
steuerten wir an der Ostseite der Tamberlan-Inseln hin und dann, zwischen den 
Großen und Kleinen Natunas hindurch. Der stetige Wind war vorwiegend SW, 
die Böen kamen aus NW, waren aber nicht von langer Dauer. Regen, der zu- 
weilen wolkenbruchartig war, fiel fortwährend, Am 28. April hatten wir unweit 
südlich von Direction-Insel eine Wasserhose in der Nähe, Dieselbe stand ınit 
der darüberstehenden Nimbuswolke nicht in Verbindung. Es sah aus, als wenn 
am Lande an irgend einer zugigen Ecke der Staub aufwirbelt, Der Durchmesser 
an der Wasseroberfläche war ungefähr gleich einer halben Schiffslänge, die Höhe 
etwa 40 m, oben wehte sie auseinander, Die Hose lief mit grofser Geschwindig- 
keit, sich rauschend um sich selbst drehend, vor dem Winde nach SO, dicht an 
dem Schiffe vorüber, so dafs wir genöthigt waren, in den Wind zu drehen, um 
frei zu kommen. Windänderungen wurden nicht beobachtet. 
Bis zum 6. Mai in 10° 44‘ N-Br und 112° 25’ O-Lg hatten wir vorherrschend 
südliche und südwestliche Winde, Regenböen aus West mit wenig Wind und Blitzen 
in West bis SO. Nachts holte der Wind gewöhnlich östlich von Süd. Am 10, Mai 
standen wir auf 13° N-Br und 114° O-Lg. Die letzte Strecke hatten wir mit 
immer günstigen, aber leider zu flauen Winden zurückgelegt. Der Wind holte 
nachmittags West von Süd, nach Sonnenuntergang auf SO. Es war sehr drückend 
warm und kühlte auch nachts wenig ab, Es lief eine leichte Nordwest- und Südwest- 
Kreuzsee. An den letzten Abenden beobachteten wir einen hellen Kometen, 
dessen Kern als ein Stern zweiter Gröfe erschien und mit einem breiten, gelblich 
gefärbten, ungefähr 5° langen Schweif etwas westlich vom Orion stand. Am 
12. Mai stand der Komet mitten im Orion, 
Vom 12. bis zum 15. Mai war die Witterung so unbeständig, Temperatur 
und Luftdruck so abnorm und auch die auflaufende Dünung aus Nord, NO und Ost 
so unheimlich, dafs ich jeden Augenblick das Hereinbrechen eines Taifuns 
befürchtete. Das Barometer, welches in der letzten Zeit bei böigen Südost- und 
Ostwinden einen verhältnifsmäßig hohen Stand hatte, stieg am 11. von 761,0 mm 
um 4*a, bis 763,5 mm um 8" p, ohne die tägliche Periode einzuhalten, dann fiel 
es bis Mitternacht um 0,2 mm, um dann bis Mittag am 12. wieder auf 764,0 mm 
zu steigen. An diesem Tage viele Böen mit Gewitter, mehrere Wasserhosen, 
von denen eine nahe am Schiff zusammenfiel, Winde aus allen Richtungen von 
nur minutenlanger Dauer und sehr viel Stille und Regen. Es war eine trostlose 
Witterung, an Vorwärtskommen war gar nicht zu denken. Am 13. morgens lief 
eine kurze steile See aus NO, welche bis nachmittags zu-, dann aber wieder ab- 
nahm. Abends drohende Luft im Osten, die sich jedoch während der Nacht wieder 
verzog. Ich liefs allerorten Reservelaschungen anbringen, lose Gegenstände ver- 
stauen, Reservezeisinge auf die Raaen und Schwichtungen in das stehende Gut 
bringen, denn ich glaubte noch sicher, dafs wir etwas Taifunartiges bekommen würden, 
Am 14. Mai morgens schmierige Luft in SO und NW, obere Luft grau, 
Katzenhasr aus SW aufziehend, Cirren in SO bis Süd. Die untere Nimbusluft 
stand wie eine Mauer. Windstille, bewegte, zunehmende Nordostdünung. Dafs 
wir in der Nähe eines Unwetters sind, ist sicher; nur macht mich irre, dafs die 
Sonne noch keinen Hof zeigt, dafs das Barometer noch so hoch steht und dafs 
die Cirren nicht aus Nord und NO ziehen. Gegen 10* a wurde die Luft so dunstig, 
dafs die Sonne einen doppelten Hof zeigte; zur gleichen Zeit rissen sich Wolken- 
fetzen von der im NO stehenden, etwa 80° hohen Nimbusbank los und zogen 
langsam nach SW. Da hatten wir denn alle Anzeichen eines nahenden Taifuns, 
zu denen auch noch die unregelmäfsige Kreuzsee aus Ost, NO und NW kam. 
Aber der Taifun trat nicht ein. Ich bin jedoch überzeugt, dafs ganz in unserer 
Nähe sich ein solches Phänomen gebildet hatte, das uns, aber nicht traf,.* Das
	        
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