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Annalen der Hydrographie und Maritimen Metsorologie, März 1902.
so rasch auf White Rock unter Prinzen-Insel zugesetzt, dals wir wenden mulfsten,
Trotzdem wir vom Lande ablagen, trieb uns der Strom, als Windstille eintrat,
in gefährlicher Weise nach Prinzen Insel hinüber, und es kam jetzt für uns eine
Stunde banger Erwartung. Plötzlich sprang ein leichter Wind aus Süd auf, aber
bevor wir vollbrassen konnten, fanden wir uns auf Schiffslänge vom Strande
zwischen White Rock und dem auf der Karte der Sunda-Strafse von James
Imray & Son vermerkten Riffe. Zum Glück frischte der Wind auf und wurde 80
südlich, dafs wir mit längsschiff gebrafsten Raaen auf Steinwurfsweite an den
weiß scheinenden und stark brandenden Riffen vorbeitrieben, mitten durch eine
an dem Rande des Riffes stehende wilde Stromkabbelung, in welcher das Schiff
kaum zu steuern war. Um 1*p waren wir mit nun günstigem Strom und flauem
Winde Tanuyang-Spitze passirt. Die bekannte Vorschrift, „die Java-Küste zu
halten“, ist recht gut, aber wie ist sie ohne Wind auszuführen? Wir suchten mit flauen
mallenden südöstlichen Winden und Stillen die Java-Küste wieder zu erreichen,
welches uns denn auch mit einer um 11* nachts aufspringenden Regenböe, in
welcher der Wind südlich holte, so ziemlich gelang. Der Strom war mit unge-
fähr 1 Knoten Geschwindigkeit günstig gewesen, wandte sich um 1l"a jedoch
nach SW, und da auch Windstille eintrat, ankerten wir auf 28 Faden, hellgrünem
Mudd, das Feuer von Vierte Spitze in NOzN von der Fockraa sichtbar.
Am 19. April um 6*a kam Landbriese aus SO durch, mit welcher wir
dann weitersegelten, wobei der Strom seit 7°a mit 1 Knoten Geschwindigkeit
nach NO setzte. Als um 2*p der Strom anfing zu kentern und mit 2 Knoten
Fahrt nach SW lief, ankerten wir auf 17 Faden, Vierte Spitze NOzN und Kra-
katao WNW. Der Strom, der seit 11*a zugenommen hatte, lief den ganzen
Nachmittag und die Nacht hindurch bis um 6*a; als er wieder schwach ge-
worden war, konnten wir mit einer leichten Landbriese wieder ankerauf gehen.
Wir kamen dann mit einer schlanken Briese aus NW bis NNO bis zu der
Peilung Vierte Spitze NNO 2 Sm, wo wir um 2*p am 20. April bei eintretendem
starken Gegenstrome wieder ankern mußten. Ein sogenannter Pilot, besser ge-
sagt Handelsmann und Bettler, sagte mir, dafs bei Neu Anjer zwei Engländer
schon drei Tage lägen. Aus seinem Buche ersah ich, dafs das eine englische
Schiff mit einer Reise von 119 Tagen ab Philadelphia, das andere mit 107 Tagen
von Cardiff notirt war. Zwei Italiener, die sie hier mit Brafsmann tituliren,
schienen schon längere Zeit dort gewesen zu sein,
Unter ähnlich wechselnden Verhältnissen kamen wir am 21. April bis
dicht unter Merak-Insel, wo wir um 5®p auf 19 Faden Wasser ankerten, Als
wir am Morgen den Feuerthurm von Vierte Spitze passirten, gaben wir der
dortigen Signalstation unsere Signale. Wir sind heute, 21. April, drei Tage in
der Straße, hoffentlich kommen wir morgen in die Java-See. Der Fluthstrom
nach NO lief während unserer Anwesenheit ınit nur mäfsiger Stärke und nur an
der Java-Küste. 2 Sm von derselben ab lief immer Südweststrom. Man konnte
immer die Stromscheide deutlich wahrnehmen und deshalb immer zur rechten
Zeit wenden. Der Ebbestrom lief etwa 2 bis 2,5 Knoten. Die Feuer von Java
Spitze und Vierte Spitze sind sehr gut. Das Wetter war, einige leichte Regen-
böen abends aus dem Lande abgerechnet, schön und sichtig. Die Lage des
Kabels von Java nach Sumatra, welches in der Näbe der Vierten Spitze zu finden
sein soll, müßte durch Tonnen bezeichnet sein, wenigstens so weit von der Küste,
als die Schiffe in der Regel ankern. Die Lage des Kabels in meiner Karte ist
nach Aussage der Ansässigen falsch.
Am 22. April um ("a kürzten wir Kette, Der Oberflächenstrom setzte
zur Zeit nach der Logge mit 4 Knoten Fahrt nach SSW*’/2W; das Loth, welches
wir mehrere Male warien, trieb jedoch, wie die Peilung der Leine zeigte, recht
nach Süden. Um "a war das Wasser um ungefähr 8 Fuß gefallen, der Strom
lief jedoch, wie schon bemerkt, noch immer mit 4 Knoten nach SSW'/2W. In
der Richtung Vierte Spitze und Merak-Insel zeigte sich starke Stromkabbelung.
Es Jagen außer „Pera“ noch eine Bark unter der St. Nicolas-Spitze und ver-
schiedene Küstenschoner in unserer Nähe vor Anker. Nachdem wir um 9*a
ankerauf gegangen waren, versuchten wir bis 11'/* vergeblich, das Schiff auf
seinen Kurs zu bringen; wir trieben langsam nach NNO mit !/» Knoten Ge-
schwindigkeit, und erst um Mittag gelang es uns, mit frischer Briese aus Ost in
Fahrt zu kommen. Wir lagen dann Nord bis NzO vor. Abends 8 befanden wir