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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 30 (1902)

Von Hamburg nach Wladiwostok: 
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mit B-B.-Halsen am Winde. Am 10. um 4"p kam der Wind, ‚nachdem er 
langsam nördlich und nordwestlich gedreht und aufgefrischt war, plötzlich 
aus SW (4), der Nebel ging in Staubregen über und es wurde böig. Mit mal- 
ljendem Südwest- bis Westwinde überschritten wir dann am 11. März um 2* p den 
Meridian von Greenwich in 41° S-Br, nach 225 Tagen Fahrt vom Aequator, 
In dieser ganzen Zeit hatten wir immer schönes. Wetter. Die Windstärke war 
höchstens 5 bis 6, meistens unter 5, das Barometer hielt sich hoch und ruhig, 
und aufser einigen schwachen Regenböen und dem kurze Zeit anhaltenden Nebel 
hatten wir stets trockenes Wetter, Nur war der Wind bis Tristan d’Acunha oft 
zu_flau. Das war das Einzige, was ich bis hierher zu bemängeln hatte, 
Von 0° Lg nach der Sunda-Strafse. 
Was ich über den nächsten Abschnitt der Reise, bis nach 80° O-Lg, 
schreiben soll, weils ich eigentlich selbst nicht recht; es ist jedenfalls nichts 
sehr Erfreuliches, Es war vom Antritt der Reise an meine Absicht, bis auf 
etwa 45° S-Br zu gehen und auf dieser Breite die Länge abzulaufen.. Es sollte 
aber ganz anders kommen; statt der braven Westwinde fanden sich nur zu brave 
Süd- und Südostwinde ein und vereitelten mein Vorhaben. Am 17. März drehte 
sich der Wind, nachdem er kurze Zeit aus West geweht hatte, rasch an Stärke 
zunehmend, auf SSO 11. Abends 11 Uhr brach in einer Böe das Backbord- 
nockband der Voruntermarsraa, wodurch das Scheibengat der Schoot des Ober- 
marssegels los kam und letzteres eingenommen werden mufste, bis der Schaden 
reparirt war, Durch das Wegnehmen des Vormarssegels wurde das Schiff sehr 
luvgierig, so dafs ich, um doch von Zeit zu Zeit die Luken über Wasser zu 
bringen — das Grofsdeck war immer voll Wasser bis zur Reling — mehr und 
mehr abhalten multe, Am 20, fanden wir uns dann wieder glücklich auf 
38,5° S-Br. Ich hielt es jetzt nicht mehr für vortheilhaft, so weit südlich zu 
gehen und nahm mir vor, 80° O-Lg in 42° S-Br zu schneiden. Wir kamen dann 
auch zwar langsam, durch nördlichen Wind, welcher am 22, März bis NNO 10 
zunahm, begünstigt, glücklich in 57° O-Lg bis 42° 8' S-Br, unserer südlichsten 
Position, dann aber wurden wir durch beständige Winde aus SO bis ONO wieder 
nach Norden gedrängt, so dafs wir 70° O-Lg in 40° S-Br ansegelten, Am 
2. April, als wir die Insel Amsterdam in Süden, 30 Sın entfernt, gesichtet hatten, 
bekamen wir erst eine einigermafßsen befriedigende Gelegenheit, Nach unserem 
besten Etmal von 270 Sm schnitten wir am 9. April 100° O-Lg in 29,2° S-Br. 
Von 0° bis 80° O-Lg hatten wir 23 Tage gebraucht. . 
Am 11. und 12. April machten wir bei Stille und Mallung den Uebergang 
in den Südostpassat. Am 13. schnitten wir 20° S-Br in 102,8° O-Lg bei frischem 
Ostwinde, am 15. 15° S-Br in 105° O-Lg und am 16. 10° S-Br in 105,2° O-Lg 
bei kräftigem 0SO. Die Reise von 80° O-Lg bis 10° S-Br hatte demnach nur 
13. Tage in Anspruch genommen. Am 17. April befanden wir uns nahe vor der 
Sunda-Strafse, ohne Christmas-Insel gesehen zu haben, trotzdem wir sie gestern 
Abend auf nur 20 Sm Abstand passirten. Gestern Abend zeigte uns auch fernes 
Wetterleuchten in NNO bis Nord die Annäherung an das Land. Jetzt sehe ich mit 
Spannung den kommenden Dingen entgegen; ich hoffe bestimmt, noch im Laufe 
der Nacht in die Sunda-Strafse einzusegeln, das wäre dann ja noch unter Mittel- 
reise vom Kanal.) 
Durch die Sunda-Strafße. 
Leider mußten wir abends beidrehen, da der Wind zu nördlich und. sehr 
steif wurde. Wir hielten uns mit dem Kopf nach Land und trieben langsam auf 
das abends 7 in Sicht gekommene Feuer von Java Höft zu. Bis Mitternacht 
setzte leichter Strom nach 0SO, dann jedoch kenterte derselbe, so dafs wir bei 
Tagwerden ungefähr 5 Sm südlich vom Feuerthurm standen. Nachdem wir ab- 
gehalten, trieben wir rasch dem Eingang des Prinzen-Kanals zu und passirten 
um 8a am 18, April nahe von Friar-Felsen. Mit leichter Briese aus Ost bis 
ONO steuerten wir beim Winde auf St. B.-Halsen, wurden jedoch vom Strome 
‘) Die mittlere Dauer einer Reise vom Kanal nach der Sunda-Strafse, die im Januar ange- 
treten wird, ist 104 Tage. „Pera“ gebrauchte nur 87 Tage — vom 20, Januar bis zum 18, April — 
zıı dieser . Fahrt. '
	        
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