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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 30 (1902)

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Aunaleu der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1902 
aus Süd, dann aus SSO, und wehte .am 16. frühmorgens mit Stärke 8 bis 9, 
böig und mit Regen, uns guten Fortgang gewährend. Um 8a wurde es bei 
einem niedrigsten Barometerstand von 756,2 mm flauer und der Wind holte über 
SW nach West, auch aus dieser Richtung mehr und mehr abnehmend. 
Mittags wendeten wir unter Start Point südwärts. Das Wetter blieb gut bis 
zum nächsten Mittage; dann zeigten aufkommende Cirren im Süden, sowie das 
Fallen des Barometers an, dafs eine neue Depression im Anzuge wäre. Der Wind 
holte denn auch abends südlich und nahm zu bis Stärke 10. In der Nacht auf 
den 19. Januar war derselbe sogar SSO 11, .holte aber schon um 5"a auf 
SW und nahm etwas ab; um 8a ging er bei einem niedrigsten Barometer- 
stande von 746,2 mm nach West. Es kam eine hohe, unangenehme See anf, die 
das Deck beständig bis an die Nagelbank voll Wasser hielt, Morgens am 
20. Januar halsten wir südwärts; der Wind hielt sich zwischen West und 
WNW und nahm langsam, aber stetig ab, wie auch das Barometer langsam 
und beständig aufging. Bei diesen Anzeichen anhaltend guten Wetters hielt 
ich es nicht rür zu gewagt, Ouessant in ungefähr 5 Sın beim Winde zu passiren. 
Abends 8* hatten wir den Kanal nach achttägiger Reise von der Elbe hinter 
uns. Meine Annahme betreffs der Witterung bestätigte sich denn auch. Das 
Barometer stieg mehr und mehr bis auf 776,6 mm, worauf der Wind am Abend 
des 21. Januar wieder südlich holie, 
Vom Kanal zum Aequater. 
Vom Kanal bis zum Aequator hatten wir immer schönes Wetter bei 
schwankendem hohen Luftdruck, leider nur zu schwachen. Wind, welch letzterer, 
nachdem er nochmals über Süd nach NW gegangen, aus einer nördlichen, später 
östlichen Richtung kam. 
Am 27. Januar schnitten wir 40° N-Br in 16,8° W-Lg, dann am 31. 
30° N-Br in 21° W-Lg. In 28° N-Br begann der Wind am 1. Februar bei ab- 
nehmendem Luftdruck eine neue Drehung nach Süden, die am 3. bei steigendem 
Barometer «<eiter auf West und NW ging. Der Wind war dann schwach 
und mallend bis 18° N-Br und 25,5° W-Lg, wo wir einen ebenfalls flauen, sehr 
östlichen Passat erhielten. Derselbe begleitete uns bis zum 15. nach 24° N-Br 
und 26,2° W-Lg. Hier bekamen wir wieder Mallung und zwar mit Regenböen, 
doch setzte schon am nächsten Tage auf 1,8° N-Br und 27° W-Lg mit einer Böe 
der Südostpassat ein. Wir schnitten den Aequator in 28° W-Lg am 17. Februar 
nach 36 Tagen von der Elbe und 28 Tagen von Ouessant und hofften jetzt auf 
einen besseren Fortgang der Reise.!) 
Vom Aequator bis 0° Lg. 
Bis 10° S-Br in 318° W-Lg hielt sich der Wind in SO und war 
ziemlich frisch. Wir hatten vom Aequator nach 10° S-Br nur 4° W-Lg gemacht; 
dann aber holte der Wind statt östlicher, südlicher, und mufsten wir deshalb 
bis 24° S-Br immer noch Länge zusetzen. Erst am 27. wurde er raumer, wir 
konnten jedoch erst am nächsten Tage abends den vorgezeichneten Ostsüdostkurs 
aufnehmen. Der Südostpassat hatte uns also bis 27° S-Br gebracht. Das war 
ja sehr schön, aber erwünschter wäre es doch gewesen, wenn er etwas frischer 
und auch etwas östlicher in Richtung geweht hätte. Die Böen im Passat kamen 
gewöhnlich aus einem östlicheren Striche und waren mitunter recht heftig, so 
dafs z. B. am 23. in 15° S-Br beide Reulstagsegel und das grofse Bramstagsegel, 
welche wir bei Ouessant gesetzt und bisher noch nicht eingenommen hatten, weg- 
flogen. Die See im Passat war zeitweilig stark aus ONO, meistens aber sehr 
mäfsig aus SO bis 0SO. 
Von 18,1° S-Br an ging das Barometer auf und stand am 2. März in 
30° S-Br und 29,5° W-Lg auf 770,4 mm unred. Der Wind hielt sich bis zum 
7. in 37,8° S-Br und 13° W-Lg immer gleichmäfsig zwischen NO und NNW, 
dann wurde er flau und holte bei nebligem Wetter und Staubregen auf SO 
und weiter nach Ost und ONO. Am 8. abends segelten wir schon wieder 
I) Die mittlere Dauer der Fahrten von Lizard-Länge bis zum Aequator, die im Januar 
angetreten werden, ist nach den Reisen in den Jahren bis 1888 einschliefslich 29,5, nach den 
späteren Reisen 28,8 Tage. Die Reise der „Pera“ war demnach keineswegs lang.
	        
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