Die Witterung zu Tsingtau im September, Oktober und November 1901. 135
fiel erst auf den 26. August, während die höchsten Temperaturen in den anderen
Beobachtungsjahren im Monat Juli auftraten, so im vorigen Jahre 32,3° am
24. Juli und 32,6° am 23. Juli 1899. Die Temperaturschwankungen waren ge-
ringer als in den Vorjahren; die Temperaturen selbst wirkten auch nicht so
erschlaffend auf den Körper ein, als dies z. B. im Sommer 1898 der Fall war,
Im Sommer 1901 betrug die mittlere Bewölkung 5,5 Zehntel des Himmels;
es kamen 13 heitere und 18 trübe Tage zur Auszählung, im vorjährigen Sommer
kamen dagegen nur 9 heitere, aber 24 trübe Tage zur Berechnung. -
Im Einklang mit dieser Auszählung stehen die Regentage und Regen-
mengen; es fielen im ganzen Sommer an 19 regnerischen Tagen nur 157,1 mm
Regen, während diesem der vorige Sommer mit 40 Regentagen und 4666 mm
Regen gegenübersteht. Der Sommer 1899 wies 35 Regentage und 269,7 mm
Regen auf. Von den Sommermonaten des Jahres 1898 liegen Beobachtungen
des Niederschlags nur für Juli und August vor, in diesen beiden Monaten be-
trug die Zahl der Regentage 29, die Niederschlagsmenge 496,7 mm.
Aus diesen. Zahlen geht hervor, dafs die sogenannte Regenzeit sehr ver-
schieden ausfallen kann, und dafs der diesjährige Sommer, wie ja auch das
ganze Jahr, der regenärmste war, welcher bisher beobachtet wurde,
= Trotzdem war die relative Feuchtigkeit der Luft, mit 86 pCt. im Mittel,
ebenso grofs als die des vorjährigen Sommers und noch um 5 pCt. gröfser als im
Sommer 1899; der Grund für den geringen Niederschlag ist darin zu suchen,
dafs die schweren Regenwolken fast immer über Tsingtau hinwegzogen und erst
im Hinterlande zur Entladung kamen. ;
Die Winde wehten mit einer mittleren Stärke von 2,4 der Beaufort-
Skala zum allergröfsten Theil aus südöstlicher Richtung, An 2 Tagen erreichte
der Wind Sturmstärke, am 4./8, wehte derselbe mit Stärke 8 aus 0SO und am
5./8. aus SO mit Stärke 8 bezw. 9. Dieser zweitägige Sturm richtete, wie schon
im früheren Bericht („Ann. d. Hydr. etc.“, 1901, Seite 555) gesagt, durch die
schwere Dünung, verbunden mit hohem Wasserstande, mannigfachen Schaden an
den Brücken: der Seeseite sowie an einzelnen am Wasser stehenden Häusern von
Alt-Tsingtau an.
Herbst 1901. In Bezug auf die Temperaturen der Luft ist der Herbst dieses
Jahres dem des Vorjahres ähnlich, denn es betrug die mittlere Tagestemperatur
15,5°, dies war nahezu derselbe Werth wie der des Herbstes 1900. . Die täglich
höchsten und niedrigsten Temperaturen weisen im Mittel zwar auch beinahe die
gleichen Werthe auf, jedoch sind in diesem Herbst die Schwankungen etwas
geringer als im Herbst des Vorjahres. Die höchste Temperatur in diesem Herbst
betrug 29,0°, im Vorjahre 30,0°; der niedrigsten Temperatur von — 2,3° steht
im vorigen Herbst eine solche von —1,3° gegenüber. |
Die mittlere Bewölkung des Himmels, 3,9 Zehntel betragend, war zwar
um 0,5 Zehntel kleiner als im vorjährigen Herbst, jedoch ist die Zahl. der
heiteren Tage (30) dieselbe und die der trüben Tage (11) nur um 3 kleiner
als im Herbst 1900.
Den 15 Regentagen in diesem Herbste, welche 157,0 mm Regen, haupt-
sächlich im Oktober brachten, stehen im vorjährigen Herbst 17 Regentage mit
100,0 mm Niederschlag, der ebenfalls fast ausschliefslich im Oktober niederging,
entgegen.
5 Die relative Feuchtigkeit der Luft, welche im Mittel 71 pCt. betrug, war
um 2 pCt. gröfser als im Herbst 1900.
Die Winde, welche zum gröfsten Theil aus nördlichen Richtungen wehten,
erreichten eine mittlere Stärke von 2,5 der Beaufort-Skala. Nur an einem Tage
während des Herbstes, am 18./11., erreichte der Wind Sturmstärke. Zur Zeit
der täglichen Beobachtungstermine wurden stärkere Winde notirt für den: 7./9.
N 6, 8./9. NW 6, 9./9. WNW 6 und NW 6, 4./10. NW 6 und N6, 26./10. WNW 6,
30/10. NNW 6, 31./10. NW 6, 18/11. NW 7 und WNW 8 und am 19/11,
WNW 7.
Das Barometer hatte während des Herbstes einen mittleren Stand von
765,5 mm gegen 766,2 im Vorjahre. . ;
Jahr 1900/1901. Vergleicht man zum Schlufs dieses Jahr mit dem Jahre
1899/1900, so findet man, dafs zwar der vorige Winter nicht ganz‘ so niedrige
Temperaturen aufweist als der von 1899/1900, dals sich aber dafür noch bedeutend