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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 30 (1902)

Aunnaleu der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1902, 
Cochin. © 
Nach Fragebogen No. 1114 des Kapt. J,. Bahle, D. „Deike Rickmers“, vom 2, August‘ 1899; 
Fragebogen No. 1348 und 1864 des Kapt. H, Schmidt, D. „Flensburg“, vom 5. Aprit 1900, und 
einem Bericht des Kapt. R. Pesch, D. „Norderney“, vom 8, März 1901; ergänzt nach englischen 
Quellen. 
Der Hafen von Cochin (Kochchi-Bandar, kleiner Hafen) ist einer der 
gröfsten Häfen in der Präsidentschaft Madras und bietet einer grofsen Anzahl 
Schiffe Schutz. Die Stadt Cochin ist an der Südseite der bedeutendsten schiff- 
baren Einfahrt in den Travancore-Meerbusen erbaut und hat über 1 Sm Aus- 
dehnung. Der Stadt gegenüber liegt die Vaipin-Insel, die im Jahre 1341 ent- 
standen sein soll. Die Stadt wurde schon früh von Europäern besucht. Jüdische 
und syrische Missionare waren hier schon im 8. Jahrhundert vertreten. 1502 
gründete Vasco de Gama in Cochin eine Fabrik. 1503 legte Albuquerque hier 
ein Fort an, das erste europäische Fort in Indien. 1577 erschien in Cochin 
das erste in Indien gedruckte Buch. 1663 wurde das Land von den Holländern 
besetzt, die die Stadt und das Fort bedeutend erweiterten. 1795 am 20 Oktober 
zogen während des Krieges zwischen Frankreich und Holland englische Truppen 
in Cochin ein, dessen formelle Uebergabe an England 1814 stattfand. Zahl- 
reiche weise alte holländische Bauten geben der Stadt ein malerisches Aus- 
zehen. Mehrere Kirchen sind vorhanden. Die alte protestantische Kirche, die 
schon vor 1546 gegründet wurde, enthält viele alte Gräber. Die Kathedrale, 
das Fort, Kaianlagen und viele Gebäude wurden durch die Engländer 1806 
zerstört. Die Einwohnerzahl beträgt etwa 20000. 
Ansteuerung ist einfach. Das niedrige Land ist schlecht auszumachen, 
Als Landmarken dienen der weiße Leuchtthurm von Cochin, der 3 Sm nördlich 
von Einfahrt stehende Flaggenmast von Mallipurum und der noch 1 Sm nörd- 
licher dicht an der Küste stehende Obelisk. Auch liegen auf Cochin-Rhede 
stets Dampfer. Die Stadt ist, von Süden kommend, kaum zu sehen, da sie von 
Bäumen verdeckt wird. Nachts läuft man, von Norden kommend, aus dem 
Feuerkreise des Alleppi-Feuers gleich in den des Cochin-Feuers ein. 
Lootsenwesen. Zwei Regierungslootsen sind in Cochin, die auf Lootsen- 
signal hin Schiffe in den Hafen lootsen. Das weiße Lootsenboot führt tags 
Flagge H; nachts kommen die Lootsen nicht heraus. Der Lootse kommt dem 
Schiffe bis !/2 Sm aufserhalb der Aufsentonne entgegen. Es besteht Lootsen- 
zwang für Schiffe über 100 Registertounen. Lootsengeld für Schiffe von 201 
bis 400 Registertonnen beträgt 30 Rs., von 401 bis 600 Registertonnen 40 Rs., 
über 600 Registertonnen 50 Rs., Verholen für Schiffe über 300 Registertonnen 
7 Rs. Schleppdampfer giebt es nicht. 
Leuchtfeuer, Ein weilfses, festes Feuer von 15 Sm Sichtweite brennt 
30,5 m über Hochwasser auf einer weifsen Säule auf einem Erdhügel an der 
Südseite der Einfahrt in den Hafen. Lage des Leuchtfeuers 9° 57,8°N und 
76° 13,8‘0. Das Feuer soll in ein weifses festes Feuer, das jede Minute durch 
eine Gruppe von vier Verdunkelungen unterbrochen wird, umgeändert werden; 
über den Zeitpunkt der Aenderung sind Nachrichten noch nicht eingegangen. 
Quarantäne, Gesundheitspals wird verlangt, auch muls man ärztlichen 
Besuch abwarten, bevor man mit dem Lande in Verkehr tritt. Quarantäne- 
einrichtungen sind nicht vorhanden. Ein Krankenhaus nimmt auch Seeleute 
auf. Wenn die Pest im nördlichen Indien herrscht, erhält man Erlaubnifs zum 
Löschen und Laden, ohne vorher an Land gewesen zu sein. 
Zollbehandlung ist gut. Verlangt werden Ladungsmanifest, Proviant- 
and Mannschaftsliste. 
Ankerplatz auf der Rhede. Den besten Ankerplatz vor Cochin aufser- 
halb der Barre auf 11,0 m Wasser, Grund: weicher Schlick, findet man in 2 
bis 2! Sm Abstand vom Lande, wenn man Cochin-Flaggenmast rw. N 85° 0 
mw. 0 !%4 N) bis rw. 567° O0 (mw. 050) peilt, muß aber bei schlechtem Wetter 
nach Narakel, etwa 5 Sm nördlich von Cochin, dampfen, wo man besseren 
1) Letzte Veröffentlichung in den „Ann. d. Hydr. ete.“, 1890, S. 199. Brit, Adm-Krt. 
No. 749. West Coast of India, Sheet XI. und No. 65. Cochin River (entrance). “
	        
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