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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 30 (1902)

104 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1902, 
Cobija und Mejillones liegen, verlustig und wurde dadurch zu einem Binnen- 
ataate. Der Aus- und Kinfuhr stellten sich schon vor dem Kriege grofse 
Schwierigkeiten entgegen, da der gröfste Theil des Landes auf der Ostseite der 
Cordilleren liegt und infolgedessen die Waaren über.das Gebirge geschafft 
werden mufsten. Nach dem Frieden wurde der Handel, dessen Kntwickelung 
schon durch innere Revolutionen fortdauernd gehemmt wurde, durch die Ab- 
hängigkeit von den Zöllen des Nachbarstaates noch wesentlich erschwert. Die 
Regierung sah sich daher gezwungen, die in den grofsen Strömen Südamerikas 
von der Natur gegebenen Verkehrswege nach Möglichkeit für das Land auszu- 
nutzen und dadurch eine direkte Verbindung mit dem Atlantischen Ozean an- 
zustreben, wodurch die Waaren billiger, schneller und sicherer auf den über- 
geeischen Markt gelanzen könnten, als es auf dem Wege über Chile und dann 
um Kap Horn möglich gewesen war. Mit grofsen Mitteln wurde daher die 
Schiffahrt auf dem Madeira, einem Nebenflusse des Amazonas, eröffnet. Es 
zeiyte sich jedoch bald, dafs dieser Verkehrsweg nicht die erhofften Vortheile 
brachte. Auch eine Bahnverbindung des Mayu-tata-Thales mit dem Aquiry, 
einem Nebenflusse des in den Amazonas mündenden Purus, erwies sich als un- 
zweckmäfsig. Neuerdings hat nun die Regierung ihr Augenmerk auf das Flufs- 
aystem des Paraguay gelenkt und den englischen Kapitän Bolland, der bereits 
viele Erfahrungen in der Schiffahrt des La Plata gesammelt hatte, mit der Ver- 
messung des Alto Paraguay und der Gaiba-Lagune beauftragt. Das KErgebnifs 
dieser Vermessungen :ist von der bolivianischen Regierung in dem Werke: 
„Exploraciones Practicadas el Alto Paraguay y en la Laguna Gaiba, par el 
Capitan Enrique Bolland“ veröffentlicht und in einem Auszuge von G. E. Church 
im Geographical Journal, Vol. XIX, No. T, wiedergegeben, dem wir folgende 
für die Schiffahrt interessanten Bemerkungen entnehmen. 
Die Expedition verliefs den Hafen Suarez (18°55,4'S-Br und 57° 50,5‘ W-Lg) 
am 9. November 1900 auf dem zu diesem Zweck gecharterten Dampfer „General 
Pondo“. Das Schiff hatte 21m Länge, eine Maschinenstärke von 25 Pferdekraft 
and ‚einen geringsten Tiefgang von 0,9 m. Man gebrauchte 3'/a Stunden, um 
das 11 Sm entfernte Corumb£ zu erreichen, da die Caceres-Bucht sehr Ülach ist 
und der Dampfer kaum, ohne Grund zu berühren, vorwärts kommen konnte. 
2 Sm oberhalb der San Lourenzo- oder Cuyabd-Einmündung in den Paraguay 
biegt das Ufer plötzlich nach Westen um. Der Fluls wird hier bedeutend 
schmaler, die Wassertiefe bleibt jedoch die gleiche. Eben vor dem Ausfluls 
der Gaiba-Lagune passirte man eine Barre, auf der nur 2,7 m Wasser war, und 
steuerte dann in einen Arm des Alto Paraguay hinein, der mit der Gaiba- 
Lagune in Verbindung steht. Dieser Arm ist im: Gegensatz zur Fortsetzung 
des eigentlichen Flufslaufes breit und rein und verläuft in Ost—Westrichtung. Der 
Flufsstrich zwischen Corumbä und der Gaiba-Lagune ist gröfstentheils stark 
gewunden und bietet dasselbe Aussehen wie der Flufsstrich zwischen Corumbä 
und Asuneion. Die Ufer sind theilweise niedrig und sumpfig, theilweise schwach 
hügelig oder felsig. Der Flufs hat auf dieser ganzen Strecke nur drei. flache 
Stellen, den Rio Viejo, wo man am 18. November nur 2,7 m Wasser lothete, 
dann Las tres Bocas, wo man an demselben Tage 3,3 m Wassertiefe fand, und 
die Gaiba-Lagune, wo am 20. November 2,4 m Wasser gefunden wurde. Die 
gröfste Wassertiefe betrug meist 15 m. Sehr scharfe Krümmungen. sowie 
Strömungen mit über 3 Sm Geschwindigkeit, und Wasserpflanzen, die das Fahr- 
wasser versperren, wurden nicht vorgefunden. ; ., # 
Kapitän Bolland kommt zu dem Schlusse, dafs dieser Flufsstrich zu 
allen Zeiten allenthalben für Dampfer von 1,5 m Tiefgang, deren Länge 65 m 
nicht überschreitet, fahrbar ist. Es ist jedoch wahrscheinlich, dafs die Fahr- 
wasserverhältnisse infolge Ueberschwemmungen großen Aenderungen unterworfen 
sind, wie sie der San Lourenzo und der Paraguay zeigen. 
. Nach dem Passiren der Gaiba-Lagune durchsteuerte man den Rio Pando, 
einen engen Kanal, der die Gaiba- und die Oberaba‘)-Lagune verbindet. Die 
Ufer des Kanals sind niedrig und werden zeitweise überschwemmt. Die Oberaba- 
Lagune ist bedeutend gröfßser als die Gaiba-Lagune, ihre Ufer stehen bei hohem 
Wasserstande ganz unter Wasser. Das angrenzende Land ist, soweit man sehen 
+ Auch UÜberaba. -
	        
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