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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1902
Veracruz.
Nach Konsulatsfragebogen No. 665 vom 18. Juni 1898 und No. 1781 vom 20, Mai 1901; Frage-
bogen No. 111 des Kapt. Knuth, D. „Calabria“, vom 30. Jan, 1898; Fragebogen No. 200 des
Kapt. A. Th. Rörden, D. „Constantia“, vom 2. März 1898; ergänzt nach englischen und ameri-
kanischen Quellen.
Hierzu Tafel 3.)
Mifsweisung für 1900,0 = 7° 0.
Die Stadt Veracruz ist die bedeutendste Handels- und Seestadt an der
Ostküste Mexikos und die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz. Sie ist sehr
regelmäfsig angelegt, ihre Thürme und Wälle verleihen ihr einen prachtvollen
Anblick von See aus, Die unmittelbare Umgebung der Stadt gleicht einer
Wüste. Die aus dem Meere und dem Sandboden aufsteigenden Dünste und das
blendende Licht der hier fast senkrechten Sonnenstrahlen machen das Leben
tagsüber unerträglich. Das Klima ist sehr ungesund, die Ursache davon ist
hauptsächlich in mangelhafter Kanalisation zu suchen. Schwindsucht, gelbes
Fieber, Malaria und Wechselfieber treten häufig auf. Neuerdings hat man mit
der Firma Pearson & Son Ltd., London, einen Vertrag für Kanalisation und
Wasserversorgung abgeschlossen. Man hofft dadurch eine wesentliche Ver-
besserung des Gesundheitszustandes zu erzielen. Grofsartige Hafenbauten sind
seit Jahren im Gange und theilweise vollendet, um den Hafen, den früher nur
eine offene, unsichere Rhede bildete, zu einem völlig sicheren zu machen und
den Handel zu heben, Vergl. hierzu Tafel 3. Die Einwohnerzahl betrug Ende
1900 28 586.
Landmarken. Bei klarem Wetter ist der mit ewigem Schnee bedeckte,
über 5500 m hohe Orizaba-Gipfel, der höchste Punkt in Nordamerika, schon aus
150 Sm Abstand gesichtet worden. In der Sprache der Eingeborenen wird der
Gipfel als Citlatepetl oder Sterngebirge sehr treffend bezeichnet. Der Berg ist
vulkanischer Natur, Ausbrüche haben jedoch seit 1856 nicht stattgefunden. Der
31/3 Sm im Umfang messende Krater kann schon aus beträchtlicher Entfernung
leicht ausgemacht werden. Cofre de Perote, ein viereckiger, 4300 m hoher
Gipfel, 25 Sm nördlich vom Orizaba, ist bei klarem Wetter weithin sichtbar.
Schnee fällt stellenweise bis in 3700 m Höhe. Der Bona Vista- Hügel, etwa
3 Sm westlich von der Stadt Veracruz, ist aus 10 Sm Abstand eine auffällige
Landmarke. Näher kommend, ist das Ulua-Fort bei klarem Wetter gut sichtbar;
morgens erscheinen die weißen Thürme und Mauern des Forts oft so hoch, dafs
man über seinen Abstand vom Lande leicht getäuscht wird. Nachmittags liegt
häufig ein solcher Dunst über der Stadt, dafs man selbst in der Nähe der Riffe
nichts von der Stadt deutlich erkennen kann. Die Sacrificio-Insel ist sehr gut
kenntlich; die rothen Ziegeldächer auf der Insel sind auf grofse Eutfernung
sichtbar. Nördlich vom Leuchtthurm sieht man mehrere Palmen.
Ansteuerung. Dampfschifle steuern, von Osten kommend, nach dem
Paesiren der Campeche-Bank, recht auf die Stadt Veracruz oder die Leuchtthürme
auf Medio- und Sacrificio-Inseln zu. Die Riffe in der Ansteuerung können meist
immer von Deck aus an der Brandung erkannt werden; bei Stille und Hoch-
wasser sind sie jedoch nur in geringem Abstande auszumachen. Aus den T’oppen
sind sie bei klarem Wetter stets sichtbar und können in gutem Abstande passirt
werden. Bei unsichtigem Wetter oder nachts ist es gut, das Land nördlich von
Veracruz innerhalb des Feuerkreises des Benito Juarez-Feuers anzusteuern, da
man durch Lothungen den Schiffsort nicht feststellen kann. Obgleich Veracruz
sehr gut befeuert ist, so sollte man doch lieber bis Tagesanbruch draußen
warten. Die zu steuernden Kurse ergeben sich aus den bei den Leuchtfeuern
angegebenen Peilungen.
Im Winter oder während der Zeit der „Norder“ mufs man auf südlichen
Strom rechnen, der vor und nach den Nordern stärker auftritt. Im Sommer setzt
iy Letzte Veröffentlichung in den „Aun. d. Hydr, ete.“ 1889, Seite 361. Brit, Adm-Kri.
No. 2854. Approaches to Veraeruz, No. 523, The port of Veracruz.