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Annalen der-Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1902,
eines von Ostdeutschland her über den Süden der Ostsee nach dem Finnischen
Busen dringenden Theilminimums lag. Diese Tage kennzeichneten sich durch
einen starken Rückgang der Temperatur.
Nachdem am 16. zwischen der Depression im Osten und einer anderen
im Westen vor dem Kanal hoher Luftdruck von Südosten her nach der Mitte
Europas vorgedrungen war, verlagerte sich am 17. bis 20. eine tiefe Depression
von Nordwesten her, von Erwärmung begleitet, unter langsamer Abnahme an
Tiefe durch die Nordsee nach dem Westen Kontinentaleuropas, während sich
hoher Luftdruck von Nordwestrussland über Nordeuropa ausbreitete; zahlreiche
Theilminima auf der Vorderseite der vordringenden Depression dehnten ihr
Gebiet über ganz Kontinentaleuropa und weiterhin über Süd- und Centraleuropa
aus. Bei anhaltend hohem Luftdruck über Nordosteuropa wehten vom 19, bis
23, an der Küste meist Winde aus östlichen Richtungen, die aber von vor-
wiegend mildem Wetter begleitet waren, da sie warıne Luft von Südosten
herbeiführten.
Eine am 23. vom Ozean nahende tiefe Depression, die am 25, ein Theil-
minimum unter 725 mm über der südlichen Nordsee entwickelte, rief an diesem
Tage stark auffrischende Südostwinde an der westdeutschen Küste hervor; sie
breitete sich rasch über ganz Europa mit Ausnahme des Nordostens aus. und
zeigte bis zum Morgen des 27. ein tiefes Minimum über der Nordsee, so dafs
Aauernd Winde aus südlichen Richtungen an der Küste auftraten.
Beim Herannahen einer neuen tiefen Depression über dem Ozean ver-
lagerte sich das Minimum über der Nordsee nordwärts; der Luftdruck stieg
über Kontinentaleuropa, und es brachte der 27, trockenes Wetter, doch nur
vorübergehend, da die neue mit ihrem Centrum über dem Ozean nordostwärts
schreitende Depression ihr Gebiet rasch über der Nordhälfte Europas bis über die
Ostsee hinaus ausdehnte und hiermit am 29, bis 31. wieder Regenfälle an der
ganzen Küste und stärkere Erwärmung am Monatsschlusse herbeiführte; da
sich über der Südhälfte Europas ein Hochdruckgebiet entwickelte, so frischten
die Winde stark auf und wehten an der Nordsee bereits in der Nacht zum 31.
und an diesem "Tage ostwärts bis Mecklenburg steif und vereinzelt stürmisch
aus .
Bücherbesprechung.
Meteorologische Optik von J.M. Pernter, Professor an der K, K, Universität
und Direktor der K. K. Centralanstalt für Meteorologie und Erdmagnetismus.
Mit zahlreichen Textfiguren. I. Abschnitt, Seite 1 bis 54. Wien und Leipzig.
Wilhelm Braumüller. 1902. 8°.
Dieses Werk geht aus den Vorlesungen hervor, welche der Verfasser über diesen Gegen-
stand an den Universitäten Innsbruck und Wien gehalten hat. Neben der genauen und exakten
Beschreibung der Erscheinung soll! nach der Ankündigung stets, so weit nur möglich, eine leicht
verständliche Erklärung gegeben werden. Nach dem zur Zeit vorliegenden ersten Abschnitte des
Werkes, der die scheinbare Gestalt des Himmelsgewölbes und die damit zusammenhängenden- Er-
scheinungen behandelt, geht der Verfasser in der Behandlung des Stoffes noch weiter. In gewissen-
hafter Weise geht derselbe auf die Beobachtungen ein, welche systematisch zum Studium und zur
Untersuchung des Phänomens ausgeführt wurden und beleuchtet diese sowie die entsprechenden
Theorien kritisch in objektivster Weise. Das Buch bietet daher grofses Interesse und mannigfache
Anregung auf einem Gebiete, das, im Zusammenhange und in so gründlicher Weise behandelt, weitesten
Kreisen bisher nicht zugänglich war. Nach Erscheinen des ganzen Werkes werden wir noch einmal
darauf zurückkommen.
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