610 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1916.
von Bjerknes zurückgreifen müssen. Aber auch dann läßt sich von Or auUs-
gehen. Da ep = Q35,0,D — Q35,0,0 UNd dp = Cs5,0,p — Cas,0,0 ist, So sind die Werte
1058 und 10°0, aus den Bjerknesschen Tabellen für 1050: op und 10° X35,0,p
{Tab. 16 H und 8 H) abzuleiten, indem von den dortigen Tabellenwerten 105 035,0,0
=102813 bzw. 10° d&s5,0,0 = 97264 abgezogen wird. Allerdings kann auf diese
Weise in der letzten Stelle eine Differenz von einer Einheit gegen die auf Grund
der Ekmanschen Tabellen abgeleiteten Werte entstehen, da Bjerknes die Werte
für 035,0,D und @ss,o.p Nur auf fünf Stellen gibt, und die bei der Abrundung be-
gangenen Fehler sich addieren können. Dies wird aber praktisch ohne Bedeu-
tung sein. — Wenn mittlere Temperatur und mittlerer Salzgehalt über der zu
untersuchenden Wassertiefe von 35 %.) und 0° stark abweichen, werden die für
diese Verhältnisse von Bjerknes gegebenen Korrektionstabellen für &sp und &p
noch in Betracht zu ziehen sein, außerdem noch die Glieder &3-p und Östp-
Dr. Bruno Schulz.
Neuere Veröffentlichungen.
A. Besprechungen und ausführliche Inhaltsangaben.
Müller, Aloys: Theorie der Gezeitenkräfte. Sammlung Vieweg. Heft 35.
8°. 81 Seiten, 17 Abbild. Braunschweig 1916. Vieweg & Sohn.
Es muß als ein besonderes Verdienst dieser Zeitschrift bezeichnet werden, daß sie durch Ver-
öffentlichung des Aufsatzes von Hoff: Elementare Theorie der Sonnentiden, 1907 S. 122 ff., den An-
stoß zu einer Diskussion der Frage nach der Größe der Gezeitenkräfte gab. Gerade das vorliegende
Büchlein zeigt am deutlichsten, welche Fülle von Irrtümern selbst namhaften Gelehrten bei Behand-
lung dieses Themas untergelaufen sind. Wer sich Klarheit über diese wohl schwierigste Theorie der
Himmelsmechanik verschaffen will, wird das Müllersche Buch mit Vorteil zu Rate ziehen. Überall
findet er die Hinweise auf die gemachten und möglichen Fehler, Die Darstellung ist knapp und klar,
das Mathematische elementar und auf das Notwendigste beschränkt. Ob sie aber trotzdem jedem
Gebildeten, der über elementare mathematische Kenntnisse verfügt, voll verständlich ist, scheint mir
zweifelhaft, Das beeinträchtigt aber m, E. die Bedeutung des Werkes keineswegs, Im Gegenteil hätte
sich der schwierige Stoff in keiner Weise besser behandeln lassen.
Nach der Formulierung des Problems (Abschnitt I) werden zunächst die Bewegungsverhält-
nisse in den fluterzeugenden Systemen (II) untersucht und die Mängel in den üblichen Theorien der
Gezeitenkräfte aufgedeckt (meist falsche Auffassung der Revolution ohne Rotation oder zweimaliges
in-Rechnung-stellen derselben Bewegung u. ä.). Darauf werden die beiden in Frage kommenden
wissenschaftlichen Theorien, die Relativtheorie (IV) und die Zentrifugalkrafttheorie (V und VI) ent-
wickelt und verglichen, Beide sind einwandfrei, kommen zu dem gleichen Ergebnis und sind geradezu
identisch, indem sie nur verschiedene Formen desselben GGedankens darstellen, Zum Schluß wird noch
auf die halbtägige Periode der Gezeiten eingegangen, die sich nach der hier entwickelten Theorie der
(Jezeitenkräfte anders darstellt als nach der üblichen Theorie, sowie die Beweiskraft der Tiden für das
kopernikonische System dargetan. Wegyemann.
Merz, A, Prof. Dr.: Das Meerwasser. S.-Abdr._ aus Handbuch der Balneologie,
Medizinischen Klimatologie und Balneogeographie. Bd. I, Kap. Il. 8°. S. 386
bis 422. Leipzig 1916. Georg Thieme.
Der vorliegende Beitrag von A. Merz zum Handbuch der Balneologie wird auch dem Ozeano-
graphen sehr willkommen sein, da er hier die Ergebnisse der neueren Untersuchungen über das Meer-
wasser berücksichtigt findet, die nach dem Abschluß der 2. Auflage des 1. Bandes der Ozeanographie
von 0. Krümmel erschienen sind. Seiner Natur nach behandelt der Beitrag vornehmlich die
physikalisch-chemischen Eigenschaften des Meerwassers, weniger die geographische Verteilung der
einzelnen Elemente. Die Hauptzüge der allgemeinen Zirkulation des Meerwassers werden. in dem
Abschnitt »Die Wärmeverfrachtung« erörtert; wenig hervorgehoben erscheint hierbei dem Referenten
die Wirkung des Windes als eine der Hauptursachen für die Entstehung der Meeresströnmungen,
Der Abhandlung ist ein ausführlicher, gut zusammengestellter Schriftennachweis beigegeben,
W Brennecke.