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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1902.
Bei erheblich zu niedrigem mittleren Luftdrucke charakterisirte sich der
Dezember in seinen Monatswerthen meist durch zu hohe Beträge der mittleren
Temperatur und Bewölkung, wie besonders auch der Niederschläge, während
die registrirten Windgeschwindigkeiten, soweit langjährige Mittelwerthe vor-
liegen; normale oder zu kleine Monatsmittel ergaben,
Steife und stürmische Winde traten über größeren Gebieten auf am 1.
ostwärts bis Pommern aus dem: Nordwestquadranten, au der Nordsee vereinzelt,
an der Ostsee meist Stärke 8 erreichend; am 2, an Theilen der ganzen Küste
meist aus dem Südwestquadranten und am 3. westwärts der Abe aus dem Nord-
westquadranten, mehr vereinzelt bis Stärke 8; am 4. an der ostdeutschen Küste
aus dem Nordostquadranten, meist Stärke 7 bis 8; am 7. aus dem Südwest-
quadranten, ostwärts bis Rügen meist bis Stärke 8, an der pommerschen und
preufsischen Küste nur vereinzelt Stärke 7 bis 8 erreichend; am 8. und 9.
rechtdrehend aus westlichen Richtungen an der ganzen Küste, fast überall bis
Stärke 8 und vielfach bis 9 und zum Theil darüber, sowie am 10. westwärts der
Weser und. an der mittleren Ostsee-Küste aus dem Nordwestquadranten, meist
nur von der Stärke 7; am 13. über den nordfriesischen Inseln und an. der
mittleren Ostseg aus dem Südostquadranten, vielfach Stärke 8 erreichend; aus
dem Nordostquadranten am 14, au der schleswig-holsteinschen Küste und den
vorgelagerten Inseln. wie an der preufsischen Küste, meist bis Stärke 8, und
am 15. an der Ostsee ostwärts bis Pommern, meist bis Stärke 8 und zum Theil 9;
am 31. aus westlichen Richtungen ostwärts bis Mecklenburg, mehr vereinzelt
Stärke 8 erreichend.
Von den zu Zeiten der Terminbeobachtungen notirten Windrichtungen
traten solche aus südlichen Richtungen, in Memel die Ostwinde durch Häufigkeit
hervor, während die Winde aus NNW bis NNO nur selten beobachtet wurden.
Die Morgentemperaturen lagen zufolge der Beobachtungen der Normal-
beobachtungsstationen, wenn man von einzelnen mehr lokalen Abweichungen
und von Memel absieht, am 1., 3., 7. bis 10. und 20. bis 31., abgesehen vom
20. bis 24. westlich der Weser, über den vieljährigen Mittelwerthen, am 4. bis
5., 12. bis 18. und ostwärts bis Pommern am 19. meist unter diesen Normal-
werthen. Der Gang der Morgentemperaturen von Tag zu Tag zeigte im All-
gemeinen grofse Uebereinstimmung längs der Küste. Nach einer Abnahme am
2. und nachfolgender Zunahme am 3. folgten eine starke Abnahme bis zum 5,
oder 6. (4. in Keitum), die mit Ausnahme der Nordsee-Inseln Frost am Morgen
herbeiführte, und wieder nahezu gleich starke Zunahme bis zum 8.; hierauf er-
folgte ein Sinken bis zum 16. bis 18., das an der Nordsee ziemlich stetig ver-
lief, während an der Ostsee eine besonders starke vorübergehende Erniedrigung
am 13. (oder 14. in Memel) eine Unterbrechung hervorrief; nach einer im Osten
erheblichen Zunahme bis zum 20. folgten bis zum 30. meist wenig weitere
Aenderung und ein Steigen am 381., bis auf Memel, wo vom 24. bis 26. erheblich
kühlere Morgen als die zeitlich benachbarten auftraten.
Die Temperatur schwankte an der Küste zwischen — 13,2°, der Minimum-
temperatur von Memel, und der höchsten Temperatur, 11,3°, von Keitum, also
um 24,5°, während auf den Stationen die gröfste Schwankung gleich 21,8° in
Neufahrwasser und die kleinste gleich 13,1° in Borkum beobachtet wurden. —
Die als arithmetisches Mittel aus den Aenderungen der Temperatur von Tag
zu Tag ohne Rücksicht auf das Vorzeichen der Aenderungen für die drei Beob-
achtungstermine berechneten Werthe der interdiurnen Veränderlichkeit der
Temperatur (I. T. V.) lagen mit ihren gröfsten Werthen zwischen 1,7° in Borkum
und 3,8° in Memel und zeigten die kleinsten Werthe fast durchweg am Nach-
mittag und die gröfsten nahezu gleich häufig am Morgen und Abend.
Die Monatssummen der Niederschläge lassen zufolge der Messungen an
den Normalbeobachtungsstationen und der Sturmwarnungsstellen keine gesetz-
mäfsige Vertheilung nach ihrer Gröfse erkennen und zeigen vielfach sehr er-
hebliche Unterschiede auf benachbarten Stationen; gegenüber den höchsten Be-
trägen von 111 mm in Tönning, 114 in Leba und 122 in Norddeich hatten
Arkona 39, Friedrichschleuse 38 und Geestemünde nur 35 mm Niederschlag.
Läfst man den Niederschlagstag um $'a Ortszeit des gleichnamigen Kalender-
tages‘ beginnen und sieht von geringfügigen wie von vereinzelt auftretenden
Niederschlägen ab, so fielen die Niederschläge im Dezember wesentlich am 1.