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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1901.
ist eine Folge seines rund 100 Sm kürzeren Weges und seiner gröfseren Leistungs-
fähigkeit. Ersterer hat nämlich bei einem Bruttoraumgehalt von 2085 Register-
tonnen eine Maschine von 1300 indizirten Pferdekräften, letztere dieselbe
Maschinenkraft bei einem Raumgehalt von 2939 Registertonnen.
Es bieten jetzt noch zwei Winterreisen des Dampfers „Reichstag“ Gelegen-
heit zu einem lehrreichen Vergleiche, Die erste wurde mehr oder weniger auf
der mittleren Route ausgeführt. Nachdem der Dampfer am 20. August 1894
nach 6,5° N-Br. in 13,3° W-Lg. gelangt war, passirte er den Aequator in 8,1° W-Leg.,
10° S-Br. in 0,7° W-Lg., 20° S-Br. in 6,8° O-Lg., 30° S-Br. in 14,6° O-Lg. und
Kap Agulhas nach Zurücklegung von 3150 Sm, mit einer stündlichen Geschwindig-
keit von 8,5 Sm, am 4. September, nach einer Reisedauer von 15,4 Tagen; 0,3 Tage
weniger als das Mittel der westlichen, und 0,2 Tage mehr als das Mittel der
östlichen Winterreisen. ,
Auf der zweiten Reise stand „Reichstag“ am 12. Juli 1895 6 Uhr morgens
auf 6,0 N-Br. in 12,4 W-Lg. Hierauf wurde die Linie in 4,5° W-Lg., 10° S-Br. in
6,1° O-Lg., 20° S-Br. in 12,0° O-Lg., 30° S-Br. in 15,5° O-Lg. geschnitfen und
Kap Agulhas am 25. Juli 1'/4 Uhr nachmittags passirt. Die Dauer dieser Reise war
13,3 Tage, 2,1 Tage weniger als die zuletzt beschriebene Reise auf dem direkten
Wege und 1,9 Tage weniger als auf der mittleren östlichen Route im Winter.
Allerdings ist die zurückgelegte Distanz etwa 75 Sm kürzer. Die letztere be-
ziffert sich auf 3200 Sm, die stündliche Durchschnittsgeschwindigkeit auf 10,0 Sm.
Der Gewinn der östlichen Reise gegen die westliche ist allein eine Folge der
günstigeren Wind- und Wetterverhältnisse hier als weiter westwärts,
Um den Gewinn des Dampfers „Reichstag“ genau bemessen zu können,
müfste man das Verhältnifs der Geschwindigkeit dieses Dampfers zu der Ge-
schwindigkeit der Dampfer der D.A.D.G. unter gleichen Wind- und Weitter-
verhältnissen kennen. Dafs der Dampfer „Reichstag“ besser läuft als die letzteren
im Durchschnitt, ist nach deren Gröfsen und Maschinenkräften anzunehmen. Auf
der ersten Reise traf „Reichstag“ sehr ungünstige, auf der letzten sehr günstige
Verhältnisse an. Die in der vorstehenden Abhandlung ausgeführten Unter-
suchungen und Vergleichungen führen zu dem folgenden Endresultat:
Dampfer mit einer schwachen oder mäfsig starken Maschine sollten auf
einer Reise von Europa um das Kap der Guten Hoffnung das Südostpassatgebiet
durchfahren:
im Sommer auf einer Route westlich, im Winter auf einer
Route gut östlich von der entsprechenden mittleren Route
der Dampfer der D.A.D.G.
Der Grund hierfür liegt hauptsächlich in dem Verhalten des Südost-
passates. Dieser ist im Sommer meistens überall leicht; im Winter dahingegen
kräftig, besonders auch in dem Gebiete, durch welches die direkte Route der
Dampfer führt. Weiter ostwärts, und je näher der Grenze des Südostpassates
und der beständigen Südwestwinde unter der Küste von Afrika, desto schwächer
and häufig von veränderlichen Winden unterbrochen wird der Passat. Für die
Wahl der westlichen Route im Sommer und auch sonst bei leichtem Passate
ist noch der Umstand bestimmend, dafs diese Route die kürzeste der beiden ist.
Auf der östlichen Route hat dahingegen der Dampfer im Winter weniger An-
strengungen zu erleiden als auf der direkten oder westlichen Route.
Die beiden Routen sind durch die folgenden, als am zweckmäßigsten
erscheinenden, Schuittpunkte vorgezeichnet:
5° N-Br. Aequator 10° S-Br. 20° S-Br. 30° S-Br.
im ın ın m m
Summerroute 14,0° W-Lg. 10,0° W-Lg. 3,0° W-Lg. 5,0° O-Lg. 13,0° O-Lg.
Winterroute 12,0° W-Lg. 4,5° W-Lg. 6,0° O-Lg. 12,0° O-Lg. 15,5° O-Lg.
Von dem gemeinsamen Schnittpunkt in 10,0° N-Br. und 17,5° W-Lg. bis
Kap Agulhas beträgt die Entfernung auf der westlichen Route (der Sommer-
route) 3440 Sm, auf der östlichen (der Winterroute) 3585 Sm. Bei den Durch-
schnittsgeschwindigkeiten, wie sie für die Dampfer der D. A. D. G. sich ergeben
haben, beträgt die Reisedauer auf diesen Routen bezw. im Sommer 15,8, im
Winter 16,6 Tage. Auf der westlichen Route im Winter würde man 16,9 Tage
benöthigen. Leizter Versuch mufs, wie schon an anderer Stelle hervorgehoben.
ganz aufser Frage bleiben.