Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1901.
Der Dampferweg durch das Gebiet des Südostpassates auf dem
Wege von Europa nach dem Kap der Guten Hoffnung.
Von Er. Hegyemann, Assistent der Seewarte.
Bei einer Berechnung der Länge des Dampferweges von Hamburg um das
Kap der Guten Hoffnung nach Ostafrika für das Reichspostamt und die deutsche
Ostafrika-Linie, die mir von der Direktion der Seewarte übertragen wurde, habe
ich für die Theilstrecke Aequator— 30° S-Br. (das Gebiet des Südostpassates) die
Routen der Dampfer der Deutsch-Australischen Dampfschiffs-Gesellschaft(D.A.D.G-..)
zur Richtschnur genommen. Als dann bald nachher die Anfrage nach der vortheil-
haftesten Dampferroute auf dem in Rede stehenden Gebiete an die Seewarte er-
ging, sind daraufhin 30 Reisen von Dampfern der genannten Gesellschaft und
drei des der Ostafrika-Linie gehörenden Dampfers „Reichstag“, Kapitän Elson,
auf ihren Verlauf, nach den Angaben der meteorologischen Journale, näher unter-
sucht worden, Das Resultat dieser Untersuchung ist folgendes:
Auf 29 Reisen der Dampfer der D, A. D. G.: „Chemnitz“, Meifsen“, „Stafs-
furt“, „Flensburg“, „Solingen“, „Essen“ und „Elberfeld“ wurde im Mittel ohne
Berücksichtigung der Jahreszeit, die Linie in 9,4° W-Lg., 10° S-Br. in 0,6° W-Lg.,
20° S-Br. in 7,6° O-Lg. und 30° S-Br. in 14,6° O-Lg. geschnitten. Die durch-
schnittliche Reisedauer auf dieser Strecke beträgt 10,3 Tage, die durchlaufene
Entfernung rund 2285 Sm. Letztere wurde mithin bei einer mittleren Fahrt von
9,2 Sm. die Stunde über den Grund zurückgelegt.
Sowohl im Sommerhalbjahr der südlichen Hemisphäre (Oktober bis März)
als im Winterhalbjahr (April bis September) fanden kleinere und gröfsere, öst-
liche und westliche Abweichungen der einzelnen Damnpferwege von dem mittleren,
dem ungefähren loxodromischen Wege statt. Dieselben betrugen im Durchschnitt
in 10° S-Br. während des Sommers 0,2° nach Westen, und während des Winters
0,1° nach Osten. Diese Abweichungen sind also aufserordentlich klein. Für
das Sommerhalbjahr beträgt die mittlere Reisedauer 10,2, im Winterbalbjahr
10,6 Tage; sie ist also 0,4 Tage kürzer in dem ersten als in dem letzten Zeit-
raum. Mit dem Jahresdurchschnitt der Reisedauer verglichen sind die Sommer-
reisen durchschnittlich 0,1 Tage kürzer, die Winterreisen 0,3 Tage länger. Hieraus
geht hervor, dafs die Reisen der Dampfer im Winterhalbjahr durch die Wind-
und Witterungsverhältnisse ungünstiger beeinflufst werden als im Sommerhalbjahr.
Es soll nun noch der Versuch gemacht werden, festzustellen — soweit
dieses nach dem benutzten Material möglich ist — welcher Weg in den beiden
Jahreshälften der vortheilhafteste ist.
Wie schon bemerkt, weichen die Routen der verschiedenen Dampfer im
Allgemeinen nur wenig von dem loxodromischen Wege ab; in einzelnen Fällen
ist die Abweichung jedoch ziemlich beträchtlich. Die westlichste Route auf den
29 bisher in Betracht gezogenen Reisen nahm der Dampfer „Elberfeld“ im
Oktober (Sommer) 1893, die Ööstlichste der Dampfer „Solingen“ im März/April
(Uebergang vom Sommer- zum Winterhalbjahr) 1895. Die Schnittpunkte der
Reisen dieser beiden Dampfer sind:
Linie 10° S-Br. 20° S-Br. 30°” S-Br. Reisedauer
ın in m m
10,6° W-Lg. 3,5°W-Lg. 2,7° O-Lg. 11,7° O-Lg. 10,0 Tage
4,4° W-Lg. 44° O-Lg. 106° O-Lg. 156° O-Lg. 10.0 Tage
. Nach ihren Gröfsen und Maschinenkräften zu urtheilen, dürften die Dampfer
„Elberfeld“ und „Solingen“ nahezu gleich leistungsfähig sein.
Wenn man die hier zur Besprechung herangezogeneu 29 Reisen in die
folgenden vier Gruppen, in solche:
westlich der mittleren Jahresronte im Sommer,
* = ” ® „ Winter,
östlich » = „ Sommer und
„ Winter,
eintheilt und für jede Gruppe die mittlere Reisedauer vom Aequator bis 30° S-Br.
in den entsprechenden Längen berechnet, so ergiebt sich Folgendes: