Jahresbericht der Deutschen Seewarte für 1900.
jahre diesem Leben entrückt worden sind, gedacht werden. Es sind dies die
Herren Professor Rümker, Direktor der Hamburger Sternwarte und Vorsteher
des Chronometer-Institutes der Deutschen Seewarte, Kanzleirath Carl Koch und
Assistent Hermann Eylert.
+ George Friedrich Wilhelm Rümker.
Am Abend des 3. März 1900 starb nach langem qualvollen Leiden der Prof,
George Rümker, Direktor der Sternwarte in Hamburg. Es ist in einem Fachblatte,
den „Astronomischen Nachrichten“*), eine Würdigung der astronomischen Verdienste
Rümker’s erschienen, der wir im wesentlichen zu folgen haben werden. Allein Rüm-
ker’s Verdienste waren auch auf einem anderen, verwandten. Gebiete so hervorragend,
dafs wir nicht umhin können, auch dieser in Kürze zu gedenken. Als Sohn des ver-
dienstvollen Gründers der Sternwarte in Hamburg Charles Rümker, der sich zuerst
durch seine vortrefflichen Arbeiten auf der Sternwarte in Paramatta (New South- Wales)
hohe Verdienste um die Wissenschaft erworben hatte und als Direktor der Navigations-
schule in Hamburg viele Jahre segensreich wirkte, wurde Rümker früh mit den
praktischen Zielen, unter Anwendung astronomischer Wissenschaft auf See, vertraut.
Der in der Schule praktischer Navigirung grofsgezogene Vater — derselbe war längere
Zeit Instruktionsoffizier auf englischen Kriegsschiffen — richtete frühzeitig den Sinn
des begabten Jünglings auf die hohen Aufgaben der praktischen Navigirung und, wie
wir gleich hinzufügen wollen, auf die Bedeutung einer wissenschaftlichen Pflege der
Chronometrie. In dem späteren Leben unseres Rümker waren es gerade diese beiden
Richtungen, welche seinem Wirken in dem neuerrichteten Deutchen Reiche einen be-
sonderen Werth verliehen haben. Es soll im weiteren Verlaufe dieser Erinnerungs-
zeilen darauf zurückgekommen werden,
George Rümker wurde am 31. Dezember 1832 in Hamburg geboren, besuchte
die wissenschaftlichen Anstalten seiner Vaterstadt und nahm schon im Alter von
15 Jahren einen regen Antheil an der astronomischen Thätigkeit der Hamburger Stern-
warte. Zahlreiche Beobachtungen von Planeten, Kometen, Sternbedeckungen und Stern-
schnuppen erschienen in den „Astronomischen Nachrichten“. Im Jahre 1851 stadirte
er in Berlin theoretische Astronomie, und war gleichzeitig mit Foerster, Brünnow
und Tietjen ein Schüler Encke’s. Aus jener Zeit stammen auch die freundschaft-
lichen Beziehungen zu d’Arrest und R. Luther, welche in vieler Hinsicht von
ginem fruchtbringenden Einflusse auf die Thätigkeit des jungen, mittlerweile heran-
gereiften Gelehrten gewesen sind. Zahlreiche Beobachtungen und Berechnungen von
Kometen und Bahnen der kleineren Planeten stammen aus jener Zeit. Seine Ausbildung,
beziehungsweise Thätigkeit in der Heimath erfuhr eine Unterbrechung, indem Rümker
um die Mitte des Jahres 1853 einem Rufe als Observator an die Sternwarte in Durham
(England) folgte, wo er zwei Jahre blieb. In jene Zeit seines Aufenthaltes in England
fällt auch seine Betheiligung an den berühmt gewordenen Pendelbeobachtungen unter
Sir George B. Airy in den Kohlenbergwerken von Harton Colliery**), welche ihn
mit den exakten Methoden der Schwerkraftsforschung vertraut machten und seine
Vorliebe für geophysikalische Untersuchungen begründeten, die ihm während seines
ganzen Lebens erhalten blieb. Nach Deutschland zurückgekehrt, wurde er Adjunkt
der Sternwarte unter seinem Vater, der aber durch seinen leidenden Zustand im
Jahre 1857 veranlafst wurde, Hamburg zu verlassen und nach Lissabon überzusiedeln,
Die damals in Hamburg bestehenden Vorschriften bezüglich des Pensionsverhältnisses
liefsen es nicht zu, dafs der junge Rümker in die Stelle seines Vaters einrückte,
und selbst nachdem Charles Rümker im Winter. 1862 in Lissabon verstorben war,
konnte die Ernennung des Sohnes zum Direktor der Sternwarte in Hamburg erst im
Jahre 1867 erfolgen.
*) Band 152, No, 3632. No. 8,
**) Account of Pendulum Experiments in the Harton Colliery, for the purpose of deter-
mining the mean density of the Earth, by G. B. Airy Esq., Astronomer Royal. Philosophical
Transactions 1856.