A. Allgemeiner Bericht.
BAAR
L.
Einleitune.
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Wenn auch im allgemeinen die Thätigkeit der Deutschen Seewarte sich in
der gewohnten Weise entwickelte, so geschah doch so manches im- Verlaufe des
Berichtsjahres, was der besonderen Erwähnung .werth ist. In erster Linie war es
die von dem deutschen Landwirthschaftsrath ausgehende Anregung, einen Witte-
rungsdienst für das Gebiet des Deutschen Reiches einzurichten, wodurch die See-
warte in der ersten Hälfte des Berichtsjahres sehr in Anspruch genommen war.
Es konnte ja keinem Zweifel unterliegen, dafs eine zweite, für Witterungs-tele-
graphische Nachrichten eingerichtete Zentrale im Gebiet des deutschen Reiches
wohl nicht errichtet werden würde. Andererseits konnte die Direktion der See-
warte nur durch Hinzufügung neuer Kräfte hoffen, den erhöhten Anforderungen
die nun an sie gestellt werden mufsten, gerecht werden zu können. Die Frage,
in welcher Weise man dem angestrebten Ziele näher kommen würde, läfst sich,
gegenwärtig noch nicht beantworten. Allein soviel ist erkenntlich durch die
neueren Vorgänge, dafs die angestrebte Entwickelung den thatsächlichen Verhält-
nissen und Interessen nicht widerstreitet. Es wird aber im Verlaufe dieser Aus-
führungen klar werden, dafs wesentliche Erweiterungen und Veränderungen un-
vermeidlich geworden sind, und es wird der Direktion eifrigstes Bestreben sein,
überall da vollen Einklang im Arbeitsplan zu erzielen, wo dieses im Interesse
des allgemeinen Dienstes wünschenswerth erscheint.
Zweifellos ist die Einrichtung eines Dienstes im Interesse der Landwirth-
schaft, die seitens der betreffenden Behörden gewünscht wird, von nicht zu unter-
schätzenden Schwierigkeiten umgeben. Um dieselbe Zeit, als es sich darum han-
delte, einen Dienst im Interesse der Landwirthschaft, wie er bei uns bisher nicht
bekannt war, einzuleiten, galt es in erster Linie, sich einen Ueberblick über die
Möglichkeit der Einrichtung eines wirksamen Witterungs- und Prognosen-Dienstes
zu erwerben. Es liegt auf der Hand, dafs dadurch mancherlei Interessen schein-
bar in Widerstreit gerathen mufsten; allein es ist mit besonderer Befriedigung
zu konstatiren, dafs im allgemeinen während Juni und Juli des Berichtsjahres
eine Bewegung vorbereitet wurde, welche, so sollte man meinen, in erster Linie
dazu angethan war, den deutschen Witterungsdienst auf einer gediegenen Grund-
lage zu reformiren. Bei der noch theilweise mangelnden Einheitlichkeit in den
meteorologischen Einrichtungen im Reiche mufste das Bestreben darauf gerichtet
sein, mit allem Nachdruck einen für das ganze Gebiet geeigneten und von dem
deutschen Landwirthschaftsrath befürworteten Witterungsdienst einzurichten. So
geschah es, dafs dies durch die Kräfte der Seewarte, wenn dieselben auch ferner-
hin im gleichen Sinne wie bisher thätig sein sollten, nur durch einen Ausgleich
der verschiedenen Interessen ‚des Institutes in befriedigender Weise gelöst werden
konnte. Andererseits galt es, den dringlichen Anforderungen der praktischen Na-
vigation nach gediegenen Küstenbeschreibungen in deutscher Sprache zu genügen,
Es konnte denn auch weitergehenden Bestrebungen im Interesse der deutschen
Beih.1I.x. d. Annalen d. Hydrogr, u. marit. Meteorl.. Jahrg. 1901.