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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1901
monsuns, weit davon entfernt, ein angenehmes zu sein, denn bei kräftig durch-
stehendem Monsun wehen häufig während des ganzen Tages harte, südliche,
Selatan (Süder) genannte Winde, die nicht von dem Seewind verdrängt werden.
Wegen der Lage und Beschaffenheit der Rhede ist man genöthigt, in
grofser Tiefe zu ankern, die mehr oder weniger wechselt, je dichter man an die
Mündung des Flusses kommt, wo sich eine Bank gebildet hat.
In der Peilung S 81° OÖ von der Flufsmündung kann man in ungefähr 63 m
(35 vm) Wasser, in der Peilung N 87° O0 von dem Molenkopf in 72 m (40 vm)
und weiter nach Süd hin in 81 m (45 vm) ankern.
Obgleich der sandige Ankergrund schlecht ist, läuft man wegen des steil
ansteigenden Grundes wenig Gefahr, an Land zu treiben. Um aber bei dem
Durchkommen des Landwindes nicht seewärts zu treiben, ist es nothwendig, nach
dem Ankern sofort einen Stopanker auf das Riff auszubringen oder das Schiff
achteraus am Lande festzumachen, sei es an einem Baume oder an einem der
drei zu diesem Zwecke bei dem Strande eingesenkten Anker. Da bei dem Fest-
legen am Lande das Achterschiff noch 300 bis 350 m vom Lande entfernt ist,
muß man zwei Trossen aneinander stecken. Steht der Selatan kräftig durch, so
gebrauchen die meisten Schiffe zwei Paar Trossen zum Festlegen am Lande.
Das holländische Kriegsschiff „Java“ befand sich am sichersten, wenn es den
Stopanker (400 kg) auf das Riff in 5,4 bis 9m (3 bis 5 vm) Wasser ausbrachte
und, wenn nöthig, die Stopkette (23 mm) mit einer doppelten Stahltrosse binnen-
bords befestigte. Die von andern Schiffen zur Befestigung am Lande gebrauchten
Taue und Stahltrossen brachen einige Mal, wahrscheinlich weil sie an den
auf dem Grunde liegenden Steinen oder an verloren gegangenem Ankergeräth
durchscheuerten.
Hat es in den Bergen geregnet, so führt der Fluß oft viel Wasser in die
Bai und man hat dann häufig sehr starke, unregelmäfsige Strömungen auf der
Rhede, von denen die 'P’rossen auch viel leiden, namentlich wenn gleichzeitig
ein starker Selatan weht,
Zur Bezeichnung der Nord- und der Südgrenze der Rhede dienen zwei
mit weißem Toppzeichen versehene Baken, von denen die eine in der Nähe des
linken Flufsufers und die andere anf der Huk Tokabene steht.
Riff bei der Huk Tokabene. Bei dieser Huk erstreckt sich das Landriff
ungefähr 700 m nach WNW und besteht aus Korallen und Steinen. Nach NO
hin wird es schnell schmaler, und das Küstenriff hat bis zur Nordgrenze der
Rhede nirgends mehr als 300 m Breite. Innerhalb der 18 m- (10 vm) Linie kommt
man sehr bald auf den Rand des Landriffs.
Alle Schiffe müssen sehr nahe beieinander liegen, und innerhalb der Grenzen
der Rhede können nur höchstens 6 Schiffe ankern. Aufserhalh der Nordyrenze
kann jedoch noch mindestens ein Schiff liegen.
Das Ankern in der Nähe des Tokabene-Riffs ist, obgleich hier der Grund
weniger steil ansteigt, nicht ratlısam, weil in grofser Tiefe Steine und Korallen
zu liegen scheinen. Auch ist die Entfernung von der Hafenmole zu grofs.
Die Hafenmole, Im Süden des linken Flußufers, in etwa 150 m Abstand
von demselben, wurde eine Hafenmole von ungefähr 80m Länge erbaut, die
binnen Kurzem um 60 m verlängert werden wird; auch sollen ein paar Krahne
zum Löschen und Laden auf dem Aufsenende aufgestellt werden. Die Mole ist ein
geeigneter Anlegeplatz für Boote, wenn das Wasser nicht zu niedrig ist und nicht
zu starke Dünung herrscht. Im letzteren Falle ist es besser, auf den Strand zu
laufen oder in den Flufs einzufahren.
Leuchtfeuer. Ein weißes, festes Hafenfeuer, dioptrisch und von sechster
Größe, befindet sich auf einem weißen, durchbrochenen, eisernen Gerüst, das im
Süden der Mole hinter dem Kontor des Residenten steht. Die Sichtweite dieses
Feuers beträgt 10 Sm. Auf dem Molenkopf brennt von Sonnenuntergang bis
Sonnenaufgang ein rothes Laternenfeuer.
Wasserleitung. Aus dieser können sich die Schiffe kostenlos mit Wasser
versehen. Das Wasser länft durch Röhren von einem in der Nähe befindlichen
Bruunen bis zum Aufßenende der Mole. Den Schlüssel zur Pumpe hei dem
Brunnen erhält man im Hafenamt (havenkantoor).
Wrack „Thorbecke“, - Ungefähr 140 m S 14° W von dem Molenkopf und
nahezu 100 m vom Lande entfernt liegt der Rest des Wracks der „Thorbecke“