Ann, d. Hydr, etc., XXIX. Jahrg. (1901), Heft IL
Da]
Zur Küstenkunde von GCelebes.
Nordküste.
Die Bai und die Rhede von Menado.’)
Miksweisung 2° 30’ Ost.
Die Bai von Menado ist eine breite, offene Bucht im nördlichen Theile
der Nordküste von Celebes. Ihre Oeffnung hat eine Breite von reichlich 7 Sm,
und die Bai dringt ungefähr 4 Sm ins Land ein. Die südliche Grenze derselben
ist Huk Kalasel, die nördliche Huk Pisok. Ziemlich in der Verlängerung‘ des
Nordstrandes liegen
die Inseln Bunaken und Menado Tua. Die erstere ist fast in ihrer
yanzen Länge mittelmäfsig hoch, Die letztere hat die Gestalt eines abgestumpften
Kegels und sieht wie ein Vulkan: aus. Die beiden Inseln gewähren keinen
Schutz vor den häufig auftretenden westlichen Winden. Die Tiefe vor und in
der Bai ist sehr grofs, selbst bis ziemlich dicht an den Strand. Von.der Huk
Pisok streckt sich ein Riff 600 bis 700 m vor. Ein grofser Theil dieses Riffs
fällt mit Niedrigwasser trocken. Es besteht hauptsächlich aus Korallen. Da die
Tiefe außerhalb des Riffs schon in etwa 400 m Abstand von seinem Rande mehr
als 180 m (100 vm) beträgt, ist es nicht anzulothen, und man darf sich daher auf
dieser Höhe dem Lande nicht weniger als 1000 m nähern.
Das Landriff zieht sich längs des ganzen Strandes der Bai hin, entfernt
sich aber an -keiner Stelle weiter vom Strande als bei Huk Pisok, Bei der
steilen Huk Kalasel ist das Riff nicht breiter als ein paar hundert Meter, Der
übrige Theil der Bai von Menado ist vollständig frei von Untiefen. Sobald man
die Nord- oder die Südhuk passirt hat, kann man direkt auf die Stadt zusteuern,
die man meistens zuerst an den Zinkdächern der dem Strande zunächst stehenden
Häuser erkennt.
Die Rhede von Menado ist unsicher, wenigstens während des West-
monsuns, vom November bis Ende April, namentlich in den Monaten Dezember,
Januar und Februar. In dieser Zeit weht der unter dem Namen Barat (Wester)
bekannte Wind oft sehr heftig und ist häufig von schweren, aus WNW und NW
kommenden Böen begleitet, die tagelang anhalten können und eine hohe See und
Dünung verursachen, welche jede Kommunikation mit dem Lande unterbrechen.
Es wird dann von dem Ankergeräth sehr viel verlangt, und den Dampfschiffen
ist anzurathen, bei Zeiten Dampf aufzuhaben. Eine düstere, bleifarbige Luft über
der See ist fast immer ein sicheres Vorzeichen von der Annäherung einer
„Baratböe“, Segelschiffe sollten in den genannten Monaten (November bis ein-
schlıefslich April) vermeiden, hierher zu kommen. Der Barat stellt sich ja so
schnell ein, dals Segelschiffe in den meisten Fällen nicht hinreichend Zeit haben,
unter Segel zu gehen und nordostwärts nach der Bangka-Strafse zu flüchten, wo
sie einen guten, geschützten Ankerplatz antreffen. ;
Auch in den übrigen Monaten kommen zuweilen kräftige Böen aus See
and zwar meistens abends nach dem Durchkommen des Landwindes. Sıe scheinen
von der Gegend hinter dem Berge Lokon seewärts zu ziehen und dann wieder
nach dem Lande zurückzukehren. Auch diese Böen kommen plötzlich, scheinen
jedoch nur lokaler Natur zu sein und sind von kurzer Dauer. Sie verursachen
daher nicht die hohe See und Dünung, die man .während des Westmonsuns
erwarten kann: Die Kommunikation mit dem Lande ist dann auch selten ganz
unterbrochen.
Während der Monate September und Oktober kommen Böen selten oder
var nicht vor. Dennoch ist das Liegen auf der Rhede, auch während des Ost-
1) Mededeelingen op zeevaardkundig gebied over Nederlandsch Oost-Indi& No. 53/20,
Juni 1900.
Ann. d. Hydr. etc., 1901, Heft 31