Sturmtabellen für den Atlantischen Ozean.
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Wir ziehen hieraus unter Anderem den Schlufs, dafs die höchste Wind-
stärke mit einer Wahrscheinlichkeit von 5:2 erst eintreten wird, wenn das Baro-
meter nach dem niedrigsten Stande wieder steigt. Mit Bezug auf den Sinn der
gesammten Windänderung ist allgemein noch zu bemerken: je dichter unter Land
in diesen Gebieten, um 8o wahrscheinlicher ein Linksdrehen, oder auch: bei
kaltem Oberflächenwasser ist ein Linksdrehen noch wahrscheinlicher, als es das
vorhin erwähnte Verhältnifs 12:2 angiebt.
Die Anfangsrichtung des Sturmes sei EzN. Benutzt man die Tabellen
rein mechanisch, so würde man dieselben Ergebnisse erhalten, die wir eben ge-
fanden haben, denn EzN gehört noch zu dem Nordostquadranten. Betrachtet
man aber die Windänderung im Gebiete 4 (Tabelle) etwas aufmerksamer, so
fällt Einem gleich auf, dafs unter SE die Windänderung der unter NE entgegen-
gesetzt ist. Man wird also, wenn der Sturm mit EzN 8 einsetzt, nicht nur NE,
sondern auch SE zu Rathe ziehen, und erhält dann:
Gebiet
Summen ..
Gesammt-Windänderung ;
NE - | SE
Links Rechts | Links Rechts
6: —
BB ı 9
1
8
1
7
12 : 2
5
15
Für die Grenze der Quadranten NE und SE erhalten wir also: 17mal
links und 17 mal rechts; mit anderen Worten: in dieser Gegend läfst die An-
fangsrichtung EzN keinen einigermafsen sicheren Schluß über die spätere Wind-
änderung zu. Bei allen nordöstlich oder ostnordöstlich fortschreitenden De-
pressionen ist dies die kritische Windrichtung, wo man sich auf anderem Wege
Aufschluß über die muthmafsliche spätere Windänderung verschaffen muß, wenn
mnan es kann. Es ist gleichzeitig die Lage, wo man aus einer Windänderung
von 2, selbst 3 Strichen keinen Schlufs auf die Seite der Bahn machen darf. Es
sind genug Fälle bekannt, wo auf EzN ESE folgte, und dann wieder E, NE
und N; entsprechend auf E NEzE, dann weiter E, SE, S. In einem solchen
Falle ist hier besonders zu beachten die Richtung der Dünung, des Seeganges,
ferner die Richtung der mittelhohen Wolken, die Entfernung vom Lande,
schliefslich die Wasserwärme und die Entfernung von der Grenze zwischen
warmem und kaltem Wasser. Ist z. B. die Richtung des Seeganges und der
Wolken mehr von SE bis SSE, die Entfernung vom Lande grofs, die Wasser-
wärme hoch und die Entfernung von der West- oder Nordkante des Golfstromes
groß, so darf man eher ein späteres Rechtsdrehen des Sturmes erwarten als das
Gegentheil.
3. Beispiel. In 28° N-Br, 40° W-Lg beginnt im Februar ein Nordwest-
sturm. Gebiet 9.
Wahrscheinliche Dauer 14 Stunden, Luftdruck 756 mm. KEinmal wurde
Linksdrehen beobachtet, sechsmal keine Aenderung, zwöllmal Rechtsdrehen. Die
mittlere Windanderung betrug aber nur 2 bis 3 Strich, so dafs der Sturm mög-
licherweise noch im Nordwestquadranten enden wird.
Da die Breite kleiner als 30° ist und hier alle Stürme von B. 8 mitgezählt
sind, wird die höchste Windstärke nur in sechs Fällen einmal B. 11 oder 12
erreichen, also wahrscheinlich unter 11 bleiben. Der Sturm wird seine gröfste
Stärke erst bei steigendem Barometer erlangen.
4. Beispiel. In 17° N-Br, 17° W-Lg beginnt ein Sturm im Oktober mit
SE. Gebiet IL (Kap Verden).
Muthmafliche Dauer 10 Stunden, Barometerstand 757 bis 762 mm. In
10 von 17 Fällen war die Windänderung unmerklich, in den sieben anderen Fällen
nahezu ebenso oft links wie rechts gerichtet. Die schnellste Windänderung
betrug einmal 8 Strich nach links in zwei. Stunden, in einem anderen Faile