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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 29 (1901)

Sturmtabellen für den Atlantischen Ozean. 
’ 
Wir ziehen hieraus unter Anderem den Schlufs, dafs die höchste Wind- 
stärke mit einer Wahrscheinlichkeit von 5:2 erst eintreten wird, wenn das Baro- 
meter nach dem niedrigsten Stande wieder steigt. Mit Bezug auf den Sinn der 
gesammten Windänderung ist allgemein noch zu bemerken: je dichter unter Land 
in diesen Gebieten, um 8o wahrscheinlicher ein Linksdrehen, oder auch: bei 
kaltem Oberflächenwasser ist ein Linksdrehen noch wahrscheinlicher, als es das 
vorhin erwähnte Verhältnifs 12:2 angiebt. 
Die Anfangsrichtung des Sturmes sei EzN. Benutzt man die Tabellen 
rein mechanisch, so würde man dieselben Ergebnisse erhalten, die wir eben ge- 
fanden haben, denn EzN gehört noch zu dem Nordostquadranten. Betrachtet 
man aber die Windänderung im Gebiete 4 (Tabelle) etwas aufmerksamer, so 
fällt Einem gleich auf, dafs unter SE die Windänderung der unter NE entgegen- 
gesetzt ist. Man wird also, wenn der Sturm mit EzN 8 einsetzt, nicht nur NE, 
sondern auch SE zu Rathe ziehen, und erhält dann: 
Gebiet 
Summen .. 
Gesammt-Windänderung ; 
NE - | SE 
Links Rechts | Links Rechts 
6: — 
BB ı 9 
1 
8 
1 
7 
12 : 2 
5 
15 
Für die Grenze der Quadranten NE und SE erhalten wir also: 17mal 
links und 17 mal rechts; mit anderen Worten: in dieser Gegend läfst die An- 
fangsrichtung EzN keinen einigermafsen sicheren Schluß über die spätere Wind- 
änderung zu. Bei allen nordöstlich oder ostnordöstlich fortschreitenden De- 
pressionen ist dies die kritische Windrichtung, wo man sich auf anderem Wege 
Aufschluß über die muthmafsliche spätere Windänderung verschaffen muß, wenn 
mnan es kann. Es ist gleichzeitig die Lage, wo man aus einer Windänderung 
von 2, selbst 3 Strichen keinen Schlufs auf die Seite der Bahn machen darf. Es 
sind genug Fälle bekannt, wo auf EzN ESE folgte, und dann wieder E, NE 
und N; entsprechend auf E NEzE, dann weiter E, SE, S. In einem solchen 
Falle ist hier besonders zu beachten die Richtung der Dünung, des Seeganges, 
ferner die Richtung der mittelhohen Wolken, die Entfernung vom Lande, 
schliefslich die Wasserwärme und die Entfernung von der Grenze zwischen 
warmem und kaltem Wasser. Ist z. B. die Richtung des Seeganges und der 
Wolken mehr von SE bis SSE, die Entfernung vom Lande grofs, die Wasser- 
wärme hoch und die Entfernung von der West- oder Nordkante des Golfstromes 
groß, so darf man eher ein späteres Rechtsdrehen des Sturmes erwarten als das 
Gegentheil. 
3. Beispiel. In 28° N-Br, 40° W-Lg beginnt im Februar ein Nordwest- 
sturm. Gebiet 9. 
Wahrscheinliche Dauer 14 Stunden, Luftdruck 756 mm. KEinmal wurde 
Linksdrehen beobachtet, sechsmal keine Aenderung, zwöllmal Rechtsdrehen. Die 
mittlere Windanderung betrug aber nur 2 bis 3 Strich, so dafs der Sturm mög- 
licherweise noch im Nordwestquadranten enden wird. 
Da die Breite kleiner als 30° ist und hier alle Stürme von B. 8 mitgezählt 
sind, wird die höchste Windstärke nur in sechs Fällen einmal B. 11 oder 12 
erreichen, also wahrscheinlich unter 11 bleiben. Der Sturm wird seine gröfste 
Stärke erst bei steigendem Barometer erlangen. 
4. Beispiel. In 17° N-Br, 17° W-Lg beginnt ein Sturm im Oktober mit 
SE. Gebiet IL (Kap Verden). 
Muthmafliche Dauer 10 Stunden, Barometerstand 757 bis 762 mm. In 
10 von 17 Fällen war die Windänderung unmerklich, in den sieben anderen Fällen 
nahezu ebenso oft links wie rechts gerichtet. Die schnellste Windänderung 
betrug einmal 8 Strich nach links in zwei. Stunden, in einem anderen Faile
	        
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