Sturmtabellen für den Atlantischen Ozean.
Der Zweck dieser Tabellen ist, beim Eintritt schlechten Wetters, wenn
die Windstärke 8 Beaufort beträgt und schwereres Wetter in Aussicht ist, einen
vorläufigen, schnellen Ueberblick über den muthmafslichen weiteren Verlauf des
Sturmes zu geben.
Die Grundlage der Tabellen bilden rund tausend einzeilige Sturmauszüge,
wie sie dem Leser der Annalen aus früheren Jahrgängen dieser Zeitschrift bekannt
sind. Solch ein Auszug — aus den Annalen für 1897, Seite 61 — lautet z. B.:
1895. VIII, 13. — 29° 8, 42° W. — NzE8 y, W11, WSW8 A (62) 757, 4ba, 7a
und enthält der Reihe nach: Jahr, Monat, Tag; Breite und Länge; Anfang, Höhe
und Ende des Sturmes, je mit der Barometerbewegung (V A), fallend oder steigend;
ferner die Dauer in Stunden (), den geringsten Luftdruck in Millimetern mit der
zugehörigen Stunde; endlich die schnellste Windänderung, in diesem Beispiele
links herum (links vom Strich) oder gegen die Bewegung des Uhrzeigers, und
zwar 8 Strich in ’!/10 Stunde.
Weitaus die meisten Beobachtungen stammen von beigedrehten Schiffen,
denn nördlich von 30° N-Br wurden nur orkanartige Stürme in Betracht gezogen,
mit Windstärke 11 oder 12, 286 Fälle; desgleichen südlich von 30° S-Br, 353 Fälle.
Zwischen 30° N-Br und 30° S-Br dagegen wurden alle Stürme von B.8 an be-
rücksichtigt, von denen etwa !% Windstärke 11 oder 12 erreichte. Innerhalb
der letztgenannten Zone, die man als Passatzone bezeichnen könnte, kamen
177 Fälle auf Nord-, 165 Fälle auf Südbreite.
Als Gebiete des Atlantischen Ozeans, auf die sich diese Angaben ver-
theilen, sind Zehngradzonen in der Breite angenommen, die weiter durch einige
Zehnermeridiane zerlegt sind, So dals im Ganzen 22 Gebiete entstehen (Tezxtfig. 1).
Ein Drittel davon ist rein ozeanisch, der Rest lehnt sich an die Festländer an.
Der Gebrauch der Tabellen wird am besten durch einige Beispiele erläutert.
1. Beispiel. In 43° N-Br, 18° W-Lg beginnt es im Oktober aus SW zu
stürmen (Süd bis WzS).
Aus der Tabelle für diesen vor dem Kanal liegenden Meerestheil, Gebiet 2,
erfahren wir, dafs hier Beobachtungen über 93 orkanartige Stürme zur Bildung
der Tabelle benutzt worden sind. Auf den Oktober, Eingang oben unter X, und
die Anfangsrichtung SW, Eingang links, entfallen 2 +1 =23 Stürme, d. h. zwei
Stürme wurden zwischen. 50° und 45° N-Br beobachtet, ein Sturm zwischen 45°
und 40° N-Br. Geben wir in der SW-Doppelzeile etwas weiter nach rechts, so
finden wir unter den Winterstürmen, Eingang oben X — III, dafs auf die Zeit
Oktober bis März 26 -+ 10 Südweststürme entfallen, auf die Monate April bis
September nür vier.
Der untere linke Theil der Tabelle giebt weitere Auskunft, Eingang oben,
SW. Der Zahl nach überwiegen die mit S bis WzS anfangenden Südweststürme
in diesem Gebiete mit 40 Fällen. Ihre durchschnittliche Dauer betrug 30 Stunden;
der Luftdruck fiel im Mittel bis auf 742 mm. (Siehe auch Fig. 2.)
Der untere rechte Theil der Tabelle enthält die Angaben, dafs bei den
Südweststürmen, Eingang oben unter SW, zweimal ein Linksdrehen beobachtet
wurde von durchschnittlich 8 Strich, daß sechsmal keine wesentliche Windänderung
während des Sturmes beobachtet wurde, dagegen 32ımal ein Rechtsdrehen von
durchschnittlich je 5 Strich... (Das Linksdrehen wird durch die Stellung von 8?
in der linken Hälfte der SW-Spalte bezeichnet, das Fehlen der Windänderung
durch 0° in der Mitte der Spalte, das Rechtsdrehen durch die Stellung von 5%
in der rechten Hälfte der SW-Spalte. Siehe auch Tezxtfig. 3.)