582 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1901,
ersten Art enthält. Wir sehen hier also, dafs die grofsen I. T. Ä. eine besondere
Ursache haben, und erkennen ihren Ursprung in den Wetterumschlägen, bei
denen die grofsen I. T. A. im Winter als Erwärmungen, in den warmen Monaten
als Erkaltungen auftreten. Diese Verhältnisse zeigt folgende Zusammenstellung
der in Borkum, Kiel und Neufahrwasser in den Jahren 1890/1899 beobachteten
Fälle von I. T. A. > 10°, der noch die gröfsten beobachteten Werthe hinzu-
gefügt worden sind.
ha
+
Jh 9
+
zb
PD
—.
Zahl der Fälle.
Borkum
Kiel. . .
Neufahrwasser
3
19
0
3
2 5
0 0 |
8 19
2
10
d
D
b. Grölfste beobachtete Werthe.
Borkum .
Kiel . ..
Neufahrwasser
11,4 12,4 12,3 13,1
18,2 (<10 | <i10 (<19),
17,6 * 144 13,2 15,2 |
10,8
12,4
14.0
(< 10)
(< 10)
15,2
Gruppiren wir die Zahl der beobachteten Perioden von mehr als 5 Tage
anbaltendem Steigen oder Sinken der Temperatur von Tag zu Tag, so tritt sehr
scharf ausgesprochen hervor, dafs die langen Perioden mit Erwärmung von März
bis Juni, die der Erkaltung von Oktober bis Januar, für alle drei Termine in
gleicher Weise bedeutend über die Perioden der entgegengesetzten Aenderungen
überwiegen. Werden diese langen Perioden auch dadurch hervorgerufen, dafs
das Ansteigen der Temperatur nach dem Sommer hin vorzugsweise durch stärkere
Erkaltungen (Kälterückfälle) und die Abnahme der Temperatur nach dem Winter
hin durch starke Erwärmungen (im Bereich von Depressionen) unterbrochen werden,
so wird der regelmäfsige interdiurne Gang der Gröfse des Wärmeentzugs in der
Nacht und der Wärmezufuhr am Tage doch auch bis zu einem gewissen Grade
zu dieser charakteristischen Gestaltung der Vertheilung gleichartiger Temperatur-
änderungen Anlafs geben.
Der beobachtete Wechsel von interdiurnem Steigen und Sinken der Temperatur
im Vergleich mit einer rein zufälligen Vertheilung.
Berechnet man für einen längeren Beobachtungszeitraum die Abweichungen
der Tagesmitteltemperaturen von ihren normalen Werthen und vergleicht die
Häufigkeit der verschieden langen Perioden von anhaltend positiven oder negativen
Abweichungen mit der Vertheilung, die sich nach den Gesetzen des Zufalls für
die gleiche Zahl von positiven und negativen Vorzeichen ergeben würde, so weist
die beobachtete Vertheilung gegenüber dem Zufall ein in hohem Grade stärkeres
Vorwalten langer Perioden zu Ungunsten der kürzeren auf. Es spricht sich hier
die in der Natur herrschende Erhaltungstendenz der Witterung aus; die Mittel-
temperatur liegt in Wirklichkeit in weit längeren Folgen über und ebenso unter
den normalen Werthen als dies nach den Regeln der zufälligen Vertheilung
zu erwarten steht.
Ganz anders ergiebt sich das Verhalten der 1. T. Ä. Der Vergleich der
beobachteten und der zufälligen Vertheilung der positiven und negativen I. T. A.
lehrt, dafs in der Natur Steigen und Fallen der Temperatur von Tag zu Tag noch
häufiger mit einander abwechseln als dies bei rein zufälliger Vertheilung der Fall
sein würde; in der Natur treten, für die drei Beobachtungstermine in gleicher Weise,
die kurzen Perioden von 1, 2 und zum Theil 3 Tagen häufiger, und die längeren