Grossmann: Die Aenderung der Temperatur an der deutschen Küste. 581
Gegensätze von West und Ost, die relativ starke und gleichmäfsige Zunahme
nach Osten hin an der Ostseeküste hervorgehoben werden, deren Erklärung in
Uebereinstimmung mit unseren obigen Ausführungen darin zu suchen sein dürfte,
dafs die Durchfeuchtung der Atmosphäre in ihrem jährlichen Gang nach dem
Sommer hin von Westen nach Osten hin erfolgt.
—_ Wir sehen die im Jahre hervortretende Zunahme der M.I. T. V. nach
Osten hin wesentlich durch die Verhältnisse des Winters hervorgerufen und ent-
nehmen unseren Darlegungen, dafs sie hauptsächlich eine Folge der stärkeren
Wirkung der Ausstrahlung im Osten ist, indem die I. T. V. in den Nacht-
stunden zwischen Barnaul und Bremen erheblich gröfsere Unterschiede als an
den Tagesstunden aufweisen. Für die Wintermonate ist die nach Osten hin er-
folgende Zunahme der Zahl der Tage mit Schneedecke, für die Sommermonate
die im Westen in der Nähe der Küste gröfsere Durchfeuchtung der Atmosphäre
als Ursache. der nach Osten hin anwachsenden Kraft der Ausstrahlung und
Insolation anzusehen. Als zahlenmäfsigen Ausdruck für die gröfsere Wirkung der
Ausstrahlung in Barnaul gegenüber Bremen berechnen wir aus dem mittleren
jährlichen Gang der I. T, V. für die Nachtstunden folgende Aenderungen der
LT. Y.:
8b p—10h p
Lobp—12hp |
Barnaul
Bremen
+ 0,23 + 0,03
+0,22 + 0,09
Barnaul
Oba-2ba +0,16
aha—diba +0,17 |
Bremen
+ 0,10
+4 0.06
Der Einflufs der Aenderung des Sonnenstandes von Tag zu Tag auf die
interdiurnen Temperaturänderungen.
Liefsen die Monatsmittel der I. T. Ä. bereits den Einfluß des jährlichen
Ganges des Sonnenstandes im Jahresverlaufe der I. T. V. hervortreten, so be-
gegnet uns dieser auch deutlich ausgeprägt bei der Untersuchung der Vertheilung
der Vorzeichen der interdiurnen Aenderungen wie auch bei der Vertheilung der
Perioden gleichsinniger Temperaturänderungen auf das Jahr,
Berücksichtigt man, dafs die Aenderung der Sonnenhöhe wie die der Dauer
der Nacht von einem Tage zum anderen nur klein ist, so wird man einen er-
heblichen Unterschied in der Vertheilung der beiderlei Vorzeichen der Aende-
rungen nicht erwarten. Für die ausgewählten Stationen Borkum, Kiel und Neu-
fahrwasser überwiegen zu den drei Terminen von März bis Juni die positiven
und von Oktober bis Dezember — in Neufahrwasser für 2"p und 8" p bis Januar
— die negativen interdiurnen Temperaturänderungen; die Unterschiede über-
steigen nur vereinzelt 3 bis 4 Fälle im mittleren Monat, sind aber charakte-
ristisch und entsprechen in ihrer Vertheilung auf das Jahr unseren vorangehen-
den Erörterungen, Wenn wir‘ bemerken, dafs die positiven Aenderungen am
Nachmittag auch noch im Juli ausgeprägt überwiegen, so erinnern wir uns, dafs
die Temperatur unseres Gebietes im jährlichen Gange bis zum Juli steigt und
theilweise ihr monatliches Maximum erst im August erreicht. Die Ursachen, die
hier in dem Sinne wirken, die Wirkung der Insolation scheinbar von Juni bis
Juli noch zu erhöhen, müssen auch die Wirkung haben, die Fortdauer des Ueber-
wiegens der positiven I. I. A. über die negativen im August, wenigstens für die
Nachmittagsstunden, die der Wirkung der Ausstrahlung ferner liegen, herbei-
zuführen. N
Untersuchen wir, ob die I. T. A. der verschiedenen Gröfsenordnungen in
gleicher Weise diese Vertheilung der Vorzeichen aufweisen, so ergiebt sich, dafs
jenes Verhalten den Gruppen von I. T. A. von 1—2° und 3—6° zukommt, daß
jedoch die I. T. A. > 7° im Allgemeinen das entgegengesetzte Verhalten zeigen.
Die grofsen interdiurnen Aenderungen der Temperatur treten der Mehrzahl nach
von März bis Juli negativ, von Oktober bis Januar und meist noch im Februar
positiv auf; nur Neufahrwasser zeigt vielfach Abweichungen, die darauf zurück-
zuführen sind, dafs die I. T. A, hier im Allgemeinen grölsere Werthe erreichen
und daher die Gruppe der I. T. A. > 7° noch eine grofse Zahl der I. T. A. der