Grossmann: Die Aenderung der Temperatur an der deutsehen Küste, 579
Die I. T. V. an der deutschen Küste um 8a, 2"p und 8" p Ortszeit.
Da mit Januar 1892 die regelmäfsig in dieser Zeitschrift veröffentlichten
meteorologischen Monatstabellen der Seewarte auch die Mittelwerthe der für
8b a, 2% p und 8 p Ortszeit berechneten interdiurnen Temperaturänderungen für
die Normalbeobachtungsstationen enthalten, so lag dem Verfasser das Bedürfnifs
der Ableitung vieljähriger Mittelwerthe vor; es wurden zu diesem Zwecke die
Werthe für die Jahre 1890 und 1891 neu berechnet und die Mittelwerthe der
IL. T. V. aus den Jahren 1890/1899 abgeleitet. Das für die einzelnen Monate
hervortretende relative Grölsenverhältnifs der für die drei Termine berechneten
Werthe, ebenso‘ wie der jährliche Gang der I, T. V. für jeden der Termine boten
in ihrer Erklärung auf Grund des dargelegten Wesens der Erscheinung, wie es
die Beobachtungen in Bremen und Barnaul gelehrt haben, keine Schwierigkeit,
unter der Erwägung, dafs kleinere Abweichungen von den zu erwartenden Ver-
hältnissen der Kürze des Beobachtungszeitraumes zuzuschreiben waren. .
Die gröfste Uebereinstimmung herrscht für die Aenderung der I, T, V. von
Sh a bis 2° p, indem alle Stationen von III bis IX Zunahme und von X bis II
Abnahme ergaben, aufser Memel; das ebenso wie Barnaul uoch im März Ab-
nahme zeigt. Von 2*p bis 8" p nimmt die I. T. V. an der Nordsee von I1I bis X
ab, an der Ostseeküste aber nur von IlI bis VIII ab (Memel zeigt in 1I Zu-
nahme wie Barnaul); im September haben diese Aenderungen verschiedene Vor-
zeichen und im Oktober sind sie gleich Null oder positiv. Wie bereits oben her-
vorgehoben wurde, liegen für die Nachmittagsstunden an der Ostsee theilweise
besondere Einflüsse für diese Monate vor, wobei weniger solche Ursachen, die
den abendlichen Einfluss der Ausstrahlung verstärken, als solche, die den der
Insolation in den Mittagsstunden verringern, und als solche vielleicht die Ent-
wickelung der Seewinde, in Betracht kommen dürften.
Was die geographische Vertheilung der Größe der I. T. V. längs der
Küste anbetrifft, so ergiebt sich, dafs von den Stationen der Nordsee für alle
Termine fast durchweg Borkum und Keitum mit etwa gleichen Beträgen die
kleinsten, Wilhelmshaven und Hamburg — ersteres meist die kleineren — größere
und Bremen die gröfsten Werthe der I. T. V. besitzen. Mit der Entfernung der
Station von der Küste nimmt mit der Wirkung der Insolation und der Aus-
strahlung auch die I, T, V. zu; gegen die Inselstationen besonders begünstigt
folgen daher die Stationen an der Nordsee in der Reihenfolge Wilhelmshaven,
Hamburg und Bremen, Abgesehen von diesen Stationen finden wir um 8*a von
Oktober bis Dezember ein stetiges Ansteigen nach Osten hin; in den übrigen
Monaten treten in dieser Anordnung mehrfache Schwankungen auf, und besonders
ergiebt sich für April bis August wenig Verschiedenheit von Borkum bis Wnustrow
und im Juli hier sogar die geringste I. T. V.
Um 2* p ist die I. T, V. in Memel mit Ausschluß der Wintermonate kleiner
als in Neufahrwasser, vermuthlich wegen des besonderen Verlaufs der Küste in
Memel, da die vorherrschenden Winde vom Meere wehen und der Entwickelung
hoher Strahlungstemperaturen entgegenwirken, Sieht man von den relativ hohen
Werthen von Swinemünde ab, so ergiebt sich an der Ostsee von Kiel bis Neu-
fahrwasser fast durchweg eine kleine Zunahme. Der Vergleich mit den Nordsee-
inseln lehrt, dafs zu dieser Tageszeit fast im ganzen Jahre nur kleine Unter-
schiede zwischen diesen und der westlichen Ostsee bestehen und hier in der
warmen Jahreszeit wiederum theilweise die kleinsten Werthe angetroffen
werden.
Um 8*p zeigt sich, abgesehen von den für Memel und Swinemünde be-
stehenden Ungleichmäfsigkeiten, im Dezember, Januar, April und Mai an der
Ostsee Zunahme nach Osten hin; in den übrigen Monaten ergeben sich weitere
Störungen, besonders eine Abnahme von Kiel nach Wustrow, wo im Juni und
Juli, wie im Mai in Kiel die geringste I. T. V. an der Küste auftritt, und zu
dieser Zeit nur geringe Unterschiede gegen die Nordsee-Inseln bestehen.
Die mittlere interdiurne Veränderlichkeit der Temperatur (M. I. T. V.).
Berechnen wir das Mittel aus den 24 Stunden-Mitteln der I, T. V., so er-
halten wir einen Werth, der mit sehr grofßser Annäherung die mittlere Aenderung
der Temperatur von Tax zu Tag im Monat darstellt, wie sie sich als das Mittel