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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 29 (1901)

Grossmann: Die Aenderung der Temperatur an der deutschen Küste. 577 
Wie selten größere Werthe der I. T. Ä. an unserer Küste in Betracht 
kommen, zeigt Tab. I. Hiernach beträgt die Häufigkeit von I. T. A. > 7° in Borkum 
und Kiel von März bis September für S'a und 8°p weniger als 1°%, übersteigt 
nur um 2*p 2° in Borkum und liegt von Oktober bis Februar zwischen 0,7 
und 3,1%; gröfsere bis 7,6% ansteigende Häufigkeitszahlen zeigt Neufahrwasser. 
Die I. T. Ä. von 1—2° überstiegen meist die Hälfte, die von 0° (—0,5 bis + 0,4°) 
1/5 bis !/4, die von 3—6° '/s bis */s aller Fälle, 
Diese Tabelle lehrt noch vielerlei Gesetzmäfsigkeiten, die ihre einfache 
Erklärung in der vorstehenden Darlegung finden. Von 8a bis 2" p sehen wir 
für März bis September die Werthe für die beiden Gruppen mit kleinster I. T, A, 
abnehmen, für die beiden anderen Gruppen aber zunehmen, und das entgegen- 
gesetzte Verhalten. zeigt sich für Oktober bis Februar; in der warmen Jahreszeit 
nimmt die I. T, V. vom Morgen bis Nachmittag: zu, im Winter ab. In der 
warmen Jahreszeit zeigen die beiden Gruppen mit kleinen I, T. A. für 8" a größere 
und für 2% p: kleinere Werthe als in der kalten Jahreszeit, für die beiden anderen 
Gruppen treten auch hier die entgegengesetzten Verhältnisse auf; in der warmen 
Jahreszeit überwiegt der Effekt der Insolation, in der kalten der der Aus- 
strahlung. Die grofsen I. T. Ä. begünstigen ganz besonders den Termin 2b p 
von März bis September und 8"a von Oktober bis Februar — als Erkaltungen 
bezw. Erwärmungen — und treten an Häufigkeit erheblich zurück um 8"a 
und um 2* p der entsprechenden Jahreszeiten, 
Der jährliche Gang der interdinrnen Veränderlichkeit der Temperatur. 
Um den jährlichen Gang der I, T. V. zu verstehen, erinnern wir uns, dafs 
zufolge unserer Erklärung die I, T. A. als eine Summationswirkung aufzufassen 
ist, indem ihr Betrag im Allgemeinen von den vorangehenden Werthen abhängen 
wird. Betrachten wir die Veränderlichkeit der Bewölkung von Tag zu Tag in 
ibrem mittleren Verhalten während der Monate des Jahres als wesentlich von 
gleicher Gröfse, so mufs der jährliche Gang der I. T. V. durch den der Erkaltung 
durch Einstrahlung und der Erwärmung durch Insolation zu erklären sein, wobei 
wegen des jährlichen Ganges des Sonnenstandes für eine bestimmte Nachtstunde 
der Ausstrahlungseffekt für Januar bis Juni abnehmend und für Juli bis Dezember 
zunehmend, für eine bestimmte Stunde am Tage aber der Insolationseffekt um- 
gekehrt von Januar bis Juni zunehmend und von Juli bis Dezember abnehmend 
in Ansatz zu bringen ist, 
Am einfachsten ergiebt sich die Erklärung des jährlichen Verlaufes der 
LT. V. für die Nachtstunden, den wir für die Stundenwerthe von 9*p bis 5a 
in Bremen und Barnaul fast genau übereinstimmend finden: Zunahme von August 
bis Dezember (Januar in Bremen) und Abnahme von Januar (Februar in Bremen) 
bis Juli, unterbrochen durch eine Zunahme im Mai. Wie zu erwarten, mufs sich 
der jährliche Gang der I. T,V, für diese Nachtstunden dem jährlichen Gang 
der Ausstrahlungswirkung anschmiegen und er stimmt auch genau mit diesem 
überein mit Ausnahme der Monate Mai und Juli; der Mai zeigt hiernach einen 
gröfseren, der Juli einen kleineren Werth der 1.T. V. als ihn der Gang der 
Ausstrahlungswirkung erwarten lassen sollte. Diese Abweichung scheint auf den 
Gang des Wasserdampfgehalts der Atmosphäre zurückzuführen zu sein; die 
Atmosphäre ist im Mai besonders trocken und begünstigt daher die Erkaltung 
durch Ausstrahlung, so dafs deren Effekt von April bis Mai trotz des späteren 
Sonnenuntergangs für die Nachtstunden anwächst, und ebenso verringert der von 
Juni bis Juli erfolgende Zuwachs des Wasserdampfgehalts der Luft den Aus- 
strahlungseffekt im Juli, so dafs eine kleine Abnahme der I. T, V. für die Nacht- 
stunden von Juni bis Juli erfolgt. Dafs die I. T. V. in Bremen im Januar 
größer als im Dezember ist, hat ihren Grund darin, dafs hier die mittlere Dauer 
and Häufigkeit der Schneedecke von Dezember bis Januar erheblich zunimmt. 
Größere Schwierigkeiten bereitet die Erklärung des jährlichen Ganges 
der I. T. V. für die Stunden am Tage, den wir für eine frühe Nachmittagsstunde 
zur Zeit der vollen Sonnenwirkung untersuchen wollen. Dafs sich der Jährliche 
Gang für die Mittagsstunden dem der Insolationswirkung durchweg anschließen 
werde, kann von vornherein nicht erwartet werden, da wir sahen, dafs in der 
kalten Jahreszeit der Effekt ‚der Insolation keine besondere Schwankung der
	        
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