576 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1901.
in den Stundenmitteln einzelner Monate hervortretende tägliche Verlauf vielfach
sehr erhebliche Störungen gegenüber den normalen Verhältnissen aufweisen wird,
indem der Zeitraum eines Monats nicht ausreicht, um die zur Wirkung kommen-
den interdiurnen Aenderungen der Bewölkung auf die Stunden des Tages gleich-
mäfsig zu vertheilen. Es besteht hier ein erheblicher Unterschied gegen das
Verhalten der Temperatur, die in ihren stündlichen Monatswerthen fast ausnahmslos
für jeden Monat wesentlich den gleichen täglichen Gang hervortreten läfst; bei
diesem kommen die Aus- und Einstrahlung täglich zur Geltung, indem, abgesehen
von einzelnen Fällen von ganz unregelmäfsigem Verlaufe der Temperatur im
Gefolge sehr starker Wetterumschläge, der tägliche Gang an trüben und heiteren
Tagen, wenn auch an Stärke verschieden ausgeprägt, wiederkehrt.
Wenn auch in unseren Gegenden der Bewölkung zu den verschiedenen
Jahreszeiten und bestimmten Wetterlagen im Grofsen und Ganzen gewisse
charakteristische Züge in ihrem täglichen Gange zukommen, so bleibt sie doch
ein sehr veränderliches Element, und ihre Veränderlichkeit von Tag zu Tag erscheint
im einzelnen Falle keineswegs an eine Aenderung der Wetterlage und das Auf-
treten anders temperirter Luftströmungen gebunden. Insofern muls es aufser-
ordentlich schwierig erscheinen, mit einiger Sicherheit den Antheil zu bemessen,
der dem Einflufßs der Veränderlichkeit der Wetterlage und insbesondere dem Luft-
transport auf die Gröfßse der I. T. V. zukommt.
Um bei dem Vergleich der I. T. V. gleicher Monate verschiedener Jahre
den Einfluß der Bewölkung möglichst zu eliminiren, muß man solche Stunden
wählen, wo dieser Einflufs dem regelmäfsigen täglichen Gang zufolge am kleinsten
gein muß. Stehen beispielsweise, wie im vorliegenden Falle, die Monatsmittel
der I. T. A. für die Beobachtungszeiten 8a, 2°p und 8"p zur Verfügung, so
kommen für die kalte Jahreszeit die Mittel von Z2"p und für die warme die von
83h a für unsere Zwecke in Betracht, indem um diese Zeit in beiden Fällen die
durch die Ausstrahlung der Nacht hervorgerufenen I. T, A, als nahezu aus-
geglichen anzusehen sind und die Wirkung der Insolation am wenigsten ins Gewicht
fallt; die für diese Zeiten berechneten Werthe der I. T. V. setzen sich also aus
den interdiurnen Temperaturänderungen der gleichen Entstehungsweise aber von
weniger regelmäfsigem Verlaufe und solchen zusammen, die durch Aenderung
des Lufttransports in Begleitung von Wetterumschlägen entstanden sind. Für
unsere Küste ergab der Vergleich von Ort zu Ort, dafs diese I. T. V., in der
kalten Jahreszeit um 2*p, in der warmen um 8*a, an benachbarten Stationen
bis zu einem gewissen Grade einen gleichartigen Verlauf gleicher Monatswerthe
von Jahr zu Jahr hervortreten lassen; für die anderen Beobachtungstermine, an
denen der Effekt der Aus- und Einstrahlung stärker hervortreten mufs, also 8a
im Winter und 2*p im Sommer, ist jener gleichartige Gang jedoch kaum noch zu
bemerken. Es ergiebt sich hieraus wohl ein gewisser Einflufßs der Veränderlichkeit
der Wetterlage, aber es folgt gleichzeitig, dafs dieser Einflufs nicht groß ist,
indem er, wie zu erwarten stand, durch die volle Einwirkung der Ausstrahlung
und Insolation überdeckt wird.
Tabelle I.
Prozentische Häufigkeit von Gruppen interdiurner Aenderungen der
Temperatur 1890/99.
1—2°
Sha | Ohp | Shp | Sha | 2hp | Shp | Sha | 2bp | Sbp
7;
t8bg | 20p | Shp
“. März bis September:
Borkum ..| 25 20 24 60 52 57 14
Kiel ....| 22 ‘ 17 22 58 52 55 20
Nenufahr- \ | } ,
wasser| 19 ' 15 | 19 | 56 ' 45 52 | 24
25 18 0,4 3,7 0,6
30 | 23 03 ‘ 1,9 | 0,5
33 | 26 1,8 74 ‘ 24
#. Oktober bis Februar:
Borkum ..| 1% 21 19 | 54 | 56 | 59 | 26
Riel ....} 18 20 | 18 47 ) 55 | 53 33
Neufahr- | i | .
wasser| 14 ‘ 17 16 46 | 49 47 32
22 | 1,3 1,0 | 0,7
27 | 81 | 15 | 18
N
| 99 | 382 a 43 | 5,7