Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1901
gehiet, das sich zunächst von Nordwesteuropa her über Centraleuropa ausbreitete
and vorübergehend bis über die Britischen Inseln reichte. Die Winde drehten
an der ganzen Küste nach Osten und wehten leicht aus 0SO und ONO bis zum
Morgen des 4., vielfach von Niederschlägen an der Ostseeküste begleitet,
während am 3. und 4. an der Nordsee meist heiteres Wetter herrschte.
Ein am 4. und 5. von einer Depression jenseits der Alpen entsandtes
Theilminimum drang über Pommern nach Südschweden vor und hatte ein Zurück-
weichen des Maximums von Skandinavien zur Folge, das seinen Kern rasch nach
jem Innern Rufslands verlagerte und seinen Einflufs bis gexen Mitte des Monats
von hier über den Westen Rufslands behauptete. Die Winde drehten südlicher
and erhielten sich bis zum 15, meist an der Ostsee aus SO bis S, an der Nordsee
aus S bis SW unter dem Einflufs des Maximums im Osten und der in wechselnder
Erstreckung vom Ozean aus über Europa ausgehreiteten, meist Centraleuropa
umfassenden Depressionen, Im Bereiche einer tiefen, mit ihrem Centrum nörd-
lich von Schottland liegenden Depression traten am 9. an der Nordsee und der
westlichen Ostsee steife und theilweise stürmische Winde aus dem Südwest-
quadranten anf.
Brachten diese Tage schon vielfach Regenfälle, so führten die Tage vom
15. bis 20. für die ganze Küste solche herbei. Vom 15. bis 18. schritt eine De-
pression mit ihrem Minimum von den Britischen Inseln her über den Kanal nach
der Adria, während ein Hochdruckgebiet in ihrem Rücken über dem Ozean im
Nordwesten erschien, das rasch an Intensität zunahm und am 18. bis 20. mit
seinem Kern über die Britischen Inseln und Mittelskandinavien nach Rufsland
schritt. Die Winde drehten an der Küste in diesen Tagen rasch über Ost nach
Nordost und frischten am 18. und 19. aus dieser Richtung an der mittleren und
östlichen Ostsee vielfach zu Stärke 7 und 8 auf. Als eine, am 20. ein tiefes
Minimum über dem Mittelmeer aufweisende, Depression am 21. und 22, ein Theil-
minimum über die Mitte Kontinentaleuropas nach der Nordsee entsandte, drehten
lie Winde an der Küste wieder nach Südost und frischten unter Wechselwirkung
Jieser Depression mit dem Hochdruckgebiet über Osteuropa, das am 21. über
dem Innern Russlands mehr als 780 mm Druck aufwies, stark auf, so dafs von
Helgoland ostwärts vielfach stürmische Südostwinde eintraten.
Die folgenden Tage brachten zunächst über Centraleuropa eine mehr
gleichmäßige Luftdruckvertheilung, während der Luftdruck westlich über den
Britischen Inseln niedrig und im Osten relativ hoch war. Bis zum 27, blieben
die Winde an der Küste meist: südlich bei ziemlich trockener Witterung, da
Regenfälle nur am 22., 26. und 27. an der Nordsee, wie am 22. und 23. an der
preufsischen Küste in gröfserer Ausbreitung auftraten; am 24. herrschte ostwärts
bis zur Elbe heiteres Wetter,
Als sich während der letzten Tage des Monats eine Depression von
Westen her über Kontinentaleuropa ausbreitete und wieder hoher Luftdruck über
Skandinavien zur Entwickelung gelangte, drehten die Winde der Küste wieder
nach Ost und zeigten am 30. etwas Auffrischen.
Buchanzeige.
In einigen Tagen erscheint; Die wichtigsten Häfen Chinas. Ein Handbuch für
Kapitäne und Rhedereien. Herausgegeben von der Direktion der Deutschen
Seewarte, Mit 11 Tafeln. Berlin 1901. Gedruckt und in Vertrieb bei
E. S. Mittler & Sohn. Preis gebunden 3,00 Mk.
Die Materialsammlung von Berichten über fremde Häfen bei der Seewarte besitzt 23 Konsulats-
nd 12 Kapitäns-Fragebogen, die zum Theil sehr ausführliche ünd bisher nirgends veröffentlichte An-
zaben über die wichtigsten chinesischen Häfen enthalten, Mit Rücksicht auf den alljährlich in den
zhinesischen Gewässern erheblich sich steigernden Seeverkehr deutscher Kriegs- und Handelsschiffe
hielt sich die Direktion für verpflichtet, diese Konsularts- und Kapitänsberichte, verbunden mit vielen
in. früheren Jahrgängen der „Annalen der Hydrographie etc.“ veröffentlichten Kriegsschiffsberichten
and ergänzt durch die Angaben der neuesten Auflage des „China Sea Directory“, Band II von 1899
and Band IH von 1894, in dem vorliegenden Handbuche zu veröffentlichen.
Alle in den chinesischen Gewässern verkehrenden Schiffsführer werden gebeten, die vor-
liegende Arbeit, die im Allgemeinen nur das enthält, was nicht unmittelbar aus den Karten er-
sichtlich ist, im praktischen Handgebrauch zu prüfen und Vorscbläge zu Berichtigungen und Ergänzungen
an die Direkılon einzusenden, A .
‘Den Kaiserlichen Konsuln und den Kapitänen, die durch Beantwortung der Fragebogen diese
Arbeit 0 werkthätig unterstützt‘ haben, spricht die Direktion auch an dieser Stelle ihren besten
ank ana.