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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1901.
der Nähe luvwärts zu Anker, um als Boje zu dienen und vor dem Ausschleppen
das Heck der quer vor dem Fahrwasser liegenden „München“ luvwärts aufzuhieven,
Einem möglichen Aufstrandgerathen Rechnung tragend, wurde die Abfahrt
auf die Zeit des niedrigsten Wasserstandes festgesetzt. Um 11°" fing
„München“ an, den Anker zu lichten, und gleichzeitig wurde die Heckleine durch
„Wongkoi“ eingehievt. Nachdem die „München“ schlags lag zur Ausfahrt,
schleppte „Natuna“ an. Die Kante des Westriffs wurde in kaum 5 m Abstand
‘reigelaufen; es gelang jedoch die Ausfahrt, und um 1* passirte man die während
des Aufenthalts in Yap nach dem Festkommen ausgelegte Boje auf der Duero-
Bank und befand sich damit in See,
Als man dann mehr Ankerkette stecken wollte, brach, vielleicht infolge
eines ruckweisen Kettesteckens, die auf die Kette geschäkelte Manilatrosse.
Beide betheiligten Schiffe holten Kette und Trosse ein und mittelst eines Bootes
and einer Leine wurde die Verbindung wieder hergestellt und dann ein vom
„Seeadler“ früher schon leihweise erhaltenes Stahltau an der Ankerkette be-
festigt. Um 3'/a* wurde die Fahrt im Süden von Yap westwärts fortgesetzt.
S, M. 8. „Seeadler“, der gleichzeitig mit dem Schleppzuge ausgelaufen
war, verließ diesen vor Anbruch der Dunkelheit, um nördlicher zu steuern;
„München“ dagegen setzte ihren Kurs auf die Balintang-Durchfahrt zwischen
Luzon und Formosa.
„Natuna“ schleppte bei leichtem NO-Winde und Dünung mit einer Fahrt
von 5 Knoten, während sich „Wongkoi“ als Begleitschiff an „Münchens“
B-B.-Seite hielt,
Am andern Mittag gab „Natuna“ auf ein von „München“ gezeigtes Signal
mittelst eines Bootes und einer Jagerleine die Schlepptrosse an „Wongkoi“ ab,
and „Natuna“ wurde nun der Begleitdampfer. Dann wurden 40 Faden der zuvor
eingeholten B-B.-Ankerkette, an die der Stahlschlepper geschäkelt war, wieder
ausgesteckt. Vom Mittag des 17. Mai an schleppte „Wongkoi“ noch mit einer
zweiten Trosse, nämlich mit einer 10zölligen Manilaschlepptrosse, an die ein
4zölliges Stahltau geschäkelt war. An diesem Tage wurde während der Fahrt
Bootsrolle geübt.
Aber auch „Wongkoi“ erreichte in den nächsten Tagen nur eine mittlere
Fahrt von 5!/4 Knoten, weil seine Schraube zu hoch lag. Daher erhielt „Natuna“
am 22, Mai morgens den Befehl, eine Schlepptrosse von „Wongkoi“ zu nehmen
and vor ihm zu schleppen. Bei dem leichten NO-Monsun und der leichten Ost-
dünung konnte das Manöver während der Fahrt ausgeführt werden. „Natuna“
dampfte voraus und gab an „Wongkoi“ eine 8zöllige Manilatrosse ab, die mit
„Wongkois“ Ankerkeite zusammengeschäkelt wurde, „Natuna“ schleppte also
jetzt als vorderstes Schiff und nun wurde eine Fahrt von 6!/a Knoten durch das
Wasser erreicht.
In den nächsten Tagen hatte man starken Gegenstrom. Die Balintang-
inseln passirte man südlich und lief nun in die China-See ein, am 24. Mai abends.
Von hier an hatte man bis Hongkong mälsigen Seegang und entsprechende
Dünung, neben vorherrschend frischem NO-Wind aber auch unbeständige Winde
ınd heftige Regengüsse.
Nachdem am 27. Mai 6" nachmittags Waglan-Leuchtthurm passirt war,
warf „Natuna“ los, und eine Stunde darauf stoppte der Schleppzug in der
Lima-Passage, wo die „München“ und in deren Nähe auch „Natuna“ zu Anker
ging. Inspektor Meifsel fuhr mit dem Dampfer „Wongkoi“ nach Hongkong,
am dort die Ankunft des Schleppzuges zu melden.
Bei einer Reisedauer von 12% Tagen betrug für die fast genau 1600 Sm
lange Distanz die mittlere Geschwindigkeit 5,4 Knoten.
„Natuna“ nahm am nächsten Morgen die „München“ wieder ins Schlepp-
tau und unter Führung eines chinesischen Lootsen erreichte man glücklich
Hongkong, wo die „München“ am 28. Mai zu Anker ging.
Wir wollen schließen mit einer Stelle aus dem Schreiben, das der Kaiser-
liche Bezirksamtmann Herr Senfft an Herrn Inspektor Meifsel richtete:
‚.. „Es ist mir ein Bedürfnifs, Ihnen den aufrichtigsten Glückwunsch der Kaiser-
lichen Behörde für Ihre erfolgreiche Thätigkeit auszusprechen. Durch Ihre aufser-