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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 29 (1901)

Bergung des in Yap gestrandeten Norddeutschen Lloyddampfers „München“. 571 
mit Jangen Hakenschrauben und Spanneisen (0) um die Unterkanten des Luken- 
sülls. Auf das Deck legte man querschiffs neben die Luke Planken (Pl), die 
durch 8 Keile K gegen die Planken P abgekeilt wurden. Die entstandene 
rahmenartige Verbindung der Planken stützte man in ihren vier Durchkreuzungs- 
stellen durch Balken () gegen das Hauptdeck ab. 
Sämmtliche hierbei verwandte Balken oder Stützen hatten eine Stärke von 
10“ >< 10“, die Planken von 3" >< 8“. 
In die Luken batte man Löcher für die Saugerohre der 9zölligen Cen- 
trifugalpumpe (C) und der 5zölligen Druckpumpe (D) geschnitten. 
Nach Abstützung dieser beiden hinteren Luken des Unterdecks war ein 
sehr großer Doppelboden hergestellt, in dem das Wasser bleiben mufste, wenn 
etwa die Tunnelwände brechen sollten, und von dem man hoffte, dafs er das 
Schiff über Wasser halten könnte. Die Ventilatoröffnungen dienten als Mann- 
löcher, durch die man in die Unterräume gelangte, um diese Räume und die 
Tunnelwandungen beobachten zu können. Diese Mannlöcher konnten jeden 
Augenblick geschlossen werden. ; 
Das Abnehmen der Schraubenflügel unterblieb, weil das Schiff in dem 
schwer beschädigten Zustande nicht gedippt werden konnte, um so weniger, als 
auch noch der Wellentunnel mit Wasser gefüllt war. Sodann hätte auch das 
Abnehmen der Flügel durch Taucher mehr Zeit in Anspruch genommen als durch 
die Entfernung der fahrtstoppenden Schraube an Zeit während des Uebersee- 
schleppens zu gewinnen war. 
Die Niederdruckskurbel der Maschine drehte man auf den unteren todten 
Punkt, alsdann stützte man sie sicher nach beiden Seiten im Fundament ab, um 
ein Rotiren der Schraube und Welle während der Ueberfahrt zu verhindern. 
Die an Deck stehenden Kessel sowie sämmtliche Pumpen und Rohre 
wurden noch besonders gut durch Stützen und Schellen gesichert. Die Rohr- 
leitung zur Dampfpfeife wurde gelegt, um während der Fahrt signalisiren zu 
können, und die Pfeife zum Gebrauche fertig gemacht. 
. Hiermit war von Seiten des Maschinenpersonals in der:  umsichtigsten 
Weise Alles gethan, was zur Sicherheit des Schiffes während der langen Seereise 
überhaupt gethan werden konnte. 
Das seemännische Personal traf inzwischen ebenfalls alle Vorbereitungen 
zur Reise. Das an Land gebrachte Inventar wurde zum Theil wieder an Bord 
genommen, acht Davits wurden eingesetzt und die vier dazu gehörigen Boote 
aufgeheifst. Zwei Boote sollten in Yap zurückbleiben, um unter Anweisung eines 
Lootsen die geschlippten und verlorenen Bug-, Warp- und andere Anker sammt 
deren Ketten, Stahltauen und Leinen wieder zu fischen und zu bergen. Die 
übrigen Boote, Davits, Winden u. 8. w. wurden auf die Dampfer „Wongkoi“ und 
„Natuna“ verladen, welch letztere am 13. Mai von Uluthi zurückkehrte, Die 
beiden Dampfer machten nun Alles klar zum Schleppen und nahmen Kohlen 
und Wasser über. . 
Inspektor Meifsel, der sich auf der „München“ einschiffte, hatte dringend 
gebeten, dafs S. M. S. „Seeauler“ das schwer verletzte Schiff nach Hongkong be- 
gleiten möchte, Leider konnte das Kommando diese Bitte nicht erfüllen, weil 
diese Begleitung mit dem vom Admiral erhaltenen Befehl, so schnell wie mög- 
lich nach Tsingtau zurückzukehren, unvereinbar sei. Da die „München“ mit dem 
Umstande rechnen mufste, dafs sich das Schiff stets in grofser Gefahr befand 
und stündlich sinken konnte, so wäre eine Begleitung durch das Kriegsschiff, ins- 
besondere dadurch sehr werthvoll geworden, dafs die Rettung der auf der 
„München“ befindlichen 80 Personen durch die gut ausgebildeten Bootsmann- 
schaften S. M. S. „Seeadler“ gesichert worden wäre, 
Trotz der unterbliebenen Begleitung wurde jedoch die Reise beschlossen. 
Auch dieser Umstand legt Zeugnife ab von dem hohen Wagemuth der Führer 
des Schleppzuges und aller dabei Betheiligten. 
Am Morgen des 15. Mai legte sich „Natuna“ längsseits der „München“, 
um deren 12zölligen Manilaschlepper an Bord zu nehmen, Auf diesen schäkelte 
man die B-B.-Ankerkette der „München“. Der Dampfer „Wongkoi“ ging in
	        
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