570 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1901.
war, wurden sämmtliche Ketten an B-B. und St-B. eisensteif angesetzt und be-
festigt. Nun brachte man auf jeder Seite drei Vorholerketten an, die voraus
und nach oben genommen befestigt wurden, um den Leckstopfer festzuhalten,
wenn sich das Schiff in Fahrt befand. Die hinteren Aufholerketten wurden durch
das Schraubenloch gekreuzt und je eine derselben durch den am Heck befind-
lichen Schäkel geführt, der zum Abnehmen der Schranbenflügel dient.
Am 11. Mai war man mit dieser schweren Arbeit fertig. Man erhoffte
von dieser Matratze die Entlastung des Tunnels beim Stampfen des Schiffes. Da
aber während der Ueberführung der „München“ nach Hongkong auf der 1600 Sm
langen Strecke mit allen Gefahren der Schiffahrt gerechnet werden mufste, so
glaubte man, sich mit den bisher getroffenen Sicherheitsmafsregeln noch nicht
begnügen zu dürfen, sondern hielt es für nöthig, das so schwer verletzte Hinter-
schiff noch mehr zu sichern.
Es zeigten sich nämlich auf dem Schott No. 8, da, wo es auf dem Tunnel
aurch Winkeleisen verbunden ist, sehr starke durch Schiffsspannung hervor-
gerufene Leckungen, die sich bei dem jetzigen Zustande des Schiffes nicht dichten
liefsen. Deshalb wurde 3!/a m vor jenem Schott, wo der gewölbte Tunnel be-
ginnt, aus 3zölligen Planken ein mächtiges Holzschott errichtet, das quer durch
den vierten Laderaum und bis zum Unterdeck geführt wurde (Tafel 41, Fig. IV, H5).
Dieses Holzschott wurde oben und unten gegen 10zöllige Balken und seitlich
gegen 3zöllige, auf die Spanten aufgeschraubte Winkeleisen befestigt. Um
eine möglichst grofse Dichtigkeit des Schottes zu erreichen, wurde es von innen
kalfatert und die letzte Planke von aufsen eingesetzt. Indem man nun den Raum
zwischen dem Holzschott und dem Tunnelschott (No. 8) mit Wasser auffüllte,
wurde sowohl das Schott No. 8 als auch die dort befindliche flache Tunneldecke
vom Wasserdruck entlastet.
Die vom Schott No. 3 gesprengte wasserdichte Thüre wurde wieder neu
verpackt und angeschraubt, und die im Schott No. 7 entfernten Niete wurden
durch verpackte Schrauben ersetzt.
Obgleich der Wellentunnel infolge des starken Lecks im Hinterschiffe
vollständig dem Drucke des äufseren Wassers ausgesetzt war, so konnte man
doch, außer geringen Leckungen, keine grofsen Formveränderungen Wwahr-
nehmen. Aber dennoch erschien es für die lange Seereise nothwendig, den
Wellentunnel in seiner ganzen Länge nach den Seiten und nach oben hin kräftig
abzustützen. Zu beiden Seiten des Tunnels wurden möglichst lange 10zöllige
Balken, in welche die Tunnelspanten eingelassen wurden, auf halber Höhe an-
gebracht, und auf je 2 m Entfernung wurde eine starke Stütze quer nach der
Schiffswand geführt. In ähnlicher Weise wurde auch die Tunneldecke nach dem
Unterdeck hin abgestützt.
Da sich Kokospalmenholz bei diesen Abstützungen nicht verwenden liels,
30 wurden Balken, Planken, Winkeleisen etc. bereitwilligst vom Kommando
8. M. S. „Seeadler“ und von dem Kaiserlichen Bezirksamte überlassen. Dieses
letztere stellte sogar seinen Flaggenmast zur Verfügung, der ebenfalls mit zum
Abstützen benutzt werden muflste.
Um unbedingt sicher zu gehen, falls der Wellentunnel oder die hintere
Aufsenhaut immerhin noch brechen sollte, wurde das hölzerne Unterdeck im
vierten Raume gegen das eiserne Hauptdeck abgestützt. Zwischen die Decks-
stützen und zwischen diese und die Schiffswände wurden querschiffs 3zöllige
Planken gelegt und darauf, je nach der Breite des Schiffes, 4 bis 6 Stützen nach
dem Hauptdeck hin errichtet. Auf diese Weise wurden 48 Stützen angebracht.
Die Unterdeckeluken in den Laderäumen I1I und IV wurden übergelegt, gut
kalfatert und später auf See abgestützt. Es sei gleich hier die Fig. VII (Tafel 41)
erläutert, die die Art der Abstützung veranschaulichen soll.
Zwei Balken B wurden längsschiffs neben dem Scheerstock auf die über-
gelegten Unterdecksluken gelegt und senkrecht darüber in derselben Richtung
zwei ebensolche Balken unter den Lukensüll des Hauptdecks. Diese Balken
wurden gegeneinander abgestützt durch 6 Balken (*), die ihrerseits wieder oben
and unten abgekeilt wurden. Senkrecht unter den beiden Balken wurden an der
Unterkante der Unterdecksluke Planken gelegt, die durch “/szöllige Bolzen mit
langen Spanneisen (@) mit den Balken B verbunden wurden. Nahe bei den vier
Kanten des Lukensülls legte man Planken (P) auf die Luken und verbolzte sie