Bergung des in Yap gestrandeten Norddeutschen Lioyddampfers „München“, 569
Das Pulsometer wurde aus dem Maschinenraume genommen und im zweiten
Laderaum einen Meter oberhalb der Bauchdielen aufgestellt. Die hierzu nöthigen
Rohrleitungen wurden angefertigt; der Dampfanschlufs erfolgte nach der Vor-
schiffsleitung. Der Ausgufs führte im Unterdeck aus einem Seitenfenster. ;
Die Frischwasserpumpe aus dem ersten Laderaume wurde als Speisepumpe
für den Evaporator angebracht und dazu passende Rohrleitungen wurden hergestellt.
Die im Maschinenraume befindliche Duplexpumpe blieb daselbst, um als
Cirkulationspumpe für den Hülfskondensator und als Reservelenzpumpe verwandt
zu werden, .
Die an Deck befindlichen Leitungen nach dem Vorder- und nach dem
Hinterschiffe wurden mit der Hülfsdampfleitung im Kesselraume verbunden, und
damit war nun die „München“ am 10. Mai im Stande, mit eigenen Kesseln ge-
nügenden Dampf zu liefern.
Nachdem die Pumpen. in den verschiedenen Räumen nacheinander in
Betrieb gestellt waren, konnte man den Wasserstand in den Bilgen auf 30 bis
50 cm herunterbringen.
„München“ hatte damit einen Tiefgang von: . vorne 18’ 6”, hinten 21‘ 3“.
Von „Natuna“ brauchte jetzt „München“ keinen Dampf mehr zu ent-
nehmen und löste deshalb die Rohrverbindungen mit „Natuna“, die dann in der
Nähe ankerte und Ordre bekam, nachmittags seeklar zu sein, um zur Verfügung
des Kaiserlichen Bezirksamtmanns zu stehen. Es sollte auf der etwa 110 Sm
von Yap entfernten Hauptinsel Mogmog des noch ziemlich unbekannten Uluthi-
Atolls die deutsche Flagge geheifst werden. Zugleich sollten von dort möglichst
viele Schweine und Geflügel mitgebracht werden, da durch die Anwesenheit dreier
Dampfer in Yap die Vorräthe sehr bedenklich auf die Neige gegangen waren.
Nun begann man mit. der Reinigung der zugänglichen Bilgen, um ein
Verstopfen der verschiedenen Saugerohre zu verhüten und um eine Untersuchung
des Schiffsbodens zu ermöglichen. Bei der Untersuchung des Schiffsbodens von
innen zeigte sich Folgendes:
Im Maschinenraum an B. B., sowie im hinteren Querbunker fand man in
beträchtlichen Ausdehnungen starke Verbeulungen in den Platten, ferner war
das Schott zwischen dem Kesselraume und dem vorderen Bunker (Schott No. 4)
sehr stark verbeult und beschädigt, wodurch es die Bigenschaft eines wasser-
dichten Schottes vollständig eingebüfst hatte. Auch Spanten und Stringer im
Kesselraume waren schwer beschädigt.
. Eine weitere Besichtigung der Schiffshaut war. nicht möglich, weil die
Bunker mit 800 Tonnen Kohlen gefüllt waren, die nicht gelöscht werden konnten.
Nachdem man die beiden Doppelender-Kessel untersucht und aufser kleinen
Beschädigungen der Armatur in gutem Zustande befunden hatte, wurden sie ge-
reinigt und zum Betriebe hergerichtet. .
Die Rohrleitungen aller an Bord befindlichen Kessel wurden durch Ventil-
abschlüsse miteinander verbunden, um jeden Kessel für irgend einen gewünschten
Zweck benutzen zu können.
Das Handruder war vollkommen gebrochen, und daher mufste das schwer
beschädigte Ruder durch Taljen übergelegt werden, was natürlich nur langsam
von statten gehen konnte, weil die Taljen mit der Hand geholt wurden. Für
die Rudermaschine wurde eine neue Dampfleitung gelegt, die Maschine dann
probirt und in gutem Zustande befunden, Da der gebrochene Rudersteven durch
ein bis zu 30° übergelegtes Ruder zu stark beansprucht worden wäre, so wurde
die Arretirvorrichtung der Rudermaschine auf 22° begrenzt. Nachdem die Ketten
am Ruderquadranten eingeschäkelt waren, wurde das Ruder mit Dampf probirt.
Die Probe fiel zur Zufriedenheit aus,
Die an Land fertig gestellte Leckmatratze wurde am 9. Mai durch mehrere
in Dwarslinie liegende Boote längsseits der „München“ gebracht und an der
B. B.-Seite hinten an den Aufholerketten befestigt. Mit großer Mühe wurde nun
diese Matratze unter das Schiff gebracht, indem die Taucher die St-B.-Aufholer-
ketten unter dem Schiffe hindurch nach der St-B.-Seite brachten. Hierauf wurden
nach Anweisung der Taucher die Ketten so geholt, dafs die Mitte des Matratzen-
körpers unter den Kiel kam, und als sie genau unter den grofsen Leck dirigirt
mM