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Full text : Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 29 (1901)

BAR

Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1901.

gestützt, prefsten das Tunnelschott in seine alte Lage zurück, so dafs jetzt die
Schotithüre abgedichtet werden konnte. Diese Arbeit war am 6. Mai beendet.
Inzwischen wurde an Land mit der Herstellung einer grofsen Leckmatratze,
oder besser gesagt, eines Segeltuchkofferdamms begonnen, womit man das 25 Ful
lange und 4 Fufßs breite Loch unter dem Wellentunnel derart zu bedecken beabsichtigte,
 dafs bei stampfendem Schiffe die Tunneldecke entlastet wurde. Bei
der Dringlichkeit der Arbeit, von deren schneller Ausführung die Sicherheit der
„München“ abhing, wurde das Kommando S. M. S. „Seeadler“ gebeten, geeignete
Arbeitskräfte, ein Marssegel und verschiedene Materialien überlassen zu wollen,
In energischer Weise wurde dann auch vom „Seeadler“ Hülfe geleistet.
Die Leckmatratze wurde nach Angabe und unter Aufsicht des Inspektois
Meifsel folgendermafsen hergestellt (Fig. VI, Tafel 41): Zwei spitze Sturmsegel des
Dampfers „Wongkoi“ wurden mit den Stagleichen zusammengeliekt (......) und
mit °/4zölligen Ketten eingefaßst (— — —), die mit Drahtbändseln und Schäkeln
an den Segeln befestigt wurden. An der Unterkante der Segel wurden Querkeiten
 und an der Oberkante Längsketten derart mit Bändseln befestigt, dafs
auf jeden Fufs Kette ein Bändsel kam. KRofshaarmatratzen aus den Beständen
der „München“, „Natuna“, „Wongkoi“ wurden in Mittellinie der Segelfläche aufgenäht,
 so dafs 18 hintereinanderliegende Matratzen querschiffs kamen und auf
beiden Seiten dieser Reihe je 7 Matratzen längsschiffs. Dies ergiebt, da die
einzelne Matratze etwa 1,70 m lang und 0,65 m breit, einen Matratzenkörper von
nahezu 12 m Länge uud 3m Breite. Auf der Matratzenreihe befestigte man
zuerst 12 Flacheisen und Schalklatten und dann kamen Bambusstangen auf die
Mitte und an die beiden Kanten. All dies wurde gehörig untereinander verhunden
und mit den Matratzen vernäht. Nun bedeckte man den Bambus mit Seegrasmatratzen
 und Strohsäcken, und das Ganze wurde mit einem passenden alten
Marssegel des „Seeadlers“ überdeckt, verliekt und vernäht. Mittelst zwei Fuls
langer Nadeln wurden die Schrägsegel, die Matratzen und das Marssegel zusammen
 durchgenäht, wodurch das Ganze zu einem sehr festen Polsterkissen
wurde. Diese Leckmatratze war 12 m lang und mit den Segeln an beiden Seiten
9m breit; sie hatte ein Gewicht von 2*/@ bis 3 Tonnen.
An die Hinterkante dieser Matratze wurde noch ein Stagsegel des Dampfers
„Wongkoi“ genäht, das in ähnlicher Weise mit Matratzen ausgefüttert wurde.
Diese Leckmatratze sollte später hinter dem von seinen Verbindungsplatten gelösten
 Hintersteven aufgeholt und mit ihm zusammengelascht werden.

Nachdem das Tunnelschott und die Thüre abgedichtet und das Schiff am
7. Mai so weit gelenzt war, dafs das jetzt noch vorhandene Leckwasser nicht
mehr mit den Centrifugalpumpen gelenzt werden konnte, bestand die nächste
Aufgabe darin, die eigenen Schiffspumpen in Stand zu bringen und die eigene
Kesselanlage in Betrieb zu setzen,
Aus diesem Grunde wurde die 3zöllige, doppelt wirkende Druckpumpe
im Raume IV im Unterdeck auf St-B. aufgestellt. Das Ausgufsrohr wurde im
Hauptdeck durch ein Seitenfenster geleitet. Die Dampfzuführung erfolgte von
der Hinterschiffsleitung aus,
Gleichzeitig wurde der Einender Hauptkessel von innen und aufsen unterzucht
 und für betriebsfähig befunden. Die Feuerungsanlage wurde gereinigt, der
abgerissene Rauchfang und die abgerissenen Rauchfangklappen wurden abgestützt
und mit Lehm gedichtet. Nun füllte man diesen Kessel auf und zündete die
Feuer an. Die Hülfsdampfleitung wurde untersucht und da sie in gutem Zustande
befunden wurde, so lief man langsam Dampf in diese Leitung strömen, wobei
sich keine schadhaften Stellen zeigten.
Die Hülfsdampfpumpen im Maschinen- und im Kesselraume, sowie die
Weirspumpen wurden nach der Revision in Betrieb gesetzt, desgleichen der
Lenzejektor im Heizraume,
Es wurde beschlossen, die vorhandenen Dampfpumpen auf alle Räume zu
vertheilen, um jeden Raum selbständig und unabhängig von anderen Räumen
lenzen zu können.
Die Aschejektorpumpe, die nur aus See saugt, wurde mit einem Saugerohr
aus der Maschine versehen, um hier zum Leuzen zu dienen.
            
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