accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 29 (1901)

Bergung des in Yap gestrandeten Norddeutschen Lioyddampfers „München“. 
565 
-.. ..Am.-2. Mai 4° vormittags...wurde . mit. dem. Auspumpen begonnen. Die 
Pumpen. arbeiteten vorzüglich. Der erste und zweite Raum wurden bis auf 5 Fuß 
gelenzt. Weil jedoch das. Wasser aus dem Bunker und aus dem Kesselraum 
nicht rasch genug in den zweiten Raum nachfliefsen konnte, so erwies es sich 
als unbedingt nothwendig, dafs die wasserdichte Thüre No. 3 zwischen dem 
Bunker und dem zweiten Laderaume geöffnet wurde. i 
Das wasserdichte Schott nebst Thüre No. 3 war von dem Wasserdruck 
etwa 40cm nach vorn durchgebogen. Bei einem Wasserstande von etwa 5 Fuß 
über den Bauchdielen im Raum II wurden die Schrauben des T’hürrahmens zum 
Theil abgehauen und so‘ allmählich der Thürrahmen etwa 40 cm vom Schott 
abgedrückt. - Ein längeres Arbeiten war an diesem Orte wegen: des stark durch- 
Aielsenden Wassers unmöglich. Durch das Abdrücken hatte die Thüre mehr 
Bewegungsfreiheit erhalten und liefs sich nun vom Oberdeck aus öffnen. Da 
nach Oeffnung dieser Thüre das Wasser sowohl im Bunker, als auch im Kessel- 
und Maschinenraume gleichmäfsig schnell fiel und da alle anderen Thüren ge- 
schlossen waren, so war anzunehmen, dafs das Schott zwischen Bunker und Heiz- 
raum sehr stark beschädigt sein mufste. 
Um noch mehr Wasser in den vierten Raum gelangen zu lassen, wo der 
Wasserstand niedriger als im dritten Raume war, ‘und um eine bessere Verbin- 
dung mit jenem Raume herzustellen, wurden im Schott 7 etwa 2 Fuß oberhalb 
der Bauchdielen 20 Niete herausgehauen und die Platten abgetrieben. 
Das Wasser nahm nun in allen Räumen gleichmäfßsig ab, Infolge der 
Dünung begann das Schiff zu rollen und zu stofsen. Der Schmutz in den Lade- 
räumen sowie mitgerissene Kohlen wurden den Saugern der Pumpen zugetrieben, 
so dafs diese öfter durch Taucher geklart werden mufsten. 
Nachdem die Pumpen etwa 50000 Tonnen bewältigt hatten, waren am 
3. Mai morgens die beiden vorderen Räume bis auf.4 Fufs, Bunker, Kessel- und 
Maschinenraum bis auf 6 Fuß und die beiden hinteren Räume bis auf 5 Fufs 
yelenzt. Hierbei hatte das Schiff etwa 12° bis 14° Schlagseite nach St. B. Jetzt 
wurde das Arbeiten mit den Pumpen etwas reducirt und der Dampf im Hülfs- 
kessel auf seine höchste Spannung gebracht, um Anker- und Gangspill möglichst 
leistungsfähig zu machen. 
Um 51a morgens dampfte die „Natuna“ aus dem Hafen zur Stran- 
dungsstelle. Die quer über das Fahrwasser gespannte Ankerkette wurde gefiert 
and „Natuna“ lief dicht vor dem Buge der „München“ vorüber, um von deren 
St-B.-Bug her die Schlepptrosse überzunehmen. „Natuna“ ging‘ allmählich auf 
„volle Kraft“ und gleichzeitig hievte „München“ die Kette ein. Unter ' fort- 
währendem Anschleppen und Abhieven‘ bewegte sich nach einigen Minuten die 
„München“ und war um 6'/e% los. Jetzt wurde sofort gestoppt, das Stahltau 
am Grofsmast und damit auch der B-B.-Heckanker wurde geschlippt, ferner die 
an St-B. nach hinten ausgebrachten Anker -mit ihren Stahltauen und schliefslich 
der Buganker mit 120 Faden Kette. ; 
Der Tiefgang des‘ Schiffes war nach: dem Flottkommen: vorne 22' 6", 
hinten 25'0% * ; 
„Natuna“ schleppte nun seewärts (Tafel40, Fig. TI, 5), drehte nach St-B. herum, 
wartete draufsen auf niedriges Wasser, um bei etwaigem Wiederfestkommen der 
„München“ eine günstigere Aussicht für das Abbringen zu haben und schleppte 
dann: um. 9Ya*- der - Hafeneinfahrt zu (C, 6)... Während .des Schleppens. wurde 
mit Taljen gesteuert; des gebrochenen Ruderstevens wegen konnte-.jeduch das 
Ruder nur langsäm. bis zu 15° übergelegt werden. .Hand- und Dampfruder waren 
nicht. gebrauchsfähig.- - Ä 
Beim Einlaufen. mufste. sehr dicht an der Duero-Bank entlang gehalten 
werden, um. zu verhüten, dafß die „München“ durch die Dünung und..den Strom 
wieder auf dieselbe Strandungsstelle hin versetzt würde. Trotzdem „Natuna“ 
auf nur 2 Faden. Abstand am Ostriff entlang schleppte, konnte sich „München“ 
nicht vom Westriff freihalten, sondern gerieth mit dem Bug darauf. fest (D); sie 
war für die.nur. 165 m breite Einfahrt zu lang (119 m) und für die scharfe Kurs- 
änderung von 4 Strich zu wenig steuerfähig.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.