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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 29 (1901)

Bergung des in Yap gestrandeten Norddeutschen Lloyddampfers „München“. 563 
Tags vorher war die „Natuna“ in Yap angekommen und zunächst in der 
Nähe des „Wongkoi“ zu Anker gegangen, legte dann am folgenden Morgen längs- 
seits des „Wongkoi“, um von ibm 100 Tonnen Bunkerkohlen und 23 Tonnen 
Wasser überzunehmen. Dann wurden Schlepptrossen klar gemacht, der Schlepp- 
bogen aufgesetzt und der Grofsmast auf dem Oberdeck und im Raume gut mit 
Balken abgestützt. 
Am 28. April 4" vormittags wurde mit dem Lenzen der „München“ 
begonnen. Die Pumpen arbeiteten zufriedenstellend und konnten bis gegen 3% 
nachmittags die vier Laderäume bis auf etwa 6 Fufs lenzen. Im Bunker-, Kessel- 
und Maschinenraum hielt sich jedoch der Wasserstand beständig auf 14 Fuß. 
Daraus schlofs man, dafs sich das Hauptleck in einem dieser drei Räume befinden 
mufste und daß bei diesem Wasserstande die Menge des eintretenden Leck- 
wassers dieselbe war wie die, welche die Schleusen durchliefsen. Da die Pumpen 
annähernd lenz schlugen, so konnte nicht mehr Wasser aus dem Schiffe heraus- 
gepumpt werden. 
Gegen 11’%" ging „Natuna“ auf Signal aus dem Hafen heraus und ver- 
suchte von See aus an die „München“ heranzukommen. Dann stellte ein Boot 
die Verbindung zwischen den beiden Schiffen her, und „München“ holte mit einer 
Jagerleine die auf „Natuna“ befindliche Schlepptrosse an Bord. Während des Fest- 
machens kam „Natuna“ infolge des kleinen Raumes zwischen „München“ und einem 
davon etwa 160m recht vorausliegenden Felsen mit nur 10 Ful(s Wasser breitseits 
gegen Wind und Dünung und trieb auf das westliche Riff zu (Tafel 40, Fig. I, 
1 und 2). Da es „Natuna“ nicht gelang, gegen Wind und See aufzudrehen, so 
mufste „München“ die Schlepptrosse schlippen, welche „Natuna“ einholte. Dann 
dampfte diese in den Hafen, drehte dort herum, kam wieder heraus und gab gegen 
2b die Schlepptrosse nach dem St. B.-Bug der „München“. 
„Natuna“ dampfte nun mit aller Kraft etwa 2 Strich nach St-B. aus (8), 
während gleichzeitig „München“ das an schwerem Anker befestigte Stahltau ein- 
zuwinden versuchte, Nach etwa einer halben Stunde trieb „Natuna“ in gefahr- 
volle Nähe des vorhin erwähnten Felsens (4) und mufste, um klar zu kommen, 
eiligst die Trosse kappen. Hierauf brach auch sofort das am ausgelegten Anker 
der „München“ befestigte Stahltau. „Natuna“ drehte seewärts und lief danu 
wieder in den Hafen ein, 
Nach Aussage der Taucher sollte sich „München“ etwa 3 Fufs voraus und 
1 Fufs nach St-B. bewegt haben. 
Das Hochwasser blieb an diesem Tage unter Erwarten niedrig, und es 
wurde deshalb beschlossen, weitere Schleppversuche vorerst aufzugeben und damit 
bis zur Vollmond-Springfluth am 3. Mai zu warten, bis dahin aber weitere Vor- 
arbeiten seemännischer und maschineller Art zu machen. 
Da sämmtliche Stahltaue nicht gehalten hatten, so mußte alles Mögliche 
aufgeboten werden, um einen Buganker sammt Kette nach der an der Ostseite 
der Einfahrt liegenden Duero-Bank hinüberzubringen. 
Ein mit dem B-B.-Buganker der „München“ verbundenes grofses, aus 
Balken und Korkjacken konstruirtes Flofs hielt als Schwimmer die erste Ketten- 
länge von 15 Faden über Wasser. Der Buganker wurde am 30, April durch 
zwei Schiffsboote auf der Duero - Bank ausgelegt und zwar 1 Strich an St-B. in 
einer Entfernung von etwa 100 Faden vom Vorsteven. 
Bei einer Entfernung von 100 Faden und bei einer Wassertiefe von stellen- 
weise über 20 Faden konnte die Kette nur durch Hinüberbojen ausgebracht 
werden, zudem wäre es auch unmöglich gewesen, ein Stahltau über den Korallen- 
grund hinweg zu ziehen. 
Durch Versuche wurde festgestellt, dafs ein aus 35 bis 40 Bambusstangen 
zusammengelaschtes Bündel das Gleiche seiner Länge an Ankerketite tragen 
konnte. Man liefßs daher durch das Bezirksamt von den eingeborenen Häupt- 
lingen eine grofse Menge Bambusstangen herbeischaffen, die am 1. Mai längs- 
seits gebracht wurden. 
Von der Bugankerkette wurden allmählich 105 Faden in passenden Längen 
aus der Klüse gefiert und in demselben Mafßse unter dem Bambus fest gelascht. 
Am anderen Abend wurde dann mit Hülfe von Booten und Leinen die Kette quer
	        
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