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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 29 (1901)

Bergung des in Yap gestrandeten Norddeutschen Lloyddampfers „München“. 
Gleichzeitig wurden die von Hongkong mitgebrachten Pumpen folgender- 
maßen aufgestellt (s. Fig. 1V, Tafel 41, P1, P2...): 
; Pumpe 1, eine 10zöllige Centrifugalpumpe. Der Kessel auf dem B-B.-Ober- 
deck und die Pumpe auf dem B-B.-Hauptdeck bei der Luke IL Da das Schiff 
10° St-B.-Schlagseite hatte und sich im Hauptdeck auf.B-B. etwa 2 Fuß Wasser 
befanden, so wurde. die Pumpe auf einer 10zölligen Balkenunterlage montirt, 
um den Dampfeylinder vom Wasser frei zu halten. Nachdem die Pumpe gehörig 
abgestützt und befestigt war, wurde die ganze Rohrleitung gelegt. Das Sauge- 
rohr hatte eine Länge von 7,6 m; das Druckrohr führte durch einen Ventilator 
an Oberdeck über Bord. 
Pumpe 2, eine 4zöllige Centrifugalpumpe. Der Kessel mit Antriebs- 
maschine wurde auf dem Oberdeck bei der Luke 1V aufgestellt, die Pumpe im Haupt- 
deck auf St-B.; das Ganze verbunden durch einen Treibriemen, Das Saugerohr 
hatte eine Länge von 6 m; das Ausgulsrohr ging im Hauptdeck auf St-B. durch 
ein Seitenfenster über Bord, indem es mittelst Holzflanschen gegen die eindrin- 
gende See gedichtet war. 
Pumpe3, einezweicylindrige, doppelt wirkende Druckpumpe mit einem özölligen 
Saugerohr. Kessel und Pumpe wurden auf dem Oberdeck bei Luke 1JI aufgestellt. 
Eine tiefere Aufstellung der Pumpe konnte nicht vorgenommen werden, da einer- 
seits die Luke im Hauptdeck nicht fest genug erschien und andererseits ver- 
faulende Proviantüberreste einen pestilenzartigen Gestank verbreiteten. Das 
Saugerohr hatte eine Länge von 9,5 m; der Ausgufßs führte an. St. B. auf dem 
Oberdeck über Bord. ; 
. Eine 3zöllige Centrifugalpumpe mit Kessel, verbunden durch. Treibriemen 
wurde nicht aufgestellt, da sie sich als gebrauchsunfähig erwies. ; 
Vom 19. bis 21. März dichteten die Taucher die Unterwasserbeschädigungen 
im Vorderschiff, sowie alle nach See führenden Oeffnungen, wie Seeventile, Aus- 
güsse und dergl. Ferner wurden sechzehn beim Bergen der Ladung zertrümmerte 
Seitenfenster durch Steg- und Zugschrauben von außen gedichtet, Diese Fenster 
waren seinerzeit von aufsen deshalb durchstofsen, um das durch die Lecke ein- 
gedrungene Wasser, dem der durchnäfste und verwesende Trepang einen pestilenz- 
artigen Geruch verlieh, cirkuliren zu lassen und zu entfernen. : 
Am 24. März morgens traten die bei Luke 1I, III und IV aufgestellten Pumpen 
in Thätigkeit. Alle vorhandenen Schleusen wurden geöffnet, damit die einzelnen 
Räume miteinander kommunieiren konnten. Das Wasser nahm in befriedigender 
Weise ab bis auf 8 Fufs in den Laderäumen I, II, ILI, dagegen blieb es im 
Bunker, Kesselraum, Maschinenraum, sowie Laderaum IV auf etwa 16 Fuls stehen. 
Durch ausgebrachte Bug- und Heckanker versuchte man am 27. März 
das Schiff in tieferes Wasser zu bringen. Dieser Versuch mulste jedoch wieder 
aufgegeben werden, weil die Kessel der drei Pumpen mit den an Bord vor- 
handenen Kohlen nicht genug Dampf liefern konnten und dadurch zeitweise 
Betriebsstörungen stattfanden. Um eine günstigere Wirkung der Pumpen zu er- 
zielen, wurden die Dampfleitungen der Pumpen 1 und 3 direkt mit dem Hülßs- 
kessel verbunden. 
Am 30. März nachmittags wurde wiederum ein Versuch zum Abbringen 
des Schiffes gemacht, wobei der Regierungsdampfer „Stephan“ behülflich war. 
Es gelang nicht, das Schiff los zu bekommen, weil das Saugerohr der Pumpe 1 
bei einer Verschraubung undicht wurde; bis dann der Schaden ausgebessert 
werden konnte, war das Wasser bereits gefallen, Als an diesem Tage versuchs- 
weise das Tunnelschott aufgedreht wurde, nahm das Wasser im Maschinenraum 
sehr rasch zu, weshalb dieses Schott schleunigst wieder geschlossen wurde. Da- 
nach mußte wohl die Sternbüchse beschädigt sein, oder es mufste durch den Leck 
an B-B.-Hinterschiff Wasser in den Wellentunnel treten. Bis zu jenem Tage 
konnte das Leck an B-B. hinten noch nicht gedichtet werden, da es den Tau- 
chern der fortwährenden Dünung wegen nicht möglich war, dort zu arbeiten, 
Am 3, April morgens versuchte der Dampfer „Wongkoi“, nachdem das 
Wasser in den Unterräumen bis auf 4 Fuls ausgepumpt war, die „München“ ab- 
zuschleppen. Dampfer „Stephan“ lag ebenfalls zur Hülfeleistung bereit. Bei 
diesem Versuche wäre aber „Wongkoi“ selbst in Gefahr gekommen, und es em- 
pfahl sich daher nicht, diesen Versuch noch einmal zu wiederholen. 
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