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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 29 (1901)

7.5 
Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1901, 
Wenn es auch anfangs, wohl infolge ungünstiger Berichte einzelner ein- 
geborener Taucher, für ganz aussichtslos gehalten wurde, den Dampfer wieder 
abzubringen, so änderte man doch später seine Ansicht dahin, dafs das Abbringen 
immerhin sehr schwer, jedoch nicht unmöglich wäre, sofern es gelänge, einige 
Abtheilungen zu dichten und nach Entlöschung des Schiffes das Wasser durch 
Centrifugalpumpen zu lenzen. Jedenfalls aber müfßste ein Versuch gemacht 
werden. Dem Inspektor Meifsel wurde die Leitung der Bergung und aller 
weiteren sich daran knüpfenden Arbeiten übertragen. 
Die „Hongkong und Wampoa Dock Compagnie“ stellte leihweise vier 
Pumpen mit den zugehörigen Kesseln zur Verfügung; damit hoffte man 1400 Tonnen 
Wasser in der Stunde lenzen zu können. Sämmtliche für die in Aussicht stehenden 
Arbeiten nöthige Materialien und Hülfsmittel wurden zusammengebracht, wie z, B. 
eiserne Platten, Gummiplatten, Segeltuch, Schraubbolzen u. s. w., und auf dem 
Dampfer „Wongkoi“, Kapt. Muhle, verladen, Ferner wurden von Hongkong 
zwei Taucher mitgenommen und Se, Excellenz Herr Admiral Bendemann um 
Zusendung mehrerer Taucher gebeten. S. M. S. „Hertha“ und „Hansa“ stellten je 
einen Taucher sammt den nöthigen Apparaten und dem weiteren Zubehör zur Ver- 
fügung. Zugleich wurde auch um Entsendung S. M. S. „Seeadler“ gebeten, von 
welchem Schiffe man die nöthigen europäischen Arbeitskräfte und Boote zu er- 
halten hoffte. 
Der wohl ausgerüstete Dampfer „Wongkoi“ ging am 28. Februar von 
Hongkong in See und traf nach einer stürmischen Ueberfahrt am 9. März in 
ap ein. 
Am nächsten Tage wurden die Taucherausrüstungen an Bord der „München“ 
geschafft und die B-B.-Seite untersucht. Die Plattengänge der Maschinenraum- 
Bilge hatten sich 6 bis 8 Fuls begeben und standen 3 Zoll auseinander. Dies 
Loch, das allein schon genügte, um das Schiff zum Sinken zu bringen, wurde in 
den nächsten Tagen durch Taucher mit Holzkeilen gedichtet und diese gesichert. 
Verschiedene gesprungene Niete wurden durch Holzpfropfen zugestopft. Die 
Ainterpiek war durchlöchert, das Schott scheinbar dicht; die Vorpiek war noch 
immer trocken. Des Seegangs wegen konnte Abtheilung 1, sowie die St-B.-Seite 
noch nicht untersucht werden, doch schien das Schiff hauptsächlich hinten und 
anter der Maschine gestofsen zu haben. 
Die Lage der „München“ schien sich in den letzten 4 Wochen wenig ge- 
ändert zu haben. Die Lothungen ergaben bei dem ins Fahrwasser hineinragenden 
Vorsteven 14 Faden, zu beiden Seiten der Back etwa 9 Faden, am Hintersteven 
18 Fuß, an B-B.-Seite entlang 18 bis 28 Fufs, an St-B. 24 bis 32 Fuß, Diese 
Lothungen, die für Hochwasser gelten, sind in Fig. IV, "Tafel 41, angeschrieben 
und auch zu Grunde gelegt für die Fig. III, Tafel 41. Danach hatte sich das 
Schiff an B-B. unter der Brücke und hinten an eine schräg auflaufende Korallen- 
bank angelegt, die glücklicherweise gut mit Sand bedeckt war. 
Sehr gute Dienste leistete der Regierungsdampfer „Stephan“, den der 
Kaiserliche Gouverneur, Herr v. Bennigsen, bereitwilligst zur Verfügung stellte. 
Da die Rückkehr dieses Dampfers nach Herbertshöhe nothwendig war, so wollte 
der Gouverneur S. M. S. „Cormoran“ nach Yap schicken. 
Auf der „München“ wurden unterdefs Bergungsarbeiten vorgenommen und 
auch alle erreichbaren Rohre geborgen. Die erste Aufgabe war, neue Rohr- 
leitungen nach dem Vorderschiff und Hinterschiff zu legen und unter allen Um- 
ständen den bis am Rost unter Wasser stehenden oberen Hülfskessel zum 
Betriebe herzurichten, weil Anker- und Gangspill unbedingt gebraucht werden 
mufsten. 
Die geborgenen Rohre wurden daher wieder an Bord geschafft und vom 
oberen Hülfskessel so gut wie möglich Rohrleitungen nach vorne und hinten ge- 
Jegt. Die Untersuchung des Hülfskussels ergab, dafs die durch das schwere Auf- 
sitzen mittschiffs hervorgerufene Spannung des Schiffskörpers den Schornstein 
etwa 30 cm hochgedrückt hatte, wodurch die Rauchkammer vom Kessel ab- 
gerissen wurde. Dieselbe wurde zurückgeschraubt und gestützt, mit einem Blech- 
kasten umgeben und mit Steinen und Lehm abgedichtet. Der Kessel wurde mit 
Frischwasser gefüllt und die Feuer bei Niedrigwasser angezündet. Dann wurden 
Anker und Gangspill probirt.
	        
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