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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 29 (1901)

Bergung des in Yap gestrandeten Norddentschen Lloyddampfers „München“, 559 
jene Bank dem Ausguck nicht bemerkbar, und da sich nach längerem Regen- 
wetter das Wasser in der Einfahrt leicht trübt, so ist selbst bei günstiger Be- 
leuchtung der Grund nicht zu erkennen?) 
Im Interesse der Schiffahrt ist zu hoffen, dafs bald eine genaue Karte 
von Yap herausgegeben wird und dafs das Fahrwasser durch Einsegelungstonnen, 
Richtbaken u, s. w. genau bezeichnet werde?); denn selbst die beiden einheimischen 
Lootsen scheinen jene Untiefe nicht gekannt zu haben, die für die kleineren 
Schiffe, mit denen sie bis dahin darüber gefahren sind, allerdings Wasser genug 
gehabt haben mag.‘) 
Am 4. Februar drehte der Wind nach SW und eine hohe NO-Dünung be- 
gann’ aufzulaufen, so dafs das Schiff fortwährend heftig stieß. Infolgedessen und 
auch weil das Schiff zeitweise von St-B. her von der See überspült wurde, war 
es nicht möglich, Ladung zu bergen. In den verschiedenen Räumen fand man 
folgende Wasserstände (8. Tafel 41, Fig. III, Wasserstandslinie CD): 
Laderaum I. . . 2 Fufs im Hauptdeck, 
Laderaum II . . voll bis zum Hauptdeck, 
Kesselraum . . . . voll bis zum Hauptdeck, 
Maschinenraum . . . voll bis zum Hauptdeck, 
Laderaum III. . . 5 Fufs im Unterdeck, 
Laderaum IV . . . . voll bis zum Unterdeck. 
Da der Aufenthalt so vieler Leute, 105 Mann, an Bord nicht für sicher 
schien, so wurde iın Schiffsrath beschlossen, die Mannschaft am Lande einzuquar- 
tieren mit Ausnahme einer an Bord verbleibenden Wache. Der Kaiserliche 
Bezirksamtmann, Herr Senfft, unterstützte die „München“ auf das Zuvor- 
kommendste bei der Unterbringung von Passagieren und Mannschaft. 
Nachdem am 6. Februar das Wetter wieder besser geworden war, fand 
man, dafs der Dampfer von dem schweren Seegang über die äufserste Spitze 
des Riffes geworfen war. 
Zwei vom Bezirkshauptimnann aufgeforderte eingeborene Taucher unter- 
suchten nach einigen Tagen das Schiff. Der hohen Dünung und des Stromes 
wegen, die beide von St-B. einkamen, konnte das Tauchen nur an der B-B.-Seite 
ausgeführt werden. Hierbei wurde das Vorderschiff bis zur Hinterkante der Back 
ohne jede Beschädigung gefunden. Von der Back bis zur Hinterkante des Pro- 
menadendecks safs das Schiff zwischen Korallensteinen, die an mehreren Stellen 
durch die Schiffswand hindurchgingen, so dafs an dieser Stelle der Kiel nicht zu 
sehen war. Hinter dem Promenadendeck lag das Schiff frei, und man konnte auf 
eine lange Strecke unter dem Kiel hindurchsehen. Vor dem Hinterdeck safs es 
auf einem grofsen in das Wasser hineinragenden Stein, über dem der Kiel ver- 
bogen war; ob er gebrochen war, liefs sich nicht sehen. Der Achtersteven, das 
Ruder und ein Schraubenflügel steckten im Sande. 
Die Vorpiek blieb noch immer dicht. In allen übrigen Räumen, mit Aus- 
nahme des Kompartements 8, stand das Wasser bis über das Hauptdeck. Das 
Wasser stieg und fiel, den Gezeiten entsprechend, um 4! bis 5 Fuß (s. Tafel 41, 
Fig. Il, Wasserstandslinie CD). 
Am 15. Februar wurde Herrn Lloydinspektor Meifsel in Hongkong die 
Nachricht überbracht, dafs die „München“ auf Yap gestrandet und total ver- 
loren sel. 
1) Ueber die Ansteuerung geben die „Nachrichten für Seefahrer“ 1901, No. 1866 nach den 
Angaben S. M. S. „Seeadler“ Anweisung. Auch wird nach denselben beabsichtigt, Richtbaken für 
die Einfahrt aufzustellen. D. Red. 
2) Vgl. Bemerkung 2 und 4. D. Red. 
3) Während der Vorbereitung des Druckes dieser Darstellung fand am 8. November 1901 
in Bremerhaven die seeamtliche Verhandlung über die Strandung der „München“ statt, Der Spruch 
des Seeamtes Jautet folgendermafsen: „Die Strandung des deutschen Dampfers »München« auf der 
Insel Yap ist zurückzuführen auf die Ungenauigkeit der vorhandenen Seekarten, das enge Fahrwasser 
und auf eine plötzlich aus NO einsetzende Regenböe, wodurch sowohl das Erkennen der Untiefen 
unmöglich gemacht als auch der Dampfer westwärts abgetrieben wurde, Für den Unfall kann die 
Schiffsleitung nicht verantwortlich gemacht werden. Nach der Strandung ist zweckentsprechend ge- 
handelt worden.“ Der Verfasser.
	        
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