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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 29 (1901)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1901. 
gestellt. Unmittelbar darauf, um 81/4, stiefßs jedoch das Schiff auf und safs auf 
dem vorher erwähnten Korallenriff hauptsächlich mittschiffs fest, dabei NNW1/AW 
anliegend. Sofort wurden alle Schotten geschlossen und die Maschine auf „volle 
Fahrt rückwärts“ gestellt. Da es aber auf diese Weise nicht gelang, wieder frei- 
zukommen, so ließ man mit „voll Dampf vorwärts“ arbeiten, was ebenfalls ohne 
Erfolg blieb. 
Vor dem Festkommen hatte „München“ einen Tiefgang von: vorne 19’ 0” 
und hinten 20’ 9“ (s. Tafel 41, Fig, III, Wasserlinie AB). Beim Festkommen war ab- 
laufendes Wasser. An B-B.-Seite ergaben die Lothungen: vorne auf der Back 4!/2 Faden, 
mittschiffs 3 Faden, hinten 4 Faden, vor dem Vordersteven war tiefes Wasser, 
Das Vorderschiff stießs fortwährend heftig auf und wurde durch die schweren 
Seen von NNW'/AW allmählich bis NOzN herumgeworfen. Da um 8% ein 
weiteres Manövriren mit der Maschine als zwecklos erschien, so liefßs man, um 
nicht weiter auf das Riff zu kommen, St-B.-Anker fallen und brachte einen 
Warpanker voraus nach St-B. aus. 
Um 9 waren im ersten Laderaum 6 Fufs Wasser, um 10'/2* fingen der 
Maschinen- und der Kesselraum an, langsam voll zu laufen und schon um 11!/2* 
mußten diese Räume verlassen werden. Unter heftigem Stofsen des Schiffes 
begannen dann auch die beiden hinteren Ladungsräume voll zu laufen, 
Die Abbringungsversuche mufsten aufgegeben werden, weil das Schiff, 
wenn es auch in tieferes Wasser hätte gebracht werden können, hier doch sofort 
gesunken wäre. 
Mit den eigenen Schiffsbooten und mit Booten, die durch Signal vom 
Lande herangerufen wurden, brachte man die Passagiere und ihr Gepäck, die 
Post und die Kontanten, sowie einen Theil der Mannschaft an Land. Die Passa- 
giere wurden später durch in Yap gecharterte Fahrzeuge ihrem Reiseziele zu- 
geführt; desgleichen kam man allen übernommenen Verpflichtungen so früh und 
so weit nach, als unter den schwierigen Verhältnissen überhaupt nur möglich war. 
Die Strandung ist danach in erster Linie wohl zuzuschreiben dem starken 
südwestlich setzenden Küstenstrome, mit dem der Lootse nicht genügend gerechnet 
hat, und der stürmischen Böe, die gerade zu der Zeit einfiel, als sich das Schiff 
in der nur 160 m breiten, schlauchartigen Einfahrt befand. 
Es bleibt aber auch zu bedauern, dafs die in Yap einlaufenden Post- 
dampfer zur Zeit noch immer auf die ungenaue enylische Seekarte (Hafen von 
Tomil, engl. Admiral.-Karte, No. 145) angewiesen sind, in der sich, wie nach- 
träglich festgestellt wurde, verschiedene Fehler befinden, So erstreckt sich z. B. 
die südwestlich von der Kinfahrt liegende Korallenbank weiter nach OSO, als 
die Karte angiebt, und die hier verzeichneten Tiefen von 6 und 11 Faden sind an 
dieser Stelle nicht vorhanden ?), 
Zur Zeit der spanischen Herrschaft lagen auf den Aufsenbänken Ein- 
zegelungstonnen, die aber noch vor Aufheifsung der deutschen Flagge vertrieben 
waren und seitdem nicht wieder ersetzt wurden *). Jetzt sind dagegen die Riffe 
innerhalb der Einfahrt im Osten durch rothe und im Westen durch schwarze 
Baken bezeichnet®). Ein mit den örtlichen Verhältnissen nicht bekannter Schiffs- 
führer, in dessen englischer Seekarte keine einzige dieser Baken verzeichnet ist, 
mufs natürlich annehmen, dafs die äufsersten Baken auch auf den äufsersten 
Riffen stünden und hält bei der Einfahrt die Mitte zwischen den rothen 
und schwarzen Baken. Damit kommt er aber, wenn sein Schiff tiefer 
ala 5m geht, auf dem westlichen Aufsenriff fest. Hält er, um dem süd- 
westlich setzenden Küstenstrome zu begegnen, nach rechts, so läuft er auch hier 
Gefahr, auf den vor der Duero-Bank unter Wasser liegenden Felsen zu stoßen. 
Da die Korallen und der Sand auf der Westbank dunkel sind, so macht sich 
1 Auch von S. M. S. „Arcona“ gemeldet. Siehe diese Annalen 1899, S. 386. — Vgl. auch 
„Nachrichten für Seefahrer“ 1901, No. 1866. D. Red. 
2) Jetzt sind vor der Einfahrt wieder 2 Tonnen, einkommend an B.B. eine schwarze, an 
St. B, eine rothe Spierentonne mit je einer viereckigen durchbrochenen Tafel als Toppzeichen ans- 
gelegt worden. — Vgl. „Nachrichten für Seefahrer“ 1901, No. 2216. D. Red. 
3) Die genaue Lage der Baken auf den vorspringenden Rändern der Korallenriffe ist in 
den „Nachrichten für Seefahrer“ 1900, No. 2910 angegeben. D. Red.
	        
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