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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 29 (1901)

Zur Küstenkunde Jamaicas, 
und steuere dann magnetisch 0N0%40, bis man rückwärts sehend, die in der 
Karte NNO von Luana-Huk vermerkte Baumgruppe mit Macolm-Huk in einer 
Linie hat. Dann steuere man zwischen den beiden Baken hindurch und ankere 
etwa I bis 2 Kblg. innerhalb dieser Baken in etwa 6,5 bis 7 m (3'/2 bis 4 Faden) 
Wassertiefe. Man sollte aber den Hafen von Black River stets bei Tage 
ansteuern. 
Ankerplatz. Der Ankerplatz ist gut geschützt, da ein Norder hier keinen 
Seegang erzeugt, und selbst bei starkem Südwestwind ist der Seegang nur gering. 
Bei aufkommendem Orkan aber sollte man stets in See gehen, da der Apnker- 
grund weicher Schlamm ist. Man gebe etwa 25 Faden Kette aus. 
Lootsen. Die Lootsen erwarten die Schiffe aufserhalb der Ravient-Riff- 
tonne und sind zuverlässig. Das Lootsengeld wird bezahlt nach „second ports 
rates“; für einkommende Schiffe: 15 sh für die ersten 7 Fuß Tiefgang und für 
jeden Fufßs darüber 2 sh mehr; für ausgehende Schiffe: 12'/2 sh für die ersten 
7 Fufs und für jeden Fnfs darüber 1'/2 sh mehr. 
Arzt und Quarantäne, Der Arzt kommt gewöhnlich nicht an Bord, 
dagegen der Hafenmeister, welcher den Gesundheitspafßs in Empfang nimmt. Ist 
ein Schiff mit unreinem Gesundheitspafs versehen, oder sind Aansteckende 
Krankheiten an Bord vorgekommen, £o kommt der Arzt an Bord zur Unter- 
suchung und berichtet an. das Quarantäneamt nach Kingston, von wo das Weitere 
bestimmt wird. Der Platz für die mit Quarantäne belegten Schiffe ist bei der 
Macolm-Huk. 
Krankheiten. Gelegentlich Malariafieber, jedoch selten bösartigen 
Charakters, Gelbes Fieber kommt nicht vor. 
Zollamtliche Behandlung, An Papieren müssen die Schiffe bringen: 
Gesundheitspafs, Konsulatsmanifest, zwei Storelisten, zwei Mannschaftslisten, und 
wenn Passagiere an Bord sind, zwei Passagierlisten. 
Hafenabgaben sind nur gering und sind für jede Reise zu zahlen, für 
D. S. „Hungaria“ etwa 25 sh. Leuchtfeuerabgaben werden für die ganze Insel 
vierteljährlich entrichtet, und zwar 1 penny die britische Registertonne, 
Konsulate. Konsularisch sind die Vereinigten Staaten von Nord-Amerika 
und Norwegen vertreten. Der deutsche Konsul ist in Kingston. 
Wasser, Wasser mufßs in eigenen Booten aus dem Flufs oder in Fässern 
aus der Wasserleitung von Land geholt werden. Beides soll gut sein. 
Proviant. Proviant in grofsen Quantitäten ist nicht vorräthig, jedoch 
kann Vieh (Rinder und Schafe) lebend zu billigem Preise gekauft werden, 
ebenfalls Geflügel; Gemüse ist nur in ganz kleinen Mengen zu haben, dagegen 
Früchte jeder Art. 
Leichter, Es sind etwa 40 Leichter von durchschnittlich 7 bis 9t 
Tragfähigkeit vorhanden, und die Leichterleute sind fleifsig und anstellig. Das 
Löschen und Laden der Leichter an Land erfolgt im Flusse‘ oder an kleinen 
Piers am Strande. Es sind im Flusse drei kleine Krähne vorhanden, welche 
aber höchstens 2 bis 3 t heben können, so dafs das Landen gröfserer Maschinen- 
theile Schwierigkeiten machen dürfte; dagegen könnten Maschinenkessel 
schwimmend an Land gebracht werden. 
Ein- und Ausfuhr. Die Einfuhr besteht vorwiegend aus Provisionen, 
Baumwollenzeug, Handwerkzeug und dergl., die Ausfuhr aus Piment, Zucker, 
Ingwer, Kaffee und Orangen, hauptsächlich aher Blauholz. 
Schiffsverkehr. Amerikanische und norwegische Segelschiffe für Blauholz 
sodann wöchentlich zwei Küstendampfer und ferner die Dampfer der deutschen 
Ailas-Linie der Hamburg— Amerika-Linie und die englischen Dampfer der 
Kerr & Co.-Linie. 
Der Hafen von St. Ann’s Bay. 
Nach einem Berichte des Kapt. Lorentzen, D. „Hungaria“ der Hamburg— Amerika-Linie 
vom 14. Oktober 1901. 
St. Ann’s Bay ist ein kleiner Hafen an der Nordküste von Jamaica mit 
etwa 4000 Einwohnern und wird gebildet durch eine schwache Einbuchtung der 
Küste und durch zwei Riffe, welche sich von Westen und Osten her davor er- 
strecken und in der Mitte, der Ortschaft gegenüber, einen Kanal von etwa 8U m 
Breite als Einfahrt frei lassen. 
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