Ann. d. Hydr. ete., XXIX. Jahrg. (1901), Heft XII,
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Zur Küstenkunde von Neuguinea.
Nach „Mededeelingen op zeevaartkundig gebied over Nederlandsch Oost-Indiö“ No, 24, April 1901.
(Mifsweisung 3° Ost.)
Die Nordküste.
Die Nordküste von Neuguinea ist im Allgemeinen hoch, nur hier und da
trifft man niedriges Vorland an. Parallel zur Küste läuft im Innern des Landes
eine Bergkette, von der jedoch während der Anwesenheit der „Java“ im April 1900
nur wenig zu sehen war, weil sie Wolken und Nebel vielfach, verdeckten,
An der Küste zwischen der Huk Sorong, der Nordwestspitze von Neu-
guinea, und der Huk Elpapa ist es schwer, den Schiffsort zu ermitteln, weil
dort nur wenig gute Landmarken vorhanden sind. Das längs der Küste in
ungefähr 0,8 Sm Abstand dampfende Schiff konnte nirgends mit 90 m Leine
Grund erhalten.
Die Huk auf der Westseite der Dorei Hum-Bucht ist unter dem Namen
Dorei (Eingang) bekannt.
Auf der Höhe der Inseln Amsterdam und Middelburg ist die Küste
niedrig; dort befindet sich der auffällige Gipfel Diceras (hornförmiger Gipfel),
der zu der oben erwähnten Bergkette gehört. Die Huk Opmarai ist die erste
erkennbare Huk im Osten der Inseln. Einige Klippen machen sie kenntlich.
Das Kap Goede Hoop und das Valsche kasp sind unter Land gut erkennbar,
aber auf gröfsere Entfernung und in einer Peilung, in der sich die Kaps nicht
gut von der Küste abheben, nicht leicht zu unterscheiden. Zwischen diesen beiden
Kaps liegt die Huk Warman. Die Huk Boropo, die Westspitze der Kleinen
Geelvink-Bucht, ist sehr niedrig und nachts bei einigermafsen diesigem Wetter
schwer zu erkennen.
An der Dorei Hum-Bucht liegen folgende Landstrecken: Aas, zwischen
der Huk Dorei und dem Sungei (Flufs) Maga. Ferner Warsai, zwischen
dem Sungei Maga und dem Kap Goede Hoop, und von diesem Kap bis zu
der Huk, wo die Küste nach Süd umbiegt, das Land Amberbaken, Dieses ist
eins der schönsten Küstenländer. Dicht bewachsene Felsen steigen steil aus der
See empor, und unmittelbar hinter denselben erheben sich hohe Berge, Hier
und da erblickt man einen Streifen Sandstrand und ‘zwischen den Abhängen
kleine Bäche, die sich in die See ergiefsen.
Winde, Nach den eingezogenen Erkundigungen sind Juli und August die
günstigsten Monate zum Befahren der Nordküste von Neuguinea, Da jedoch die
meisten Schiffe diese Küste während der Monsunwechsel, von März bis April oder
von Oktober bis November, befahren haben, können ganz zuverlässige Angaben
über die Monsune nicht ertheilt werden. Der sogenannte Ostmonsun steht durch
vom April bis September... Da der Wind während dieser Zeit meistens aus Süd
bis SW weht, so würde es richtiger sein, diesen Wind, seiner Richtung ent-
sprechend, Südmonsun zu nennen. Während dieser Zeit fällt der meiste Regen,
sie wird daher die nasse Jahreszeit genannt. Der Westmonsun steht von Oktober
bis März mit nordwestlichen Winden durch.
See und Dünung. Trotz des guten Wetters wurde fast überall eine nord-
nordöstliche Dünung bemerkt.
Gezeiten. Die über die Gezeiten erhaltenen Angaben waren so verschieden
und nicht übereinstimmend, dafs auch über diese Zuverlässiges nicht mitgetheilt
werden kann. Die halbtägige Tide ist vorherrschend. Nach den Mittheilungen
der auf Wendessi in der Geelvink-Bucht anwesenden Missionare kommen Hoch-
und Niedrigwasser zweimal innerhalb 24 Stunden vor, und zwar vom März bis
September das niedrigste Wasser am Tage und. das höchste nachts, Vom Sep-
tember bis März tritt das niedrigste Wasser des Nachts und das höchste am
Tage ein. Jetzt werden Gezeitenbeobachtungen in Dorei angestellt.
Ann. A. Hydr. ete.. 1901. Heft XIL