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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1901
Laufe des 3. und 4. sowie 5. August hatte der Dampfer dann meistens SO-liche
Winde, zeitweilig noch sehr steif mit hoher See; am 6. August erreichte Dampfer
„Tucuman“ wohlbehalten den Hafen von Nagasaki. Bemerkt sei noch der Um-
stand, dafs, als der Kapitän bei Megami Pt. ankern wollte, beide Anker nicht
ßelen, weil infolge des schweren Schlingerns während des Taifuns, zeitweilig
nach jeder Seite hin bis zu 50°, die Ankerketten im Kettenkasten übereinander
gefallen waren. Im engeren Hafen und zwischen mehreren Schiffen hätte dieser
Umstand leicht verhängnifsvoll werden können.
Von sehr grofsem Interesse ist es, die sich ebenfalls auf den soeben be-
schriebenen Taifun beziehenden Notirungen über Wind, Wetter und Barometer-
atände des deutschen Dampfers „Stuttgart“, Kapitän P. Grosch, welcher vom
1. bis zum 4. August d. J, im Hafen von Shanghai lag, mit denen des Dampfers
„Tucuman“ zu vergleichen.
Meteorologische Beobachtungen
des Dampfers „Stuttgart‘‘ vom 1. bis 4. August 1901 im Hafen von Shanghai.
Datun
1901
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747,8
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7485
a.
Bemerkungen
Wind schnell zunehmend
Taifunluft
Schwerer Taifun
Wind etwas abnehmend
; V
Am 5. August verliels der Dampfer „Stuttgart“ Shanghai und traf auf
seiner Reise nach Futshau noch steife SO-liche Winde. Kbenfalls sind die
Meldungen der Signalstation von Shanghai, welche der Seewarte durch Güte
des Kapitäns P. Grosch übermittelt wurden, vorzüglich mit dem '"Taifun des
Dampfers „Tucuman“ in Einklang zu bringen. Die Signale der betreffenden
Station lauteten: Am 1. August befand sich das Centrum des Taifuns SO-lich
von den Liu Kiu-Inseln, am %Z. August mittags Centrum NO von Formosa, nachts
Nord von Formosa; am 3, August morgens Centrum nördlich vom KFormosa-
Kanal, nachmittags nördlich von Futshau, Centrum zieht nördlich; am 4. August
Centrum nördlich von Futshau, nachmittags unweit von Ning-Po; am 5. August
verzog sich das Centrum südlich von der Halbinsel Schantung vom Lande wieder
aufs Meer und verschwand. Laut Angabe von Herrn Kapitän Schweer hat dieser
Taifun an der ganzen Küste von China sehr viel Schaden angerichtet, nicht
allein, dafs mehrere Schiffe auf See oder an der Küste verloren gegangen sind,
sondern derselbe hat auch in den verschiedenen Häfen sehr viel Unheil gestiftet.
Aus dem gegebenen Bericht des Dampfers „Tucuman“ geht zur Genüge hervor,
wie es auch für Dampferkapitäne wohl angebracht ist, dafs sie sich etwas mehr mit
der Meteorologie befassen, als, wie ich aus eigener Erfahrung weils, meistens der
Brauch ist; denn, zur rechten Zeit bei einem schweren Orkan angewandt, kann
das recht häufig Schiff und Mannschaft vor schwerem Schaden bewahren.