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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 29 (1901)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1901 
Taifun in den ostasiatischen Gewässern vom 2. und 3. August 1901. 
Von Chs, Lühbeke. 
Der Dampfer „Tucuman“, Kapitän H. Schweer, war von der deutschen 
Regierung zum Truppentransport gechartert worden und befand sich auf der 
Reise von Hamburg nach Tsingtau. Am 1. August 1901 war das Schiff um 12% 
mittags. im nördlichen Theile der China-See auf 20,9° N-Br. und 116,2° O-Lg. ge- 
kommen, als man die ersten Anzeichen eines Uuwetters, wie es in dem um diese Jahres- 
zeit herrschenden SW-Monsun nicht selten ist, dadurch gewahrte, dafs eine lange 
östliche Dünung bei leichtem SW-Winde auftrat, Das Barometer zeigte um 
8 morgens noch 755 m, Wind Süd mit Stärke 2; im Laufe des Vormittags fing 
dasselbe aber auch langsam an zu fallen, der Stand war um 12% mittags 754 mm. 
Es sei bemerkt, dafs sämmtlicke Barometerstände auf 0° C. reducirt sind. Da 
der Kurs des Dampfers N 285° 0 war, so fing derselbe bei der östlichen Dünung 
an stark zu schlingern. Im Laufe des Nachmittags blieb das Barometer langsam 
beim Fallen, und der Wind drehte westlicher, so dafs um 4” nachmittags derselbe 
WSW3, und das Barometer 753 mm zeigte. Auf der Wache von 4" nachmittags 
bis 8" nachmittags drehte der Wind noch mehr nach Westen, und der Barometer- 
stand wurde immer niedriger; um 8" nachmittags Wind WNW4, häsige Luft, 
lange östliche Dünung, Barometer 752 mm. Um 12" nachts war der Wind be- 
reits auf NWS gegangen, eine lange östliche Dünung sowie Blitzen im NO und 
Süd waren bemerkbar. 
Um 0* 35“ morgens des 2. August wurde die Insel Lamock in einem Ab- 
stande von 17 Sm. passirt; im Laufe dieser Wache wurde das Blitzen immer 
heftiger, der Wind aus NW nahm ab, und die Dünung kam mehr aus ONO bis 
NO-licher Richtung; um 4* morgens Wind NW2, eir-cum, Barometer 749,7 mm. 
Von jetzt an begann der Wind langsam wieder zurückzudrehen, das Glas blieb 
langsam aber stetig beim Fallen, und die Dünung aus ONO bis NO wurde kürzer, so 
dafs das Schiff anfıng zu stampfen; Windstreifen verzogen sich von Nord nach Süden 
und verschwanden daselbst gänzlich; ebenfalls begann die obere Luftschicht vom 
Norden zu ziehen, und eine hohe nördliche Dünung kam zu der bereits vor- 
handenen aus NO noch hinzu; um 8" morgens Wind WNW4, cir-cum, Barometer 
748,9 mm. Auf der Wache von 8 bis 12* mittags trat keine weitere Verände- 
rung eio, nur das Barometer blieb langsam beim Fallen; um 12* mittags hatte 
das Schiff bei einer durchschnittlichen Fahrt von 12 Knoten per Stunde 24,6° 
N-Br. und 119,3° O-Lg. erreicht; der Wind war um diese Zeit WNW4, die 
Wolkenform cir-str., die Dünung aus NO und Nord immer mehr zunehmend, so 
dafs schon eine recht kappelige, durcheinander laufende See herrschte; das 
Barometer zeigte um 12" mittags 746 mm. Von nun an begann der Wind ab- 
zuflauen und wurde unbeständig in seiner Richtung, die Luft bekam ein drohendes 
Aussehen im NO, die Dünung aus NO bis NNO wurde immer höher, und das 
Barometer fing an schneller zu fallen. An Bord des „Tucuman“ war vom 
Kapitän Schweer Alles darauf vorbereitet und auf das Bestmögliche seefest 
gemacht, da man ja die sichersten Anzeichen hatte, dafs ein T’aifun im Anzuge war. 
Derselbe liefs denn auch nicht lange auf sich warten; um 2" nachmittags drehte der 
Wind von WNW durch Süd nach NO und blieb bis 4* nachmittags, bei einer 
Stärke 4 noch hin und hermalend, jedoch war an der sich immer mehr auf- 
bäumenden See aus NO, an dem starken Blitzen aus derselben Richtung schon 
mit Sicherheit zu erkennen, dafs das Unwetter immer näher kam; bemerkt sei 
noch, dafs Ocksen Insel um 2* 35” nachmittags in einem Abstande von 10 Sm 
passirt wurde; der Barometerstand war um 2" nachmittags 744,8 mm und um 
4* nachmittags 743,2 mm. Kurz nach 4" nachmittags fiel denn auch der Wind 
mit einer Stärke 7 aus NNO ein, das Schiff begann in der sich blitzesschnell 
entwickelnden See heftig zu stampfen und zu schlingern und wurde rasch in 
seiner Fahrgeschwindigkeit bis auf 9 Knoten niedergedrückt. Um 5* nachmittags 
war es bereits stürmisch geworden und in den einzelnen Böen schon sehr steif, 
um 6* nachmittags drehte der Wind nach Nord unter beständigem Regen; das 
Schiff arbeitete in der hohen, unregelmäßigen, kappeligen See sehr schwer; Baro- 
meterstand um 6" nachmittags 741,1 mm. Um 7° 15” nachmittags wurde Turnabout 
in einem Abstande von 12 Sm passirt: der Wind drehte sich von hier ab immer
	        
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