Zur Küstenkunde des Bismarck-Archipels
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Mu
St. Matthias.
Von dem Ankerplatze unter dem Nordkap bei Nusa führt der Kurs
NWzW mw. frei von allen Untiefen nach St. Matthias. Im Juli setzte der Strom
etwa 1 Sm WNW in der Stunde.
Die Fahrt durch den Kanal zwischen der Hauptinsel und den südöstlich
liegenden Koralleninseln ist gefahrlos. Ein in der neuesten Karte nicht an-
gegebenes unter Wasser liegendes Riff ist in der beigegebenen Skizze verzeichnet.
Im Juli setzte der Strom im Kanal nach West bei frisch wehendem Passatwinde,
Der Ankerplatz ist schwer zu finden. S. M.5S. „Cormoran“ ankerte auf
der in der Skizze angegebenen Stelle — deren Entfernung und Richtung von
der Handelsstation aus gemessen wurde — auf 38 m. Beim Ankern ist der
zwischen der kleinen Insel und der Hauptinsel westwärts setzende Strom zu
berücksichtigen.
In der Tafel 36 sind Verbesserungen der neuesten Karte angegeben; die
mit Kreuz bezeichneten Punkte sind von der Handelsstation und dem Anker-
platze (Entfernung beider nach der Masthöhe als Basis gemessen) eingeschnitten,
Vom angegebenen Ankerplatze führt der Kurs WSW mw. in der Mitte zwischen
der Handelsstation und den südlichen Koralleninseln in freies Wasser.
Die geographische Lage der Handelsstation ist in der neuesten Karte
richtig angegeben.
Der Hauptinsel sind im Süden eine grofse Anzahl von Inseln und Inselchen
vorgelagert. Dieselben zerfallen in zwei Gruppen, welche durch den in der
Karte angegebenen tiefen Kanal getrennt sind. Alle nördlich des Kanals
liegenden Inseln, ausgenommen die östlichste und westlichste — in der Skizze
mit a und b bezeichnet —, sind durch ein Gürtelriff, über welches nur an ein-
zelnen Stellen die Kanoes der Eingeborenen fahren können, miteinander ver-
bunden. Ebenso umlagert die südlichen Inseln ein langes Gürtelriff mit zum
Theile tiefer Lagune, zu welcher nur ein Eingang für flache Boote im Norden
führt, der von den Booten des „Cormoran“ in den späteren Tagen benutzt wurde.
Während die Hauptinsel vulkanischen Ursprunges zu sein scheint und mit ihren
Bergen und unzugänglichen Hängen Aehnlichkeit mit Ponape aufweist, sind die
vorgelagerten Inseln, wie dort, niedrige Koralleninseln. Auffallend ist das seltene
Vorkommen der Kokospalmen. Auf den vorgelagerten Inseln sind zum gröfsten
Theile überhaupt keine vorhanden, und auf der Hauptinsel waren sie nur an
wenigen Plätzen und dann gruppenweise zu sehen. Es läßt dies darauf schliefsen,
dafs sie von den Eingeborenen angepflanzt sind. Die Ufer der Hauptinsel
steigen, ohne Strand und mit Mangrove oder Urwald bedeckt, zu steilen Höhen
auf. Die vorgelagerten flachen Riffe erschweren den Zugang mit europäischen
Booten aufserordentlich.
Die Eingeborenen scheinen hauptsächlich vom Fischfange und von Taro
und Bananen zu leben. Taro-Plantagen und Bananen wurden auf der Händler-
insel und der später durchstreiften östlichen Südinsel gesehen... Merkwürdig ist,
dafs z. B. auf der Händlerinsel trotz des Vorhandenseins dieser Plantagen die
Leute nicht dort wohnen, sondern zur Bewirthschaftung mit Frauen und Kindern
in Kanoes von ihren Wohnstätten herüber kamen. Auf der Hauptinsel brannten,
als „Cormoran“ und der Schoner „Mascotte“ sich von Osten näherten, zahlreiche
Warnfeuer auf. Dies wiederholte sich jedesmal, wenn in den folgenden Tagen
Bootsexpeditionen das Schiff verliefsen. Hieraus ist zu vermuthen, dafs die Ein-
wohner auf der Hauptinsel zahlreich sind, die ganze Bevölkerung jedoch nicht
seflshaft ist.‘ Die Eingeborenen sind bis jetzt nur feindlich mit Europäern in
Berührung gekommen. Im Jahre 1886, 1896 und 1898 haben Angriffe auf
Europäer stattgefunden, wobei die Eingeborenen die Wirkung der Gewehre
kennen lernten. Die Männer sind grofs und schlank gewachsen, gehen stets mit
kunstvoll geschnitzten Speeren und Steinschleudern bewaffnet und scheinen von
grofßser Tapferkeit zu. sein. Frauen und Kinder haben nicht unintelligente
Gesichter. Die bei einigen von den Kindern festgestellte vergröfserte Milz läfst
auf Vorkommen von Malaria auf den niederen Koralleninseln schliefsen.‘