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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 29 (1901)

Zur Küstenkunde des Bismarck-Archipels 
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St. Matthias. 
Von dem Ankerplatze unter dem Nordkap bei Nusa führt der Kurs 
NWzW mw. frei von allen Untiefen nach St. Matthias. Im Juli setzte der Strom 
etwa 1 Sm WNW in der Stunde. 
Die Fahrt durch den Kanal zwischen der Hauptinsel und den südöstlich 
liegenden Koralleninseln ist gefahrlos. Ein in der neuesten Karte nicht an- 
gegebenes unter Wasser liegendes Riff ist in der beigegebenen Skizze verzeichnet. 
Im Juli setzte der Strom im Kanal nach West bei frisch wehendem Passatwinde, 
Der Ankerplatz ist schwer zu finden. S. M.5S. „Cormoran“ ankerte auf 
der in der Skizze angegebenen Stelle — deren Entfernung und Richtung von 
der Handelsstation aus gemessen wurde — auf 38 m. Beim Ankern ist der 
zwischen der kleinen Insel und der Hauptinsel westwärts setzende Strom zu 
berücksichtigen. 
In der Tafel 36 sind Verbesserungen der neuesten Karte angegeben; die 
mit Kreuz bezeichneten Punkte sind von der Handelsstation und dem Anker- 
platze (Entfernung beider nach der Masthöhe als Basis gemessen) eingeschnitten, 
Vom angegebenen Ankerplatze führt der Kurs WSW mw. in der Mitte zwischen 
der Handelsstation und den südlichen Koralleninseln in freies Wasser. 
Die geographische Lage der Handelsstation ist in der neuesten Karte 
richtig angegeben. 
Der Hauptinsel sind im Süden eine grofse Anzahl von Inseln und Inselchen 
vorgelagert. Dieselben zerfallen in zwei Gruppen, welche durch den in der 
Karte angegebenen tiefen Kanal getrennt sind. Alle nördlich des Kanals 
liegenden Inseln, ausgenommen die östlichste und westlichste — in der Skizze 
mit a und b bezeichnet —, sind durch ein Gürtelriff, über welches nur an ein- 
zelnen Stellen die Kanoes der Eingeborenen fahren können, miteinander ver- 
bunden. Ebenso umlagert die südlichen Inseln ein langes Gürtelriff mit zum 
Theile tiefer Lagune, zu welcher nur ein Eingang für flache Boote im Norden 
führt, der von den Booten des „Cormoran“ in den späteren Tagen benutzt wurde. 
Während die Hauptinsel vulkanischen Ursprunges zu sein scheint und mit ihren 
Bergen und unzugänglichen Hängen Aehnlichkeit mit Ponape aufweist, sind die 
vorgelagerten Inseln, wie dort, niedrige Koralleninseln. Auffallend ist das seltene 
Vorkommen der Kokospalmen. Auf den vorgelagerten Inseln sind zum gröfsten 
Theile überhaupt keine vorhanden, und auf der Hauptinsel waren sie nur an 
wenigen Plätzen und dann gruppenweise zu sehen. Es läßt dies darauf schliefsen, 
dafs sie von den Eingeborenen angepflanzt sind. Die Ufer der Hauptinsel 
steigen, ohne Strand und mit Mangrove oder Urwald bedeckt, zu steilen Höhen 
auf. Die vorgelagerten flachen Riffe erschweren den Zugang mit europäischen 
Booten aufserordentlich. 
Die Eingeborenen scheinen hauptsächlich vom Fischfange und von Taro 
und Bananen zu leben. Taro-Plantagen und Bananen wurden auf der Händler- 
insel und der später durchstreiften östlichen Südinsel gesehen... Merkwürdig ist, 
dafs z. B. auf der Händlerinsel trotz des Vorhandenseins dieser Plantagen die 
Leute nicht dort wohnen, sondern zur Bewirthschaftung mit Frauen und Kindern 
in Kanoes von ihren Wohnstätten herüber kamen. Auf der Hauptinsel brannten, 
als „Cormoran“ und der Schoner „Mascotte“ sich von Osten näherten, zahlreiche 
Warnfeuer auf. Dies wiederholte sich jedesmal, wenn in den folgenden Tagen 
Bootsexpeditionen das Schiff verliefsen. Hieraus ist zu vermuthen, dafs die Ein- 
wohner auf der Hauptinsel zahlreich sind, die ganze Bevölkerung jedoch nicht 
seflshaft ist.‘ Die Eingeborenen sind bis jetzt nur feindlich mit Europäern in 
Berührung gekommen. Im Jahre 1886, 1896 und 1898 haben Angriffe auf 
Europäer stattgefunden, wobei die Eingeborenen die Wirkung der Gewehre 
kennen lernten. Die Männer sind grofs und schlank gewachsen, gehen stets mit 
kunstvoll geschnitzten Speeren und Steinschleudern bewaffnet und scheinen von 
grofßser Tapferkeit zu. sein. Frauen und Kinder haben nicht unintelligente 
Gesichter. Die bei einigen von den Kindern festgestellte vergröfserte Milz läfst 
auf Vorkommen von Malaria auf den niederen Koralleninseln schliefsen.‘
	        
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