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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 29 (1901)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1901. 
Krankenhäuser, Seemannsmission und Seemannsheim sind vor- 
handen, ebenfalls öffentliche Badeanstalten und eine Volksbibliothek. 
Entweichungen von Schiffsmannschaften kommen sehr oft vor. Im Jahre 
1897 desertirten von den 9 in den Puget-Sundhäfen angekommenen deutschen 
Segelschiffen 14 Mann. In demselben Jahre waren die Matrosenheuern 20 $ und 
im Jahre 1898 25 $. Dem Heuerbaas ist aufserdem für jeden angenommenen 
Matrosen 10 bis 20 $ Prämie zu zahlen, 
Eiurichtungen zur Bestimmung der Deviation und zur Prüfung 
nautischer und meteorologischer Instrumente sind nicht vorhanden, 
ebenso wenig wird ein Zeitsignal gegeben. Die genaue Zeit ist indessen auf 
dem Telegraphenamt zu haben. Seekarten und Segelanweisungen sind 
zu haben. 
Allgemeine Bemerkungen. 
Bericht von Kapt. G. Höckelmann, Führer des Schiffes „Antigone“. 
Nach Drucklegung der vorstehenden Beschreibung ging noch der nach- 
folgende Bericht ein: 
Das Feuerschiff „Umatilla-Riff“ in 48° 10‘ N-Br und 124° 51’ W-Lg, welches 
erst 1898 ausgelegt worden ist, ist für die Ansegelung der Strafse von Juan de 
Fuca von grofsem Werth. Leider scheint es sich in seiner exponirten Lage nicht 
immer behaupten zu können, so dafs man im Winter nicht bestimmt auf seine 
Anwesenheit rechnen kann. Noch im Januar d. J. (1901) gerieth das Hamburger 
Schiff „Flottbek“, welches vergeblich für das von seiner Station vertriebene 
Feuerschiff Ausguck hielt, durch das Fehlen desselben in eine gefährliche Lage; 
es mufste zwischen Flattery Rocks ankern und konnte nur durch rasche Dampfer- 
hülfe vor der Strandung bewahrt bleiben. 
Im Dezember 1900 gingen an der Küste von British Columbia und Van- 
souver durch Sturm und Nebel viele Schiffe zu Grunde. Von den mit uns von 
Santa Rosalia kommenden Fahrzeugen strandete u. A. der englische Viermaster 
„Poltalloch“ vor dem Columbia-Flufls, und der englische Viermaster „Andrade“ 
trieb, nachdem er bereits einen Lootsen vom Columbia-Flusse an Bord genommen, 
von der Küste wieder ab und war bei unserem Abgange von dem Sunde, etwa 
4 Wochen später, noch nicht wieder gesehen worden. Es wurde allgemein an- 
genommen, dafs das Schiff seinen Untergang in einem harten Südweststurm, der 
an der Küste von Vancouver gewüthet, gefunden habe, Auch von den Küsten- 
Schunern sind in dem genannten Monat viele zu Schaden gekommen. 
Wir befanden uns abends am 11. Dezember 1900 nach einer Reise von 
33 Tagen vor Santa Rosalia in der Nähe vom Kap Flattery-Leuchtthurm, als der 
Schlepper „Tacoma“ die „Antigone“ ins Schlepptau nahm. Nach 24stündiger 
Fahrt ankerten wir auf der Rhede von Port Townsend, wo wir Order erbielten, 
ajnen Theil der aus schweren Balken und Deckplanken bestehenden Ladung in 
Port Gamble und den Rest in Port Blakely einzunehmen, 
Port Gamble liegt an dem nördlichen Ende der Great Peninsula im 
Puget-Sunde. Die Holzmühle der Puget Mill Comp. mit der Ansiedelung, die 
aus ca. 40 bis 50 Häusern besteht, mit einer kleinen protestantischen Kirche, 
liegt an der Einfahrt einer ca, 10 Sm langen und 3 Sm breiten Bucht. Gegen- 
über liegt ein kleines, halb verfallenes Indianerdorf mit einer winzigen katho- 
lischen Kirche. 
Es wird hier ziemlich viel Holz verschifft, doch sind für Bequemlichkeit 
der Schiffahrt wenig oder gar keine Einrichtungen getroffen, und im Winter, 
venn häußge südöstliche Stürme auftreten, hat man seine Last, um das Schiff 
festzuhalten, da nur an einer Stelle einige Pfähle eingerammt sind, uud sich 
manchmal bis zu 6 Schiffe hier befinden, Lootsen sind nicht am Platze, und 
Jeder hilft sich so gut er kann. Bei meiner Ankunft holte ich das Schiff 
auf eine der Ansiedelung schräg gegenüberliegende Bank, die mir von Herrn 
Walker, dem Manager der Mill Comp., gezeigt wurde, um den Boden zu reinigen, 
der mit kleinen Muscheln dicht bewachsen war, Dieses „Auf die Bank setzen“ 
ist in einem Hafen wie Blakely, wo man immer gegen alle Winde geschützt legt, 
leicht und sicher zu bewerkstelligen: ganz so harmlos wie dort ist die Sache in
	        
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