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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 29 (1901)

Die Puget-Sund-Häfen. 
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Verkehr zwischen Eisenbahn und Schiff. An den Landungsbrücken steht 7 bis 
10 m Wasser, so dafs dies für die gröfsten Schiffe genügt. Für die nicht 
löschenden und ladenden Schiffe liegt eine Anzahl von Festmachetonnen in 
der Bucht, für deren Benutzung 10 $ zu zahlen sind für jede 15 Tage oder 
Theile derselben, bei Stürmen treiben Schiffe mitsammt den Tonnen jedoch 
leicht weg. . 
Die Hafenkosten sind verhältnifsmäfsig gering, doch die übrigen Kosten 
desto höher. Das in Ballast einlaufende und mit einer vollen Ladung aus- 
gehende 1861 t grofse deutsche Vollschiff „Flottbeck“ hatte insgesammt 5000 $ 
Unkosten. 
Reparaturen aller Art an Schiffen und Maschinen sind am Orte aus- 
führbar, Schiffswerften und Maschinenfabriken sind zu diesem Zwecke vorhanden. 
Ein hölzernes Schwimmdock von 99 m Länge und 24,4 m Breite, auf dessen 
Stapelklötzen bei der Einsenkung 6,1 m Wasser steht und das 8000 t Tragkraft 
besitzt, liegt auf einer vollkommen geschützten Stelle des Hafens auf 14,5 m 
Wassertiefe. 
Die Stadt liegt an der Südwestecke der Bucht. Sie ist terrassenförmig 
an dem hohen Ufer erbaut und in starkem Wachsthum begriffen. Sie hatte im 
Jahre 1880 erst etwa 1000 Einwohner, im Jahre 1890 bereits 36000, und im 
Jahre 1900 nach Schätzung bereits mehr als 55000. Unter letzteren befinden 
sich etwa 5000 Deutsche, Sie hat theilweise schöne breite Strafsen mit modernen 
Bauten, andere befinden sich noch fast im Urzustande oder sind ungepflastert 
und von kleinen hölzernen Häusern besäumt. Alle modernen Einrichtungen für 
den Verkehr und die Gesundheit sind vorhanden, 
Der Handelsverkehr ist ebenfalls im Zunehmen. Obwohl der gröfsere 
Theil des Verkehrs Küstenverkehr ist, ist doch auch der auswärtige Handel 
nicht unbedeutend, Die Hauptartikel der Einfuhr sind Cement, Eisen und Eisen- 
waaren, Zinn, Wein, Spirituosen, Reis, Zucker, Thee, rohe Seide, Matten und 
Säcke. Die Hauptartikel der Ausfuhr sind Holz, Weizen, Mehl, Vieh, Fleisch, 
Häute, Baumwolle, eingemachte Früchte und konservirte Fische. Im Jahre 1899 
betrug der Werth der Einfuhr von fremden Ländern etwa 11,5 Millionen Mark, 
der Werth der Ausfuhr nach denselben etwa 29 Millionen Mark. Hierbei sind 
die transitirenden Güter nicht mitgerechnet, deren Werth bei der Einfuhr etwa 
10, und bei der Ausfuhr etwa 3,5 Millionen Mark betrug. In beiden Richtungen 
steht Japan obenan; in der Einfuhr mit rund 10 und in der Ausfuhr mit 
9 Millionen Mark. Der gesammte Handelsverkehr des Hafens wird für dasselbe 
Jahr auf mehr als 80 Millionen Mark geschätzt. 
Von fremden Ländern kamen 40 Segelschiffe von 56 650 Registertonnen 
und 48 Dampfschiffe von 58690 Registertonnen Raumgehalt an. Unter ersteren 
befanden sich 2 deutsche von 3135 Reywistertonnen Größe. 
Tacoma ist der Endpunkt der Northern Pacific-Bisenbahn, Zweigbahnen 
führen von der Stadt nach Süden und Norden. Regelmäfsige Postdampfer- 
verbindung wird von der Northern Pacific Steamship Company mit Ostasien 
unterhalten; die Schiffe fahren alle 20 Tage: 
Im Küstenverkehr bildet Kohle einen Hauptartikel der Verschiffung. Die 
in unmittelbarer Nähe von Tacoma befindlichen Kohlengruben förderten im Jahre 
1899 472 000 t, und die in Kittitas County belegenen Gruben 635 000 t Kohlen. 
Schiffsausrüstung aller Art ist in Tacoma stets zu haben, Proviant 
und Inventarien zu ähnlichen Preisen wie in San Francisco. Kohlen sind in 
grofser Menge stets zu niedrigen Preisen zu haben. Die Kohlen werden durch 
Schütten oder Conveyer (eine Anzahl Kübel, die an einer endlosen, auf Rollen 
laufenden Kette befestigt sind) verladen. Durch letztere können in einer Stunde 
800 t verladen werden. Wasser erhält man zum Preise von 1 $ die Tonne 
aus der städtischen Wasserleitung. Das Flufswasser ist ebenfalls brauchbar als 
Trinkwasser, 
Auskünfte für den Schiffsverkehr. Das Kaiserliche Konsulat be: 
findet sich an der Ecke der Pacific Avenue und der 12, Straße. Agenten des 
Germanischen Lloyd und des Vereins Hamburger Assekuradeure, 
sowie deutsche Schiffsmakler oder Schiffshändler sind am Orte nicht an- 
aässig. Das Hafenmeisteramt bildet die einzige Schiffahrtsbehörde. Deutscher 
Arzt und deutscher Prediger sind am Orte wohnhaft. 
Ann. d. Hyvär. ete.. 1901. Heft XI.
	        
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