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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 29 (1901)

Die Puget-Sund-Häfen, 
Bü 
von der Vancouver-Küste ziemlich genau angiebt, so kann man dort, sobald die 
Wassertiefe auf etwa 120 m abnimmt, das Schiff nach SW legen und hat dann 
Seeraum genug zum Treiben, doch ist es vortheilhafter, südlich von der Strafse 
zu bleiben. Die Südoststürme halten im Winter mitunter 30 Stunden lang an, 
wenn auch gewöhnlich nur 12 bis 18 Stunden, und man wird dadurch leicht zu 
weit nordwestwärts versetzt. 
Wind und Wetter an der Küste. Siehe „Segelhandbuch für den Stillen 
Ozean“, Seite 118 ff. und 608. 
' Strömungen an der Küste. Nach den Angaben des „British Columbia 
Pilot“, die auch auf Seite 119 im „Segelhandbuch für den Stillen Ozean“ ent- 
halten sind, soll der Strom vor der Juan de Fuca - Strafse fast stets in südöst- 
licher Richtung setzen, doch bei südöstlichen Winden in der Nähe der Küste 
auch in nördlicher Richtung. Letzteren Strom beweisen alle in der erwähnten 
englischen Publikation aufgeführten Beispiele. 
Zu dieser Publikation bemerkt Kapt. Charles E. Clarke, Hafenmeister 
von Victoria in Britisch-Kolumbien, .in einem vom 21. Februar 1901 datirten 
Bericht an den Vorsitzenden des „Board of Trade“ von Britisch - Kolumbien, 
nachdem er ausgeführt, dafs . alle Beispiele einer‘ beständigen südöstlichen 
Strömung widersprechen und aus denselben sich nur eine nordwestliche Strömung 
nachweisen lasse: 
Meine eigenen Erfahrungen zeigen ebenfalls, dafs längs der Küste ein 
Strom von 40 bis 50 Sm Breite beständig in nordwestlicher Richtung setzt, Vor 
der Mündung der Juan de Fuca-Strafse wird dieser Strom durch den aus der 
Straßse kommenden Ebbstrom verstärkt, der in mittlerer Westnordwestrichtung 
weiter setzt und nicht, wie bisher angegeben, eine. scharfe Biegung macht und 
dann nach SO setzt. 
Weiter bemerkt er noch: Die Angaben über Gezeitenströme sind nach 
meiner Meinung ziemlich richtig, doch könnten sie ausführlicher sein, soweit sie 
die Mündung und den Haupttheil der Straße betreffen. Der vom SW kommende 
Fluthstrom setzt, wie angegeben, mit grofser Geschwindigkeit über die Duncan- 
und Duntze-Klippen hinweg und dann weiter stets auf die Vancouver-Küste zu, 
anstatt recht die Straße hinauf. Dieses Hinübersetzen nach der Küste endigt 
erst oberhalb der Race-Klippen. Durch diesen Strom wird die Vancouver-Küste 
in der Umgegend vom Carmanah-Leuchtthurme besonders gefährlich, wenn gleich- 
zeitig leichte südliche Winde und hoher Seegang aus derselben Richtung herrschen. 
Der Fluthstrom läuft an der Vancouver-Seite, der Ebbstrom an der amerikanischen 
Seite mit gröfserer Geschwindigkeit, welches man beim genauen Studium der 
Karte auch voraussetzen muls, 
Nach meiner Meinung sollten die Segelanweisungen mehr Gewicht darauf 
jegen, den Führern von Segelschiffen zu empfehlen, falls diese bei der An- 
steuerung der Stralse während der Wintermonate, besonders während des No- 
vembers und des Dezembers, östliche und südöstliche Winde antreffen, die 
während dieser Jahreszeit vorherrschen, dafs sie sich südlich oder südwestlich 
vom Kap Flattery-Feuer halten und unter keinen Umständen recht vor die Strafse 
kommen, bevor die Umstände das Einsegeln gestatten. 
Nach den bei der Seewarte eingegangenen zahlreichen meteorologischen 
Journalen und Berichten von Segelschiffen ergiebt sich, dafs die Strömung unter 
der Küste weder regelmäfsig noch sehr grofs ist. Sie scheint durch den Wind 
sehr beeinflufst zu werden, denn bei südlichen Winden ergiebt sich fast ausnahms- 
los nördliche, dagegen bei nördlichen Winden südliche Versetzung. In keinem 
einzigen Falle ist aber die Versetzung innerhalb der ersten 24 Stunden nach 
dem Auslaufen oder der letzten 24 Stunden vor dem Einlaufen von aufsergewöhn- 
licher Stärke. Sie übersteigt nur in einigen Fällen 1 Sm im Durchschnitt, bleibt 
durchschnittlich aber erheblich darunter. Bei leichten und umlaufenden Winden 
ist keine vorherrschende Strömung zu konstatiren.. In unmittelbarer Nähe der 
Küste scheinen die Gezeitenströme abwechselnd zu herrschen, die aber ebenfalls 
von den Windverhältnissen beeinflufst :werden dürften, 
Lootsen giebt es für die Juan de Fuca- Strafse nicht, sind auch kaum 
nothwendig, da man mit Hülfe der Karte ohne sie ein- und aussteuern kann. Die 
Führer der Schleppdampfer sind indessen berechtigt, gleichzeitig als Lootse zu 
dienen, da -sie -Patente als solche besitzen. Lootsenzwang besteht dafür nicht.
	        
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