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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 29 (1901)

170 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1901. 
nicht beizulegen wissen, und „Zonen“ und „Linien“ in gleichem Sinne zu ge- 
brauchen, würde ich nicht für statthaft halten. Zur Beschreibung der Luftdruck- 
vertheilung ist dagegen von mir der Ausdruck „Linie niedrigsten Luftdruckes“ 
in Anwendung gebracht worden, wie bereits bemerkt wurde. Es bedarf eigentlich 
kaum der Erklärung, dafs dieser Ausdruck eine Linie in den synoptischen Luft- 
druckkarten bezeichnet, normal zu der nach beiden Seiten hin der Luftdruck 
zunimmt. Die Luftdruckwerthe auf dieser Linie kommen bei dieser Definition 
nicht in Betracht, sie können den Mittelwerth übersteigen oder darunter liegen 
und voneinander zur gleichen Zeit verschieden sein. 
Ich mufs mich ferner gegen den Theil des obigen Citats: „nach Herrmann 
sollte das am Hochwasser schuldige Minimum deshalb in volle Wirkung getreten 
sein... .“ aussprechen. Minimum ist für mich ein abstrakter Begriff, der, be- 
zogen auf die Imftdruckkarten, den niedrigsten Werth des Luftdruckes innerhalb 
eines gewissen Gebietes bezeichnet und dessen Lage durch einen bestimmten 
Punkt gekennzeichnet wird. Kin solcher abstrakter Begriff kann nach meiner 
Ansicht natürlich keine „Wirkung“ ausüben, und daher steht also auch diese Be- 
ziehung auf meine Abhandlung im Gegensatz zu dieser und meinen Anschauungen, 
In dem Absätz, welcher den oben aus Herrn Krebs’ Abhandlung citirten 
Worten folgt, bemerkt derselbe: „Auf Grund dieser Anschauung Herrmanns 
kann der Stillstand der typischen Depression als eine Folge mehrerer nach 
einander in die meridionale Druckrinne einfallenden kleinen Depressionen erklärt 
werden. Von Herrmann selbst ist dieser Schlufßs aber nicht ausdrücklich ge- 
zogen worden.“ Ich bemerke hierzu, dafs ich keine Veranlassung sah, diesen 
Schlufs zu ziehen, und dafs ich natürlich die Vertretung nur für das übernehme, 
was ich selbst niedergeschrieben habe, nicht aber für die Schlüsse, die Herr 
Krebs weiter zu ziehen für angebracht hält. 
Auf Seite 3 der Abhandlung des Herrn Krebs bemängelt derselbe die 
Uebereinstimmung meiner eigenen kartographischen Darstellung mit dem Text 
meines Artikels, Er macht darauf aufmerksam, dafs die von mir entworfenen 
Bahnen der Minima theils nach Ostnordosten, theils nach Ostsüdosten gerichtet 
sind. „Tbatsächlich entsprechen sie also nicht einer bestimmten, einige Zeit 
oleibenden Linie niederen (!) Druckes.“ 
Dazu bemerke ich: Die Bezeichnung des Verlaufes der Linie niedrigsten 
(nicht, wie Krebs wieder schreibt, niederen) Luftdruckes als von West nach 
Ost gerichtet, ist selbstverständlich nicht in dem Sinne zu verstehen, daß diese 
Linie genau dieser Himmelsrichtung folgt, sondern sich derselben sehr nahe an- 
schliefst. Die Richtungen Ostnordost und Ostsüdost sind in diesem Sinne daher 
noch als westöstliche zu bezeichnen. Aber in meiner Abhandlung ist auch wieder 
nirgends von „einer bestimmten, einige Zeit bleibenden“ solchen Linie die Rede. 
Es ist nur darauf hingewiesen, dafs während der in Rede stehenden Zeiten immer 
eine Minimallinie (mehr oder weniger stark hervortretend) bestand, die von 
West nach Ost über Centraleuropa verlief, Dafs die Lage derselben einige Zeit 
dieselbe bliebe, ist nicht von mir behauptet worden; im Gegentheil erleidet 
dieselbe Verschiebungen nach Nord und Süd, und damit würde sich auch, selbst 
bei genau west-östlichem Verlauf der Minimallinie, die Abweichung der Bahnen 
jener Minima von der West—Ost-Richtung erklären; ein Widerspruch zwischen 
Tafel und Text besteht also nicht. Auch weise ich hier auf den Schlufssatz 
meiner Abhandlung (a. a. O. Seite 390) hin, welcher lautet: Die in der bei- 
yegebenen Karte eingetragenen Positionen der Minima gelten daher nicht für 
lie Minima der Einzelerscheinungen, sondern stellen die Lage der Minima dar, 
welche aus der Summation sich ergeben und also in den Wetterkarten selbst 
unmittelbar sich zeigen. 
In dem Vorstehenden sind diejenigen Punkte berührt, auf welche ich in 
Hinsicht auf die Abhandlung von Herrn Krebs in erster Linie Gewicht lege. 
Es liegt mir durchaus fern, des Weiteren mit Herrn Krebs eine Polemik über 
seine Anschauungen der atmosphärischen Vorgänge aufzunehmen, wie denn auch 
in meiner früheren hier in Rede stehenden Abhandlung dieser Anschauungen 
nicht gedacht worden ist. Wenn ich hier das Wort ergriffen habe, so geschah es 
nur in dem Wunsche, daß irrige Meinungen über meine eigenen Darstellungen 
and Ansichten nicht bestehen blieben oder sich gar weiter verbreiteten. 
Dr. E. Herrmann,
	        
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