Wedemeyer, A.: Bemerkung zu: „Zeitbestimmung und Chronometerkontrole“, 469
Wenn daber die neue Methode zur direkten Bestimmung des Uhrfehlers
m. E, wenig brauchbar ist, so kann sie doch zur unabhängigen Kontrole der
Rechnung nach anderen Methoden unter Umständen mit Vortheil angewandt
werden. Es wird gewifs von Interesse sein, die Standlinie nach der Methode
der Höhendifferenzen zu konstruiren. - Wie in den mathematischen Lehrbüchern
gezeigt wird, ist die Standlinie die Schnittkurve eines Kegels auf der Kugelfläche.
Zu der Abhandlung von Wilhelm Krebs: „Die meteorologischen
Ursachen der Hochwasser-Katastrophen in den mitteleuropäischen
Gebirgsländern“ in „Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte‘“,
XXI. Jahrgang, 1900, No. 6.
In der genannten Abhandlung nimmt Herr Wilhelm Krebs mehrfach
Bezug auf einen nur wenige Seiten umfassenden Aufsatz!), in dem die allgemeineren
atmosphärischen Vorgänge vor und während der Ueberfluthungen in Schlesien,
Sachsen und Nordböhmen im Jahre 1897 von mir skizzirt worden waren.
Ohne in eine Diskussion der Anschauungen des Herrn Krebs eintreten
zu wollen, habe ich hier nur die Absicht, meine eigenen Darlegungen in dem
angeführten Aufsatz klarzustellen und die Darstellung zu berichtigen, die Herr
Krebs von dessen Inhalt gegeben hat.
Auf Seite 2 der No. 6 „Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte“,
XXI. Jahrgang, schreibt Herr Krebs: Herrmann erklärte das Zustande-
kommen der typischen Depression aus dem Vorhandensein zweier Zonen oder
Linien niederen Druckes, von denen die eine über das östliche Mitteleuropa von
„Nord nach Süd“ (Seite 387 bis 388) oder „den Meridianen entlang“ (Seite 390),
die andere nördlich der Alpen dem Aequator parallel verlief. An der Kreuzung-
stelle dieser Linien sollte nach Herrmann das am Hochwasser schuldige Minimum
deshalb in volle Wirkung getreten sein, weil .....
Diese Darstellung meiner Aeufserungen ist nicht richtig und schief. In
dem genannten Aufsatz ist nirgends auch nur der Versuch gemacht worden, das
Zustandekommen einer die Hochwassergefahr in Mitteleuropa hervorrufenden
typischen Depression zu erklären; es sind daselbst die atmosphärischen Vorgänge
jener Tage lediglich beschrieben worden. Dabei bin ich bestrebt gewesen,
Charakteristische Züge der Druckvertheilung und der atmosphärischen Vorgänge
überhaupt vor und bei gefahrbringenden Regenfällen über Mitteleuropa aufzusuchen
und darin eine Erklärung für die aufserordentlichen Niederschläge zu finden.
Als einer der charakteristischen Züge dieser Druckvertheilung erschien es mir,
dafs eine Linie niedrigsten Luftdruckes, von mir auch Minimallinie genannt, in
west-östlicher Richtung Centraleuropa durchschnitt. Dieser Linie folgten dann
Depressionen, die sich mit anderen weniger schnell fortschreitenden Depressionen
summirten und damit eine größere Intensität des Aufsteigens der Luft veranlafsten.
Daraus erklärten sich die aufserordentlich heftigen Regenfälle. Bei dem Unwetter
des Sommers 1897 in Württemberg und dem späteren über weiteren Gebieten
des östlicheren Mitteldeutschlands hatte die langsamer sich verlagernde Depression
„eine von Nord nach Süd langgestreckte Gestalt“ oder „von einer nördlicher
gelegenen Depressionszone erstreckten sich Ausläufer weit nach Süden“, mit
diesen summirten sich die von Westen herkommenden kleineren Depressionen,
Diese Lage und Gestalt der gröfseren und stationäreren Depression ist nur als
besonderer Fall geschildert worden, wie er sich darstellt für gewisse Unwetter jenes
Sommers und ferner für alle die außerordentlichen Regenfälle, die in Begleitung
von Minima aufgetreten sind, welche nach Anderen der Zugstrafse V folgen,
Daraus ergiebt sich schon, dafß der Inhalt des obigen Citats aus der Abhandlung
des Herrn Krebs von jenen meinen früheren Darlegungen sehr wesentlich
abweicht.
Dieses Citat erwähnt zudem „Zonen oder Linien niederen
Ein derartiger Ausdruck ist in meinem besprochenen Aufsatz nirgends
Den Worten „Linien niederen Druckes“ würde ich eine Bedeutung
‘) „Ann. d. Hydr. u. Marit. Meteor.“, 1897, Seite 387 bis 390.