accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 29 (1901)

a 
Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1901 
Bemerkung zu: „Zeitbestimmung und Chronometerkontrole durch 
eine Höhendifferenz“. 
Von A. Wedemeyer, Hülfsarbeiter der Seewarte. 
Herr Dr. Wirtz behandelt in Heft VIII dieser Zeitschrift die Aufgabe, 
aus der Höhendifferenz zweier Sterne und der zugehörigen Zwischenzeit bei be- 
kannter Polhöhe den Uhrstand zu bestimmen, und behauptet dabei, dafs durch 
die angegebene Methode die Rechnung vereinfacht wird. Im Folgenden soll nun 
gezeipt werden, dafs die Methode nur in wenigen Fällen angewandt werden kann, 
und dafs die bisber gebräuchlichen Methoden die Uhrkorrektion nicht nur schneller. 
sondern auch sicherer liefern. 
Höhendifferenzen kann man mit dem Sextanten doch nur messen, indem 
man zwei Kimmabstände miteinander vergleicht. Sind die beiden Höhen nicht 
über einer Kimm von gleicher Beschaffenheit beobachtet, so wird die Höhen- 
differenz mehr oder minder fehlerhaft werden. Beobachtet man z. B. über einem 
mondbeleuchteten "Theile der Kimm, so wird erfahrungsgemäfs der Kimmabstand 
meist zu klein gemessen werden, über einer durch Wolken verdunkelten Kimm 
wird er meist zu grofs ausfallen. Die Höhendifferenz wird daher um die Summe 
des absoluten Betrages der Höhenfehler falsch werden. Nach der auf Seite 373 
entwickelten Fehlergleichung wird dt also um -+ x sec @ > rar) fehler- 
2 — 
haft werden, wenn wir mit x die Summe der absoluten Fehler bezeichnen. 
Gleichung 2, Seite 372, zeigt uns auch, dafß man nicht über derselben Kimm 
beobachten darf, da dann die Azimute nahezu gleich werden und der Faktor 
ra „—,— sehr grofs oder unendlich wird. In einem Hafen hat man häufig 
sin A, — sin A, 
nur Gelegenheit, über dem Ost- oder Westhorizonte zu beobachten. Die bislang 
gebräuchlichen Methoden werden dadurch nicht im mindesten eingeschränkt; es 
sind vielmehr zwei Beobachtungen in demselben Zweige des ersten Vertikals 
völlig gleichwerthig zur Zeitbestimmung. Die Fehler in den gemessenen Höhen 
haben auch nur einen geringen Einflufs auf den Stundenwinkel. Zwei Höhen 
liefern nun zwei Bedingungsgleichungen für den Stundenwinkel, kontroliren sich 
also gegenseitig. Der wahrscheinliche Stundenwinkel wird das arithmetische 
Mittel aus beiden sein, auch wird man, wenn beide zu sehr voneinander ab- 
weichen, noch eine dritte Höhe messen, der Sicherheit halber. Die vorliegende 
Methode liefert nur eine Bedingungsgleichung für den Uhrfehler, der gleich dem 
Mittel der aus den beiden Höhen gefundenen Uhrfehler sein mufs, bietet mithin 
keine Kontrole über den Genauigkeitsgrad der Beobachtungen. 
Nur scheinbar ist die Methode des Herrn Dr. Wirtz kürzer als diejenigen, 
die den Uhrfehler durch Berechnung des Stundenwinkels ergeben. Berechnet 
man z. B. die Stundenwinkel nach der Formel: 
sem t = sec @ sec Sein Ik? sin 200 
so gebraucht man in Summa 10 Logarithmen. Bei jener Methode müssen wir 
jedoch zwei Höhen und zwei Azimute aus %, d und t berechnen oder aus Tafeln 
entnehmen. Die beiden Azimute liefern die bekannten Tafeln zwar schnell und 
genau genug; die Höhen müssen aber mindestens auf eine Bogenminute genau 
aus den Tafeln entnommen werden können, was bei den bekannten Tafeln ziemlich 
weitläufiz ist. Sollen die Tafeln in so engen Grenzen gehalten werden, dafs man 
a vue die Höhen entnehmen kann, so wird ihr Umfang zu grofs und dadurch die 
Tafel für die Praxis untauglich. Weiterhin gebraucht man noch fünf Logarithmen 
zur Ermittelung des Uhrfehlers. 
Dafs man nach den bekannten Methoden seine Standlinie sofort in die 
Karte eintragen kann, ist selbstverständlich; bei der neuen Methode wird man 
jedoch, wenn man das von den Seeleuten fast ausschliefslich angewendete Gestirn, 
die Sonne, zur Messung der Höhendifferenz benutzt, erst nach Verlauf mehrerer 
Stunden den Schiffsort finden, was auf hoher See zwar von peringer Bedeutung 
ist, in der Nähe der Küste jedoch leicht verhängnifsvoll werden kann, ein Umstand, 
den Herr Dr. Wirtz gerade vermeiden wollie.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.