Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1901.
Monatszahlen nach ihrem Maximum im Januar, während bei den Sommertagen
die dem Maximum im Juli vorangehenden Monate durch deren Häufigkeits-
zahlen gegenüber den nachfolgenden Monaten begünstigt sind. Dieser Unterschied
ist wesentlich auf die Wirkung der Schneedecke und weiterhin allgemeiner darauf
zurückzuführen, dafs der jährliche Gang der Temperatur des Erdbodens für das
Zustandekommen hoher Tagestemperaturen nicht die gleiche Bedeutung wie für
die Entstehung der niedrigen Temperaturen besitzt.
Die angegebene Vertheilung der Eis- und Wintertage lehrt, dafs, nachdem
uns der März noch Eistage zuführen kann, bereits im Mai Sommertage auftreten
und auf solche im September wieder im November Eistage folgen. April und
Oktober erscheinen als die gemäfsigteren Monate, in denen die höchste Tempe-
ratur nicht über 25° steigt und nicht unter 0° sinkt.
Wie sich die Temperaturschwankungen in den Monaten genauer verhielten,
zeigt folgende Zusammenstellung der höchsten und der niedrigsten Temperaturen
des Zeitraumes, denen die monatlichen Mitteltemperaturen zugefügt worden sind.
Januar
Februar
März
April
Mai
Jumz
Minimum Maximum
Mittel
— 18,4 13,2 0,6
16,8 15,1 0,9
121 | 19,9 2,9
5,3 | 21,7 7,2
LO | 317 11,8
50 | 31.1 15,5
Juli
August
September
Oktober
November
Dezember
an ] P
Minimum | Maximum '
7,6
5,7
1,3
— 2,2
—13,5
— 10,8
32,0
31,0
28.8
22,4
17,3
11,6
Mütel
16,8
16,5
13,6
8,7
4,2
1.0
Hiernach sank die Temperatur in den Monaten Oktober bis Mai unter
Null. Solcher Tage, an denen die niedrigste Temperatur unter dem Gefrierpunkt
lag, die als Frosttage bezeichnet werden, gab es im Ganzen 1881 mit folgender
mittleren Vertheilung auf die Monate des Zeitraumes:
Oktober 1,1 Februar 16,2
November 8,1 März 12,8
Dezember 15,0 April 3,0
Januar 19,4 Mai 0,2
Jahr 75,2.
Natürlich ist der Januar der durch die gröfste Zahl von Frosttagen aus-
gezeichnete Monat, und wir begegnen bei der Vertheilung dieser Hänufigkeits-
zahlen auf die Monate der gleichen oben für die Eistage hervorgehobenen Ge-
setzmäfsigkeit, die hier noch dadurch stärker zum Ausdruck gelangt, dafs auf den
durch das Maximum ausgezeichneten Januar noch vier Monate mit Frosttagen
folgen, aber deren nur drei vorangehen.
Frost im Mai charakterisirt sich übrigens als eine für Hamburg sehr
seltene Erscheinung; er trat nur im Jahre 1877 an drei aufeinander folgenden
Tagen und im Jahre 1892 einmal, im Ganzen viermal, auf.
Neben den höchsten Tagestemperaturen, die in der Auszählung der
Sommer- und Eistage zur Darstellung gelangen, kommt auch den hohen Nacht-
temperaturen klimatologisch eine grofßse Bedeutung, besonders auch mit Rücksicht
auf die menschlichen Bedürfnisse zu, insofern als das Wohlbefinden des Menschen,
zumal des Europäers, in hohem Grade an einen gewissen Grad des Sinkens der
Temperatur in der Nacht gebunden ist. Nach hohen Tagestemperaturen bedarf
der Mensch der nächtlichen Abkühlung der Luft. Bezeichnen wir als warme
Nächte solche, in denen die niedrigste, gewöhnlich vor Sonnenaufgang ein-
tretende Temperatur nicht unter 15° sinkt, so gab es deren in den 25 Jahren 558,
demnach annähernd so viele wie Eistage; sie kamen nur im Mai bis September
vor, also in den durch Sommertage ausgezeichneten Monaten, und zeigten im
Durchschnitt des Zeitraumes folgende Vertheilung:
Mai 0,7 August 7,3
Juni 4,2 September 1,5
Juli 8,6 Jahr 22,3.
Hier zeigen die warmen Nächte das gleiche Verhalten wie die Eis- und
die Frosttage im Gegensatz zu den Sommertagen. Wir entnehmen hieraus, dafs