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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1901.
zunehmend, und die Wolkenbank kam rasch höher. Es zeigte sich vereinzeltes
Blitzen. Nachdem wir bis jetzt unseren Kurs nach SzO mit zuletzt 12. Knoten
Fahrt verfolgt hatten, wurde gegen 1*a die ganze Mannschaft an Deck beordert,
um Segel zu bergen. Um 1’!/2"a wurde das Schiff auf B. B.-Halsen an den Wind
gelegt. Der Wind war zur Zeit NNW 6 bis 7. Die See lief hoch und wild
brechend aus SO, Ost, NO und Nord. Die Luft war drohend und dunkel, und
grelles Blitzen machte es unmöglich, irgend etwas zu sehen. Das Barometer
zeigte um 1”a 746,8, um 1* 30" a 746,3 mm.
Gegen 2"a kam deg Wind mit orkanartiger Stärke aus WNW. Die Mars-
segel flogen bei dem ersten Anprall aus den Lieken; das Schiff legte sich platt
auf die Seite, so dafs die Reling 3 Fufs unter Wasser war. Bis 3"a stürmte cs
mit Stärke 11 bis 12. Die Seen brachen von allen Seiten über das Schiff,
welches unverändert auf der Seite lag. Das Ruderrad wurde von einer See zer-
trümmert. Das Schiff war beständig in einer zitternden Bewegung. Es hagelte
and regnete so, dafs man die Augen nicht offen halten konnte; das unaufhörliche
starke Blitzen machte es überhaupt unmöglich, irgend etwas zu sehen.
Um 3* a erreichte das Barometer mit 745,3 mm!) seinen niedrigsten Stand.
Bei zunehmendem Luftdruck begann. der Sturm, indem er sich mehr nach links
drehte, sich zu mäfsigen; die Luft wurde klarer, und im Zenith zeigten sich
Sterne. Das Schiff richtete sich wieder auf, und die Reling kam über Wasser.
Gegen 4ha war der Wind SW 6 bis 7; das Barometer zeigte 752,2 mm. Bei
Tagesanbruch konnten wir die Verheerungen an Deck ansehen: alles laufende
Tauwerk war aus den Pforten gewaschen und gröfstentheils unbrauchbar ge-
worden. Das Schott vor der Back war weggerissen und aus der Zimmerer-
werkstatt alles Geschirr verschwunden. Auch der Hühnerstall mit allen Hühnern
war über Bord gegangen. Vor den Kettenkasten hatten sich die Sicherungen
der Klüsen gelöst, wodurch viel Wasser in den Raum gedrungen war. Die
Peilungen der Pumpen ergaben 8 Zoll. Das Schiff hatte 3 Fuß Schlagseite. Das
ganze Stell Segel war unbrauchbar geworden, selbst die an den Raaen fest-
gemachten Segel waren unter ihren Beschlagzeisingen zerfetzt. Um 8'a war
der Barometerstand schon wieder 757,1 mm. Darauf wurde der Wind aus SW
leicht und die Luft klar. Während des Tages ersetzten wir die Marssegel,
pumpten das Schiff lenz und brachten Ladung von der niedrigen nach der höheren
Seite. Nachdem die flauen südwestlichen Winde in Stille geendigt, konnte mit
der in der nächsten Nacht — vom 14. zum 15. September — von Neuem ein-
setzenden Passatbriese die Reise fortgesetzt werden.“
Der Ort, wo „Arthur Fitger“ um 3* a des 13. September 1900 den
niedrigsten Barometerstand von 745,3 mm hatte, ist nach der Loggerechnung
21° 40‘ N-Br und 33° 3‘ W-Lg, wohingegen „Ammon“ das Minimum von 751,3 mm
am 10. September mittags auf 13° 14’ N-Br und 26° 10’ W-Lg und „Ostara“ das
von 734,23 mm am 7, September um 2* p auf 14° 12‘ N-Br und 30° 17’ W-Lg beob-
achtete. Berechnet man aus diesen Daten die Richtung und Entfernung des
„Arthur Fitger“ von „Ammon“ und „Ostara“ sowie den Zeitunterschied im Ein-
treten des niedrigsten Luftdruckes, so erhält man für den Zug der Depression,
wenn diese sich von „Ammon“ nach „Arthur Fitger“ bewegt hat, N 39° W (NW '/2N)
642 Sm in 2 Tagen 15Stunden oder 63 Stunden, was als Durchschnittsgeschwindigkeit
10,2 Sm in der Stunde giebt. Von „Ostara“ nach „Arthur Fitger“ gerechnet, ist
die Entfernung N 18° W (NzW!/2W) 574 Sm in 5 Tagen 13 Stunden (133 Stunden)
und die mittlere Geschwindigkeit 4,3 Sm in der Stunde. Zieht man den raschen
Verlauf des Sturmes in Betracht, so darf man wohl annehmen, dafs die Zuglinie
mit der schnelleren Fortbewegung die wahrscheinlichere ist, und die Depression,
welche „Arthur Fitger“ traf, vorher „Ammon“ berührt hatte. Alle drei Schiffe
standen an der linken Seite der Sturmbahn. Der Wind, von der Stärke 8 und
mehr, hatte eine Dauer bei „Ostara“ von 3 bis 4, bei „Ammon“ von etwa 3
und bei „Arthur Fitger“ von 2 bis 3 Stunden. Das Fallen des Barometers betrug
bei dem ersten Schiffe 25,4, bei dem zweiten, der etwas weiter von der Sturm-
mitte entfernt blieb, 6,1 und bei dem dritten 17,5 mm.
1) Die genaue Korrektion des Barometers konnte noch nicht bestimmt werden. Nach Ver-
gleichung mit Beobachtungen von Landstationen ergiebt sich dieselbe zu etwa -+ 2,0 mm. Diese
ist hier angebracht,