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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 29 (1901)

Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1901. 
Die deutsche Schwefel-Gesellschaft hat eine eigene Landungsbrücke, die 
auf der Karte durch punktirte Linien östlich von der Landungsbrücke beim Zoll- 
hause angedeutet ist. Die nach den Wasserwerken führende Eisenbahn ist nur 
eine Schwebebahn zum Fortschaffen des Schwefels. Eine Pferdebahn ist vorhanden. 
Zur Küstenkunde des Feuerlandes. 
Nach „Noticias Hidrograficas“ No. 28. Valparaiso, Juli 1901. 
Inutil-Bucht (Useless- Bucht) ist ein grofser Golf, der sich in das Feuer- 
land hinein erstreckt und nach Westen offen ist. Die Einfahrt der Bucht ist im 
Nerden an dem Berge Boquerones und im Süden an Nose Peak kenntlich. Die 
Bucht ist etwa 30 Sm lang und in der Einfahrt 15 Sm breit. Die in der Einfahrt 
steile Küste senkt sich nach dem Innern der Bucht zu allmählich und geht in 
die niedrige Pampa des Feuerlandes über. An der Südseite ist die Wassertiefe 
sehr gering; die Nordseite ist gefährlich, 
Einen geschützten Ankerplatz giebt es in der ganzen Bucht nicht, denn 
die mit grofser Stärke wehenden West- und Südwestwinde werfen auf den geringen 
Tiefen eine hohe See auf. In diesem Theile der Magellan - Strafse wehen die 
Südwestwinde mit besonderer Stärke und Beständigkeit. Die nördlichen und 
nordöstlichen Winde, die im Mai und Juni vorkommen, sind im Allgemeinen 
schwach und daher nicht zu fürchten. 
Die Bucht hat vier Landungspläize aufzuweisen, von denen drei zu Vver- 
schiedenen Zeiten benutzt worden sind. Die Esperanza-Bucht, die 8 Sm östlich 
vom Kap Boquerones liegt, ist eine kleine Einbuchtung, in der kleine Fahrzeuge 
bei gutem Wetter anlegen können. Wenn man sich nahe an der Küste hält, 
erkennt man die Bucht an einem Sandstrande mit einem kleinen Wege. Hier 
landeten die Goldsucher, um sich nach den in der Nähe befindlichen Gold- 
wäschereien zu begeben. Der Plan des Leutnants Serrano Montaner nennt 
die Bucht Ossa, ein Name, der sich jedoch nicht erhalten hat. Der Name 
Esperanza wird von den Bewohnern der Umgegend allgemein gebraucht. An 
der Bucht steht eine jetzt verlassene Hütte, die ehemalige Wohnung eines Schaf- 
hirten. Vor der Bucht soll sich eine Bank 3 Sm weit erstrecken. 
Etwa 8 Sm östlich von der Esperanza - Bucht ist die Josefina - Bucht, die 
zuerst von der „Sociedad Esplotadora de Tierra del Fuego“ benutzt wurde, jetzt 
aber verlassen ist. Trotzdem befindet sich dort ein Haus, in dem man einige 
Lebensmittel, z. B. Fleisch, bekommen kann. Der Ankerplatz ist schlecht und 
gefährlich; bei westlichen Winden treiben die Schiffe leicht und gerathen in 
Gefahr, auf die Josefina - Bank zu kommen. 6 Sm weiter östlich ist der Neue 
Hafen (Puerto Nuevo), in dem sich der ganze Schiffsverkehr mit der Haupt- 
niederlassung der oben genannten Gesellschaft abwickelt. Der Neue Hafen ist 
eine einfache Bucht mit einem Landungsplatze für Leichter und Boote. Am 
Strande steht ein Schuppen, der zur Aufbewahrung der Schafwolle dient und 
weithin sichtbar ist; er ist daher eine gute Landmarke für die Ansteuerung des 
Ankerplatzes. Der Grund ist felsig mit einigen Stellen weifsen Sandes; die 
Anker halten schlecht, und südwestliche Winde bringen hohe See auf dem Anker- 
platze auf. Bis zur 15 m - Grenze giebt es sehr viel Seegras, das jedoch bei 
windigem Wetter nicht sichtbar ist. 
Der beste Ankerplatz ist auf 10 m Wasser, 1’ Sm von der Küste 
entfernt, in der Peilung des Schuppens mw. N20°W. Die kleinen in der 
Magellan-Strafßse verkehrenden Dampfer ankern gewöhnlich näher am Lande auf 
5m Wasser, laufen jedoch, wenn Wind aufkommt, sofort weiter hinaus. Zur 
Vorsicht mahnt das Beispiel des Dampfers „Torino“, dessen Ketten infolge des 
starken Seeganges brachen und der daher auf Strand trieb. 
Der ganze übrige Theil der Bucht kommt, wie schon der Name sagt, für 
die Schiffahrt nicht in Betracht, da es nirgends mehr einen Landungsplatz giebt 
als in der Mac Klellan-Bucht an der Südseite der Inutil-Bucht. Das Erkennen 
der Mac Klellan-Bucht von draufsen ist etwas schwierig, so dafs man sie nur 
mit Booten aufsuchen kann. Zwischen der Josefina-Bucht und dem Neuen Hafen 
erstreckt sich eine ausgedehnte Bank mit verschiedenen bei Niedrigwasser 
trockenfallenden Klippen. Die die Bank begrenzenden Klippen fallen jedoch nur 
bei Springtide-Niedrigwasser trocken. Der westliche Theil der Bucht springt am 
weitesten vor und ist von der Küste 5000 m entfernt.
	        
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